1,5 Millionen Bienen vor Seuche gerettet

Großangelegte Rettungsaktion in Ehringshausen läuft nach Plan

Wetzlar/Ehringshausen (ldk): Imker, Bienensachverständige, Tierärzte, ein Bienenberater, die freiwillige Feuerwehr und ein ganz großes Gesumme – ein Großaufgebot von mindestens 50 Hilfskräften aus dem Lahn-Dill-Kreis und einigen Nachbarlandkreisen sowie vom Regierungspräsidium hat sich auf den Weg nach Ehringshausen gemacht, um sie zu retten: rund 1,5 Millionen Bienen. Über zehn Stunden lang hat die Rettungsaktion gedauert, mit einem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis: Die Bienen haben es geschafft. Genauso wie alle Helfer – ein anstrengender Tag!

Nach dem Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut (AFB) in einem Imkerstand bei Ehringshausen vor knapp zwei Wochen stand schnell fest, dass die Rettung dieser Bienen eine besondere Herausforderung ist. „Wir hatten es mit einem besonders großen Imkerbetrieb mit insgesamt 60 Bienenstöcken zu tun. Um alle Stöcke zu sanieren, brauchten wir viele Helfer und viel Zeit. Die Tiere mussten umgesiedelt, die Bienenkisten desinfiziert und die Waben verbrannt werden“, so Amtsveterinär und Imker Dr. Giuseppe Bosco.

Verbrennungskuhle und Desinfizierstation
Um die mit der Faulbrut infizierten, rund 2.400 Wabenrähmchen verbrennen zu können, hat die Gemeinde extra eine Kuhle in der Nähe des Imkerstandes ausgehoben. Über den ganzen Tag wurden die Waben verbrannt, das Sporen bildende Bakterium somit unschädlich gemacht. Viele Imker aus der Region waren vor Ort, um zu helfen. Auch die Nachbarkreise Limburg-Weilburg und Marburg-Biedenkopf haben die Rettungsaktion unterstützt: Bienensachverständige, Bienenberater und auch Veterinäre waren dabei. Die Kisten, in denen die Waben aufgehängt sind und die den Bienen als Behausung dienen, mussten desinfiziert oder abgeflämmt werden. „Das Bakterium ist ziemlich hartnäckig. Wir haben deshalb eine Desinfizierstation eingerichtet. Die Bienenkisten aus Kunststoff wurden nacheinander in Natronlauge abgekocht und im Anschluss zum Trocknen auf einer Folienbahn abgestellt – eine sehr anstrengende und zeitaufwendige Prozedur. „Wir mussten sicherstellen, dass keine Chemikalien in den Boden sickern“, so Bosco weiter. Um die Bienenkisten aus Holz zu desinfizieren, kamen Gasbrenner zum Einsatz. Das Abflämmen des Holzes ist eine sehr effektive Variante, um dem Schädling zu Leibe zu rücken.

Wie geht es mit den Bienen weiter?
Wie der Name der Seuche „Faulbrut“ schon vermuten lässt, greift das Bakterium lediglich die Brut, also den Nachwuchs der Bienen in den Waben an. Die Bienen selbst sind nicht gefährdet. Die insgesamt rund 1,5 Millionen Tiere aus den 60 Völkern sind nacheinander wieder in ihre desinfizierten Bienenkisten umgesiedelt worden und müssen sich jetzt neue Waben bauen. „Die Rettungsaktion ist vorbildlich gelaufen. So eine umfangreiche Sanierung erlebt man – zum Glück – nicht oft“, Bosco vom Veterinäramt zeigte sich zuversichtlich. „Bis zum Winter haben sich die Bienen wieder ein vollständiges Nest gebaut und können sicher und gesund überwintern.“


Sperrbezirk rund um Ehringshausen
Rund um Ehringshausen wurde ein Sperrbezirk in einem Radius von circa zwei Kilometern eingerichtet. In diesen Bereich fallen die Ortschaften Werdorf, Berghausen, Mühlbach und Daubhausen. Solange der Sperrbezirk gilt, dürfen keine Bienenvölker aus diesem Bereich heraus- oder in ihn hineingebracht werden. Erst wenn alle im Sperrbezirk stehenden Bienenvölker vom Kreis-Veterinäramt untersucht sind, kann dieser wieder aufgehoben werden.


Die Amerikanische Faulbrut
Die Amerikanische Faulbrut ist für den Menschen absolut ungefährlich. Für ein Bienenvolk hingegen nicht. Das Sporen bildende Bakterium wird über kontaminierten Honig verbreitet und befällt die Brut im Stock. Diese wird zersetzt. Das Bienenvolk bringt keinen Nachwuchs mehr hervor und zerfällt mit der Zeit. Geschwächte Völker sind Ziel anderer Völker, die den Stock räubern und das Bakterium dadurch in ihren eigenen Stock eintragen.


Fragen rund ums Thema
Imker können sich bei Fragen zum Thema gerne mit dem Veterinäramt des Lahn-Dill-Kreises in Verbindung setzen: 

veterinaeramt@lahn-dill-kreis.de
Tel. 06441 407-7711

Kontakt

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