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Jasmin-Touristik UG, Postfach 1128, 28801 Stuhr
- Verschiedene Einladungen unter den Überschriften ...
a) "DER GRÖSSTE FÖRDERVEREIN EUROPAS",
b) "Eilsendung-Erinnerung",
c) "Wintergewinnspiel 2008/2009" und
d) "Euro-Gewinnbenachrichtigungszentrale"


Warnung veröffentlicht am 16. Oktober 2009.
Acht Mal ergänzt/überarbeitet, zuletzt am 3. Februar 2010.

Aufmerksame Bürger aus
- dem Hochtaunuskreis (Hessen),
- Rheinland-Pfalz,
- dem Lahn-Dill-Kreis,
- dem Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg),
- dem Landkreis München,
- Ingolstadt,
- dem Landkreis Nordsachsen,
- dem Landkreis Starnberg in Oberbayern (Abfahrtstermin: 14. Jan. 2010),
- Dresden (19. Januar 2010) und
- Stuttgart (2. Feb. 2010)
spielen uns ihre jeweiligen Einladungen zu und machen so diese Warnung erst möglich.

Derzeit liegen uns 28 dieser Gewinnmitteilungen (=Einladungen zu unseriösen Kaffeefahrten) vor. Stand: 3. Februar 2010

Wir bitten bzw. regen an:
Informieren Sie Ihre örtliche/n Zeitung/en und verweisen Sie auf diesen Warnlisten-Eintrag (Abdruck mitgeben, Link senden). Wird die Presse aktiv, sind die klassischen Opfer der Kaffeefahrten-Branche, unsere Senioren nämlich, gewarnt. Wir haben Hinweise dafür, dass Fahrten, vor denen öffentlich gewarnt wurde, mitunter ausfallen. Damit wäre dem Verbraucherschutz ein guter Dienst erwiesen.

WARUM DIE EINLADUNG UNSERIÖS IST
Sie weist die typischen Merkmale auf, die eine unseriöse Veranstaltung erwarten lassen.

IM EINZELNEN:

1. IN 99% ALLER EINLADUNGEN/GEWINNMITTEILUNGEN VERSCHLEIERN DIE VERANTWORTLICHEN IHRE WAHRE IDENTITÄT – HIER NICHT!!!
Bisher war es üblich, dass sich die Kaffeefahrten-Branche hinter frei erfundenen Bezeichnungen ohne Rechtsformenzusatz versteckt hat. Von ca. 800 Einladungen die uns die Menschen seit Anfang 2008 geschickt haben, enthielt bis jetzt nur eine einzige eine zustellfähige Anschrift. Jetzt sind es zwei, denn die Fa. Jasmin-Touristik UG gibt es wirklich.

Ist der Versender einer Gewinnmitteilung aber bekannt, eröffnet das Verbrauchern grundsätzlich die Möglichkeit Ihren Gewinn einzuklagen. Unwägbarkeiten gibt es dennoch. Laut einem Eintrag im Verbraucherschutzportal antispam hat die Deutsche Post AG der Fa. das Postfach mit der Nummer 1128 gekündigt, da sie in Bremen postalisch nicht mehr erreichbar war. In Stuhr war sie aber auch nicht mehr ansässig. Mit anderen Worten: Die Fa. gibt es zwar juristisch gesehen: sie ist im Handelsregister des Amtsgerichtes in Walsrode, das für Stuhr örtlich zuständig ist, eingetragen, erreichbar aber scheint sie nicht mehr zu sein.

Im Übrigen allerdings unterscheiden sich die Einladungen in Nichts von den anderen typischen Schwindel-Einladungen aus der Kaffeefahrten-Branche.
Schlimmer noch: Diese Einladungen sind uns allesamt schon bekannt, weil sie bereits von anderen – allerdings Schein-Unternehmen – verwendet worden sind. Diese Einladungen sind mit denen von Jasmin-Touristik identisch mit einem einzigen Unterschied: Der Adresse in der Antwortkarte.

2. VERSPRECHEN VON GEWINNEN, GESCHENKEN UND ANDEREN ZUWENDUNGEN
In den vorliegenden Fällen werden den jeweiligen Empfängern vorgegaukelt, sie hätten
a) 3.000 €
b) 8.000 € bzw
c) 10.000 €
d) 10.000 €
gewonnen.

Die drei Gewinnversprechen haben aber Pferdefüße:
zu a)
Im Fall "DER GRÖSSTE FÖRDERVEREIN EUROPAS" wird allen Empfängern vorgegaukelt, sie hätten den "Hauptgewinn 3.000 €" gewonnen, so zumindest ist es einem Textfeld oben rechts im Brief zu entnehmen. Im Haupttext aber heißt es: "Die Auszahlung, Frau XXX, erfolgt garantiert am __.__. 2009". Da hier Frau XXX in Kommata steht, handelt es sich um eine Anrede und nicht etwa um die Feststellung, dass Frau XXX die Gewinnerin ist. Dies ist ein Trick, der in der Kaffeefahrten-Branche immer wieder angewandt wird, um Fahrtteilnehmer, die ihre angeblichen Gewinne einfordern, in die Schranken zu weisen.

Das Gewinnversprechen steht oben rechts in einer Tabelle und zwar in der zweiten Zeile von oben. Direkt darüber im blauen Rahmen stehen fast nicht zu erkennen die Worte „Nominiert: Rubbellos“. Rubbellos" ist eine von der Kaffeefahrten-Branche immer mal wieder verwendete Floskel, die bedeutet, dass man nicht den Geldpreis, sondern eben ein Rubbellos gewonnen hat. "Nominiert ist" ist ein von der Kaffeefahrten-Branche gerne verwendeter Begriff, der bedeutet, dass man überhaupt nichts gewonnen hat.

zu b), c) und d)
Auch bei den anderen drei Gewinnmitteilungen werden die Worte „nominiert ist“ und „Rubbellosgewinner“ - teilweise kaum erkennbar - verwendet.

Die Geldgewinne gibt es nie, ebenso wenig wie attraktive Sachpreise oder -geschenke. Letztere gibt es höchstens für Teilnehmer, die etwas Überteuertes kaufen und so die Billigware aus ostasiatischer Produktion mehr als mitbezahlen.

Allen drei Einladungen ist ein Beileger beigefügt, der ein halbes Bio-Schwein für alle Gäste verheißt. Achtung auch hier muss man den Kaffeefahrten-Sprech übersetzen. Es gibt vielleicht tatsächlich ein halbes Schwein für alle Gäste. Teilen sich 70 oder 80 Anwesende das halbe Tier, bleibt für jeden ca. ein Pfund vom Schwein. Auch wirklich attraktive Schlemmerkörbe hat es auf Kaffeefahrten, die in unserer Liste verzeichnet sind, noch nicht gegeben. Meist waren es Tüten mit drei oder vier verschiedenen Billig-Lebensmitteln.

Wie unseriös die Gewinnversprechen sind, erkennt jeder leicht, der sich Folgendes vor Augen führt:
Pro eingesetztem Bus werden erfahrungsgemäß zwischen
1.500 (laut Bundesgerichtshof in einem Strafverfahren gegen einen Kaffeefahrten-Unternehmer im Jahr 2002) und
5.000 (Medienberichten zu Folge) Einladungen versandt. Diese Einladungen zu "Gewinnübergaben", also Kaffeefahrten, sind immer identisch. Allen Empfängern wurde der gleiche „Gewinn“ versprochen. Multipliziert man jetzt die Zahl der Einladungen also 1.500 bis 5.000 mit dem angeblichen Gewinn von 3.000 €, stellt man fest, dass die Schwindel-Firma zwischen 4,5 und 15 Mio. € pro Bus (!) ausschütten müsste. Bei 10.000 € wären es sogar zwischen 15 und 50 Mio. € - pro Bus wohlgemerkt. Stellt man jetzt noch in Rechnung, dass derartige Einladungen nicht nur örtlich, sondern überregional, manche sogar bundesweit gestreut werden, können sich die „Gewinn“-Summen pro Einladung auf dreistellige Millionen-Beträge aufschaukeln, gegen die sich jeder Lotto-Jackpot wie ein Taschengeld ausnimmt.
Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Man könnte noch die rhetorische Frage anschließen, wie eine Fa. wie die Jasmin-Touristik, die nur über ein mickriges Stammkapital von 301 € verfügt, diese Summen stemmen will.

Tatsächlich dienen derartige Versprechen nur dazu, die Empfänger der Einladung, darunter oft gutgläubige ältere Menschen, zu einer Verkaufsfahrt zu locken, auf der dann überteuerte Ware, die
- mit falschen Versprechungen,
- Lügen hinsichtlich der Preiswürdigkeit (z.B. Apotheken-Trick mit der PZN-Nr.) angeboten und
- zum Teil auch durch Ausüben von Druck
verkauft wird.
Fast immer werden Produkte angeboten, die gut für die Gesundheit sein sollen, z.B. Magnetfeldprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel, gerne als „Trink-Kur“ bezeichnet. Ältere Menschen, nicht selten gesundheitlich angeschlagen, sind da eine empfängliche Zielgruppe. Die Wirkung der Produkte ist so gut wie nie bewiesen, auch wenn in den Veranstaltungen anderes behauptet wird. Zudem enthalten Nahrungsergänzungsmittel keine pharmakologisch bedeutsamen Wirkstoffe, denn dann wären es apothekenpflichtige oder sogar verschreibungspflichtige Arzneimittel, die frei überhaupt nicht verkauft werden dürften. Ergebnis: Gut ist das kaum für die Gesundheit, sondern nur für die Geldbeutel der Abzocker, die regelmäßig im Dunkeln bleiben. Übrigens: Dass diese Waren zum 30-fachen bis zum 100-fachen des Einkaufspreises angeboten werden, ist normal! Etwaige angebliche „Geschenke“ hat der Käufer dann selbstverständlich mehr als mitbezahlt.

Obgleich diese Masche schon seit Jahrzehnten bekannt ist und Verbraucherschützer, Polizisten und Journalisten in Presse Funk und Fernsehen immer und immer wieder warnen, fallen immer noch viele Menschen darauf herein. Darunter sind oft ältere Leute, die sich der Tricks und Lügen der "Sprecher" vor Ort kaum erwehren können. Wir wissen, dass die Opfer den rhetorisch geschickt vorgetragenen Verkaufs-Attacken oft mehrerer Sprecher hintereinander ausgesetzt werden - stundenlang. Das belegen uns vorliegende Teilnehmerberichte sowie zahllose Berichte in den Tageszeitungen und in den Verbrauchermagazinen der TV-Sender.

Wer nicht widerstehen kann und etwas kauft
- bekommt mitunter keinen Durchschlag des Kaufvertrages ausgehändigt oder
- hat es manchmal angeblich mit einer Firma im Ausland zu tun oder
- hat im Kaufvertrag möglicherweise eine Firma stehen, die es nicht gibt.
In diesen Fällen können die abgezockten Käufer noch nicht einmal mehr vom Kaufvertrag zurücktreten, obwohl ihnen dieses Recht (§ 312, § 355 BGB) eigentlich zusteht.

Auch wer auf Kaffeefahrten Reisen bucht, wird oft getäuscht. Deswegen raten wir auch hier: Finger weg!
Warum man auf Kaffeefahrten auch niemals eine Reise buchen sollte und sei sie auch vordergründig „gewonnen“ oder scheinbar günstig, können Sie in unserem Merkblatt lesen, das am Ende dieses Beitrages verlinkt ist.

3. MAN KANN WEITERE PERSONEN MITBRINGEN
zu a) "Ich nehme mit ___ Person(en) am Ausflug teil", bzw.
zu b) und c) „Personenzahl ___“,
heißt es auf der Antwortkarte, mit der man sich zur Busfahrt anmelden soll. Auch das ist typisch für Einladungen zu Kaffeefahrten.

4. ZIEL: UNBEKANNT ODER FALSCH
In zwei der Einladungen werden keine Ziele genannt und in der dritten eine attraktive Stadt. Fehlende, sehr allgemein gehaltene oder gar falsche Angaben zum Ziel der Kaffeefahrt sind typisch und dienen (auch) dazu, Ordnungsämtern und Polizei das Einschreiten gegen die in aller Regel illegalen Veranstaltungen zu erschweren.
Um die Empfänger der betrügerischen Briefe in die Busse zu bekommen, werden manchmal sehr attraktive Ziele genannt. Dazu ist zu sagen, dass wir im Juli 2009 kurz hintereinander drei Teilnehmerberichte bekommen haben. In allen drei Fällen, endeten die Fahrten weit vom ausgewiesenen Ziel entfernt. Im krassesten Fall 344 km!

5. ADRESSE UND EINLADUNGEN BEREITS ALS UNSERIÖS BEKANNT
Obwohl die Jasmin-Touristk UG existiert, ist sie auch bereits von der Verbraucherzentrale Hamburg in deren Warnliste aufgenommen worden.
Zwei der drei Einladungen kennen wir bereits. Jasmin-Touristik hat sie praktisch unverändert übernommen mit einem Unterschied und der besteht in der Adresse.

6. BESONDERHEITEN
Man will den Empfänger der Einladungen Eilsendung und Wintergewinnspiel regelrecht Schuldgefühle einreden. "Erstes Einschreiben - nicht abgefordert", "Telefonische Benachrichtigung - nicht erreicht" und "Erinnerungsschreiben - keine Reaktion" oder ähnlich heißt es da und gipfelt in dem Satz: "Auf das Schreiben vom --.--. 2008 erhielten wir keine Antwort von Ihnen. Uns erscheint es ungewöhnlich, wollen Sie vielleicht wirklich auf das Bargeld verzichten?"

In der Einladung "DER GRÖSSTE FÖRDERVEREIN EUROPAS" hat man sogar einen verräterischen Fehler übernommen. Im Text nämlich ist plötzlich nicht mehr vom "Förderverein" die Rede. Dort heißt es viel mehr "wir der größte Reiseclub Europas". Das zeigt eindeutig, dass hier auf eine ältere Schwindel-Einladung zurückgegriffen wurde, die unter der Überschrift "DER GRÖSSTE REISECLUB EUROPAS" verbreitet worden war.

Die Einladungs-Variante d) Euro-Gewinnbenachrichtigungszentrale erscheint wiederum in zwei verschiedenen Typen. Das Gewinnversprechen lautet auf 5.000 € - der 2. Preis. Der Text im Brief aber weicht ab. So ist im jetzt (Feb. 2010) aufgetauchten Typ von einem Kreuzworträtsel "Schönes Europa" die Rede und dem Lösungswort "Bargeld". Offenbar ist ein Fehler beim Abfassen passiert, denn weiter unten im Text ist vom 3. Preis die Rede. An unserer Warnung ändert das Alles freilich nichts.

Kurzum: Nichts von dem Gesagten stimmt. Alle Formulierungs- und Gestaltungs-Tricks in derartigen Schummel-Briefen dienen nur dem Zweck, möglichst viele Leute in die Busse zu bekommen und dann abzuzocken.

LINKS

Datei oder Merkblatt zum Download:

Merkblatt mit Informationen und Tipps rund um Verkaufsveranstaltungen und Kaffeefahrten sowie Anregungen was SIE gegen das unseriöse Treiben tun können.

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