Vorurteile und Missverständnisse

Aktuell kursieren viele Vorurteile über Flüchtlinge. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle gerne sagen, was wirklich dahinter steckt. Unsere Kolleginnen und Kollegen, die tagtäglich mit den Flüchtlingen zu tun haben, wissen, dass es sich in den meisten Fällen schlichtweg um Missverständnisse handelt. Wir klären auf!

 

1. Die Flüchtlinge besitzen die neuesten Handys. Die sind doch gar nicht in Not!

Das ist das größte aller Missverständnisse. Wir müssen uns klar darüber werden, dass die Flüchtlinge ganz normale Menschen sind, denen zum Beispiel das Haus zerstört worden ist. Die Vorstellung, dass Flüchtlinge arm sein müssen, ist falsch. Ein Handy oder Smartphone zu besitzen ist ihnen unglaublich wichtig. Sie können es als Übersetzer benutzen oder auch als Navigator, zum Beispiel über Google Maps. Und ganz besonders wichtig ist natürlich die Möglichkeit, mit dem Handy den Kontakt in ihre Heimat zu ihren Angehörigen zu halten.

 

2. Die Flüchtlinge sind undankbar. Sie lehnen sogar Kleiderspenden ab.

In ihren Unterkünften haben die Flüchtlinge oftmals kaum Platz für viel Kleidung. Da kommt es auf das Notwendigste an. Eine Jacke reicht. Viel wichtiger erscheint allerdings die Tatsache, dass wir es oftmals mit jungen Menschen zu tun haben. Wir sollten uns immer wieder vor Augen halten, dass alle Flüchtlinge eigenständige Personen sind. Mit einem eigenen Willen und Geschmack.

 

3. Die Flüchtlinge haben was zu verbergen oder sie liegen den ganzen Tag im Bett rum. Da sind ja immer die Rollläden unten.

Viele von Ihnen möchten grade am Anfang lieber ihre Ruhe haben und ankommen. Die Mehrheit der Flüchtlinge hat einfach viel Angst. Viele von ihnen sind zuhause verfolgt worden. Und diese große Angst hört nicht einfach so abrupt auf, bloß weil sie die deutsche Grenze übertreten haben. Außerdem sind es viele von ihnen wegen der hohen Temperaturen in ihrer Heimat so gewohnt, tagsüber die Rollläden zu schließen.

 

4. Die Flüchtlinge treiben sich den ganzen Tag nur am Bahnhof rum.

Weil sie dort auf Busse und Züge warten. Schließlich müssen sie in die Schule kommen oder zu ihren Deutschkursen, zum Arzt, zum Sozialamt, zur ihrer gemeinnützigen Arbeit oder sie wollen sich untereinander besuchen. Und weil sie keine Autos besitzen, nutzen sie die öffentlichen Verkehrsmittel. Ihre oftmals dunklere Hautfarbe und die Tatsache, dass sie häufig in kleinen Gruppen reisen, macht sie für uns auffällig. Es ist einfach ein neues Bild.

 

5. Die Flüchtlinge kaufen im Supermarkt nur die teuren Lebensmittel.

Wenn auf einer Getränkepackung eine Orange abgebildet ist, erkennen sie, dass darin Orangensaft ist. Was aber soll in einer weißen Verpackung vom Discounter sein, auf dem "Ja!" steht? Und weil die Flüchtlinge ebenso wie wir, Markenprodukte aus ihrer Heimat kennen, greifen sie zu den Produkten, die sie (er)kennen. Hinzu kommt außerdem, grade am Anfang, die Sprachproblematik. Wer unsere Zahlen nicht lesen kann, der weiß auch nicht, was teuer ist und was nicht.

Kontakt

Anne Peter-Lauff

Zuwanderung und Integration

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