Gila Gertz und Helga Liewald (Tinko Theater) führten gemeinsam durchs Programm. Dabei gab es immer wieder kurze Theatersequenzen zu sehen, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung mitspielten. (Foto: LDK)

Menschen mit Behinderung einstellen

Inklusion ist Vorteil beim Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt

Wetzlar/Herborn/Dillenburg (ldk): Sie beraten, sie finanzieren die technische Ausstattung und sie kümmern sich um den rollstuhlgerechten Umbau eines Arbeitsplatzes - das Leistungsspektrum Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) mit Sitz in Gießen ist groß. Der Verband hilft Unternehmen bei der Inklusion. Denn oftmals scheitert das Einstellen von Menschen mit einer Behinderung an Kleinigkeiten. Vor allem liege es an den mentalen Barrieren, so der LWV. Dabei biete der Verband eine direkte unbürokratische Zusammenarbeit an und konnte auf diese Weise z. B. schon zwei Gehörlosen die Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei der Lufthansa-Werft in Hamburg oder einer Rollstuhlfahrerin bei der Arbeitsplatzausstattung in einer Physiopraxis unterstützen.

Praxisbeispiele örtlicher Arbeitgeber reihen sich bei der Unternehmerveranstaltung "Wie Unternehmen von Inklusion profitieren, die von dem Unternehmenstheater Tinko durch den Abend begleitet wurde, aneinander. So wurde zum Beispiel über eine spezielle Softwareentwicklung für Blinde und Sehbehinderte informiert. Dabei wurde deutlich, dass Menschen mit einer Seheinschränkung viel mehr machen können, als man sich vorstellen könne. Auch Ikea, recht neu am Standort Wetzlar, ist beim Thema Inklusion vorn dabei und ist schnell eine Kooperation mit der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg eingegangen. Kleine Tätigkeiten, wie aufräumen, sortieren, zusammenbauen etc. werden so von Menschen mit Behinderung übernommen.

Damit Inklusion auf dem Arbeitsmarkt künftig noch intensiver funktionieren kann, ist es für Unternehmen wichtig die Unterstützung des Integrationsamtes (LWV), der Arbeitsagentur oder der Lebenshilfe bzw. anderer Werkstätten in Anspruch zu nehmen. Dirk Köhler, Spezialist für Reha und Schwerbehinderte bei der Arbeitsagentur, spricht von erlebter Unsicherheit und Misstrauen, negativen Erfahrungen von Bewerbern und Skepsis der Unternehmen, die es zu entkräften gebe. Es gebe bereits gute Umsetzungsbeispiele, aber noch nicht genügend. Inklusion in Unternehmen sei nicht abhängig von der Unternehmensgröße, sondern von den Menschen dort, die diesen Prozess anstoßen.

Beispiele aus der Praxis
Über die positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit waren sich alle einig. Das Kloster Altenberg der Königsberger Diakonie hat sich auf die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher spezialisiert. Anja Viehl, Rinn Beton- und Natursteine betont die gesellschaftliche Verantwortung ihres Unternehmens, das zu der Einstellung von Menschen mit Behinderung vor schon 30 Jahren geführt habe. Mittlerweile liege die Quote bei 8,6 % und eine Ausgleichsabgabe werde seit langem nicht mehr bezahlt. Uwe Schneidmüller von Schaum Industrievertretung aus Hüttenberg arbeitet seit über 20 Jahren mit den Werkstätten zusammen und Schaum wurde als Gewinner des Inklusionspreises ausgezeichnet. Die Vollkornbäckerei Siebenkorn hat sogar eine eigene Integrationsgesellschaft gegründet, angefangen mit hörbeeinträchtigten Mitarbeitern sei man nun dazu übergegangen, eine Blinde einzustellen. Auffallend sei dabei, dass es gute schulische Möglichkeiten geben würde, die Praxisangebote doch hingegen sehr gering seien. Holger Siemon fasst es so zusammen: "Die Einstellung von Menschen mit Behinderung ist ein Vorteil für uns beim Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt viele Ansprechpartner, die einem dabei helfen können".

Die Veranstaltung wurde durch die Wirtschaftsförderung des Kreises in Kooperation mit den LEADER-Regionen Lahn-Dill-Bergland und Lahn-Dill-Wetzlar durchgeführt. Konzepterarbeitung, Organisation und Moderation wurde von Gila Gertz, Bundesverband mittelständische Wirtschaft, übernommen.

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