Presseinformation


Landrat
Dr. Karl Ihmels
Nr.: 000/ 2006
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Große Schäden durch Hochwasser im Lahn-Dill-Kreis

Wetzlar/Dillenburg, 2006-09-18

Im nördlichen Lahn-Dill-Kreis ist es am Abend durch starke Gewitter und damit verbundenem sintflutartigen Regen, der in relativ kurzer Zeit gefallen ist, zu Überschwemmungen in vielen Städten und Gemeinden gekommen. Nachfolgend sollen die Ereigenisse, räumlich sortiert, nachgezeichnet werden.

In Dillenburg, Haiger und Eschenburg sind fünf Objekte durch Blitzschläge in Brand geraten. Die Feuerwehren hatten diese Brände aber schnell unter Kontrolle.

Besonders schlimm hat es Haiger und Dillenburg erwischt.


Haiger
Die Dill ist über die Ufer getreten. 180 bis 200 Einsatzstellen werden gemeldet. Der Stadtteil Sechshelden ist ohne Strom. Dort sind größere Schäden aufgetreten. Erst am Morgen war die Hauptstraße dort wieder befahrbar.
Zurzeit arbeiten die Feuerwehren mit rd. 90 bis 100 Einsatzkräften die Schadensstellen in Sechshelden ab. Ein Problem stellt die ausgefallene Stromversorgung dar. Hier muss jeder Hausanschluss einzeln überprüft werden, so dass es noch einige Stunden dauert bis die Stromversorgung wieder hergestellt ist.


Dillenburg
Seit 17:00 Uhr am Vortag gingen starke Gewitterregen über der Stadt nieder. 2,74 m lautete der höchste Pegelstand – dramatischer Rekord. Normal sind 15 cm.

Hier ist auch die Schelde in den Stadtteilen Oberscheld und Niederscheld über die Ufer getreten. Niederscheld war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Telefon- und Stromversorgung sind ausgefallen. Zahlreiche Keller sind überflutet. Es ist zu Erdrutschen gekommen. Straßen wurden überflutet. Umgestürzte Bäume blockieren die Straßen. Straßenmeisterei und Polizei sind hier im Einsatz.

In Oberscheld sind 10 Anwohner des Hans-Königs-Wegs evakuiert worden, weil in der Dunkelheit zunächst unklar war, ob von einem angrenzenden Hang Gefahr ausgehen würde. Es ist in dem Bereich zu Rutschen und Unterspülungen gekommen.

Auch Eibach ist stark betroffen.

Die Dill-Kliniken sind betroffen. Zahlreiche Einsatzkräfte kämpften um das Krankenhaus. Es galt das Wasser aus dem Keller zu pumpen und die Energieversorgung aufrecht zu erhalten. Zunächst mussten nur wenige Intensiv-Patienten verlegt werden. Allerdings fiel gegen 7:21 Uhr der Strom im Eingangsbereich der Klinik aus. Die Klinik nimmt bis auf weiteres keine Patienten mehr auf. Im Krankenhaus sind technische Geräte beschädigt worden. Hierbei können auch enorme Sachschäden entstanden sein. Der Ost-Flügel ist geräumt.

In der Kernstadt wurden auch einige Schulen überflutet, insbesondere die Beruflichen und die Gewerblichen Schulen. Unter anderem deswegen ist dort und in den Stadtteilen mit Ausnahme von Manderbach und Donsbach der Unterricht heute ausgefallen.

Feuerwehr und THW haben mehrere Personen aus konkreten Gefahrenlagen gerettet. Vor Niederscheld ist eine Person aus einem Fahrzeug befreit worden.

Zwischen Oberscheld und Hirzenhain hat ein Erdrutsch die Straße blockiert.

Von einem Speditionsbetrieb in Manderbach sind rd. 1000 l Altöl ausgetreten. Die ausufernde Dietzhölze überschwemmte auch umfangreiches Industriegelände in Fronhausen.

In Nanzenbach, Oberscheld und Niederscheld sind Trinkwassergewinnungsanlagen überflutet worden, so dass Trinkwasser verschmutzt sein könnte. Wasser muss bis auf weiteres 10 min abgekocht werden, wenn es zum Trinken oder zur Essenzubereitung verwendet werden soll. Allerdings ist dort auch der Strom abgestellt.

Die Abfahrt der B 277 zur L 3042 (Niederscheld) ist ebenso gesperrt wie die K 52 zur L 3042 (nach Eibach).

Alleine im Bereich der Stadt Dillenburg waren zeitweise über 500 Kräfte eingesetzt.


Mittenaar
Die B 255 war zeitweise zwischen Bicken und Herborn – Burg gesperrt. Auch hier waren Straßen überflutet und Keller vollgelaufen. Offenbach und Bicken sind betroffen.


Siegbach
Das gleichnamige Gewässer schwoll mächtig an und verursachte Schäden in Übernthal und Eisemroth.


Bischoffen
Auch in Bischoffen hat der ausgeuferte Siegbach seine Spuren hinterlassen. Rund 80 Keller standen unter Wasser und 10 m Bachmauer wurden weggerissen. Ein kleiner Steg wurde von der Feuerwehr abgerissen.


Herborn
… ist relativ glimpflich davon gekommen. Die Einsatzkräfte schafften es hier, Überflutungen weitgehend abzuwenden. Zum Einsatz kamen hier wie auch andernorts Sandsäcke und das sog. Quick-Damm-System.

Am Morgen wurde aber festgestellt, dass im Industriegebiet Burg noch Betrieb betroffen war.


Sinn
In Sinn sind einige Keller vollgelaufen.


Ehringshausen
Die B 277 zwischen Katzenfurt und Ehringshausen war zeitweise gesperrt. Die Brücke nach Daubhausen war bis zuletzt noch gesperrt.


Aßlar
Hier hielten die Dämme und die Schäden sich deswegen in Grenzen. Keller mussten aber auch hier ausgepumpt werden.


Wetzlar
Über das Dillfeld ergoss sich die Flut in Wetzlar in die Lahn.


Solms, Leun, Braunfels
Sämtlich Feuerwehren waren im Einsatz. Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller waren zu verzeichnen. Auch ein Betrieb, der mit wassergefährdenenden Stoffen umgeht, war in Gefahr. Hier konnten die gefährlichen Materialien aber rechtzeitig verlagert werden.


Allgemeines
Am Aartalsee wurden am gestrigen Tag 84 Liter Niederschlag pro qm gemessen. In einer Wetterstation in Dillenburg wurden 78 Liter gemessen und dies in gerade einmal drei Stunden, von 19:00 bis 22:00 Uhr.

Auch die Natur hat Schaden genommen. Eine unbekannte Zahl an Heizöltanks ist aufgeschwemmt worden. Allerdings war eine Bekämpfung des Ölschadens angesichts der Hochwasserlage, die sehr schnell entstand aber auch schnell wieder abschwoll, nicht möglich.

Um 22:53 Uhr wurde der Führungsstab alarmiert.

In allen Einsatzgebieten waren Feuerwehren, Rotes Kreuz, Technischens Hilfswerk, Polizei und DLRG im Einsatz. Außerdem waren vielerorts noch die Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe eingesetzt. Insgesamt dürften rd. 1.800 Personen gleichzeitig eingesetzt worden sein. Da diese inzwischen teilweise abgelöst worden sind, dürfte die Zahl der Helfer insgesamt noch höher gelegen haben.

Bürgertelefone waren bei der Stadt Dillenburg und beim Lahn-Dill-Kreis eingerichtet.

Die Aufräumarbeiten laufen noch. Auch abgepumpt muss angesichts der hohen Zahl an Einsatzstellen und betroffenen Kellerräume noch werden. Die Sachschäden können noch nicht beziffert werden.

Erfreulich: Es gab keine Toten und nur wenige leichtere Verletzungen zu verzeichnen.