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Nr.: 374/
2009 Auskunft erteilt: Susanne Müller-Etzold (Pressestelle) Telefon: 06441 407-1105 Telefax: 06441 407-1051 E-Mail: presse@lahn-dill-kreis.de Internet: http://www.lahn-dill-kreis.de |
Vorstand des Behindertenbeirates des Lahn-Dill-Kreises wiedergewählt
Wetzlar/Dillenburg, 2009-12-18
Wetzlarer Bahnhof wird barrierefrei – Unterstützung von Contergan-Geschädigten
Der Behindertenbeirat des Lahn-Dill-Kreises hat Elke Würz und Martina Damsch als Vorsitzende bzw. als stellvertretende Vorsitzende für zwei Jahre wiedergewählt. Auf der letzten Sitzung des Jahres 2009 im Kreishaus in Wetzlar ging es vor allem um den geplanten Umbau des Bahnhofs in Wetzlar und um die Folgen des Contergan-Arzneimittel-Skandals.
„Seit Gründung des Behindertenbeirates vor zwei Jahren haben wir uns stark mit dem Thema ‚Mobilität’ beschäftigt“, so Martina Damsch, stellvertretende Vorsitzende des Beirats. „Für Menschen mit Behinderung besteht hier ein besonders großer Handlungsbedarf“, ergänzt Vorsitzende Elke Würz. „deshalb haben wir uns auch auf der letzten Sitzung mit der Barrierefreiheit der Bahnhöfe im Lahn-Dill-Kreis beschäftigt.“
Thomas Hees, Behindertenbeauftragter des Lahn-Dill-Kreises, berichtete auf dem Treffen über Gespräche zwischen Mitgliedern des Behindertenbeirats und der Deutschen Bundesbahn. Die Bahn plant den Bahnhof in Wetzlar bis zum Hessentag 2012 komplett barrierefrei zu gestalten. Er soll mit einem taktilen Leitsystem, Durchsagen für Blinde sowie mit Anzeigen für Hörgeschädigte ausgestattet werden. Außerdem sollen die Bahnsteige künftig über zwei Aufzüge erreichbar sein. „Der Beirat hat sich schon seit einiger Zeit für einen solchen Umbau eingesetzt und begrüßt die nun geplante Umsetzung“, so Würz.
Kritisch beurteilen die Mitglieder des Behindertenbeirats dagegen, dass die Bahn nur größere Bahnhöfe behindertenfreundlich umgestalten will. Zwischen Siegen und Wetzlar wird von der Bahn kein weiterer Bahnhof barrierefrei umgebaut. „Im ‚Arbeitskreis Mobilität’ des Behindertenbeirats beschäftigen wir uns weiter mit dem Thema, z. B. mit der Lesbarkeit von Fahrplänen, rollstuhlgerechten Bushaltestellen und der Schulung von Zugbegleitern“, so Damsch.
Peter Wichterle, Beisitzer im Hilfswerk Contergangeschädigter Hessen e.V., stellte in einem Vortrag die Geschichte des Contergan-Arzneimittel-Skandals und die Arbeit des Hilfswerks vor. Er wies insbesondere auf heute noch vorhandene Probleme der Geschädigten hin, die in Deutschland gemessen an anderen europäischen Ländern zu geringe Entschädigungszahlungen erhielten. „Geld brauchen die Geschädigten vor allem für gesundheitliche Leistungen, die von Ärzten aufgrund der Budgetierung nur noch im Mindestmaß verschrieben werden, beispielsweise Krankengymnastik oder Massagen“, so Wichterle. „Nötig wäre auch mehr Hilfe im Haushalt, am besten durch Bereitstellung eines persönlichen Budgets.“ Viele Partnerinnen und Partner und häufig auch die Kinder der Contergan-Geschädigten seien schlicht überfordert mit der Unterstützung, die sie regelmäßig leisten müssen. Wichterle fordert, dass die für den Skandal verantwortliche Firma den Geschädigten endlich das Recht auf Entschädigung zugesteht. Der Beirat unterstützte auf seiner Sitzung diese Forderungen.
„Der Behindertenbeirat ist in seiner Zusammensetzung mit behinderten Menschen, Selbsthilfegruppen und engagierten Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern sehr schnell von großer Bedeutung für die Arbeit und Planungen innerhalb der Verwaltung geworden“, konstatiert Sozialdezernent Günther Kaufmann-Ohl. Im kommenden Jahr wird der Beirat die Schwimmbäder im Kreis unter die Lupe nehmen. Er will herausfinden, ob bzw. wie behindertengerecht diese sind. Außerdem arbeitet der Beirat 2010 weiter am Thema Bildung und Beruf. Nachdem er sich im letzten Jahr mit Angeboten für Behinderte von der Krippe über Kindergärten bis hin zur Schule beschäftigt hat, will er 2010 die Situation von Behinderten beim Übergang von der Schule zum Beruf und im Beruf untersuchen. Angedacht ist darüber hinaus eine Auszeichnung von Geschäften im Lahn-Dill-Kreis, die besonders behindertenfreundlich sind.
„Noch immer müssen Menschen mit Behinderung oder deren Eltern kämpfen: Um angemessene Lebensbedingungen, um Informationen, um Gleichstellung, um Integration in die Gesellschaft, kurz: darum, am ganz normalen Leben teilnehmen zu können. Strukturen zu schaffen, die dies erleichtern ist mir wichtig und eine zentrale Aufgabe des Behindertenbeirats, so Elke Würz.

Hintergrund:
Der Behindertenbeirat vertritt die Belange der Einwohnerinnen und Einwohner mit Behinderung im Lahn-Dill-Kreis. Er hat die Aufgabe, die Belange der Menschen mit Behinderung im Lahn-Dill-Kreis gegenüber den Gremien des Lahn-Dill-Kreises und in der Öffentlichkeit, insbesondere gegenüber allen Institutionen, die mit Angelegenheiten von Menschen mit Behinderung im Sinne der Förderung, Selbstbestimmung und der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft befasst sind, zu vertreten. Dies erfolgt vorrangig durch Mitwirkung bei planerischen Aufgaben, zu denen der Lahn-Dill-Kreis in einem öffentlichen Verfahren Stellung nehmen soll, oder die er selbst wahrnimmt.
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