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Presseinformation


Landrat
Dr. Karl Ihmels
Nr.: 069/ 2006
Auskunft erteilt:
Frank Dworaczek
Telefon: 06441 407-1820
Telefax: 06441 407-1801
E-Mail:
frank.dworaczek@lahn-dill-kreis.de
Internet:
http://www.lahn-dill-kreis.de

Lahn-Dill-Kreis: Landrat Dr. Karl Ihmels stellt Bilanz zur Einführung des Trockenstabilatverfahrens im Rahmen einer Pressekonferenz am 13. März 2006 vor

Wetzlar/Dillenburg, 2006-03-14

Die Auseinandersetzungen um das Stabilatverfahren haben deutlich nachgelassen.
Landrat Dr. Karl Ihmels hätte deswegen die Bilanz gerne nach der Kommunalwahl (26. März 2006) vorgelegt, damit sie mit größerer Offenheit hätte entgegengenommen werden können. Als die Diskussion erneut aufflammte, entschloss sich der Landrat kurzfristig, sie doch zu erstellen und dem Kreisausschuss zu präsentierten. Das Konzept war seinerzeit auf den 01.06.2005 ausgerichtet, ab diesem Stichtag darf Restmüll nicht mehr unvorbehandelt deponiert werden. Und seit diesem Datum haben sich die Verhältnisse schlagartig verändert. Die Anlage ist seitdem mehr als ausgelastet und läuft hervorragend.

Landrat Dr. Karl Ihmels: „Die Trockenstabilatanlage in Aßlar läuft und läuft und läuft … Viele reden vom Müllnotstand. Wir nicht. Wir entsorgen einige andere Landkreise und müssen leider weitergehende Kooperationswünsche zurückweisen. Wir haben die preiswerteste Restmüllbehandlung in Hessen und entsprechend niedrige Hausmüllgebühren. Ökologisch ist unser Verfahren einsame Spitze. Als junge Technik hat es noch eine Vielzahl von Optimierungschancen.“

Im Kreistag waren sechs Prognosen mit solch rhetorischer Schärfe vorgetragen worden, dass ihnen niemand entgegen zu treten vermochte:

• Die Anlage taucht nichts (Scharlatanerie),
• sie arbeitet zu teuer („mehrere 100 Millionen in Sand gesetzt“),
• sie belastet die Umwelt (wir werden die Schadstoffe in der Umgebung der Anlage mit Löffeln vom Laub der Bäume abkratzen und analysieren lassen),
• die Anlage ist nicht leistungsfähig („Sie wird die 140.000 Jahrestonnen nie schaffen“),
• die Anlage ist überdimensioniert („wenn sie die 140.000 Jahrestonnen schaffen würde, hätten wir nicht genug Inputmaterial“),
• das Material ist nicht verwertbar.

Die ersten 5 Prognosen sind mittlerweile eindeutig widerlegt. Bei der Verwertung gibt es dem gegenüber noch Engpässe. Aber obwohl die Zementindustrie in diesem Jahr besonders lange pausiert, sind die Zwischenlager noch nicht voll ausgeschöpft. Die Diskriminierung des Verfahrens auf der Bundesebene ist in sich zusammengebrochen. Auf dem Sektor der energetischen Verwertung zeichnet sich ein Boom ab. Es gilt auch für die heimische Region, wenn auch nicht im Lahn-Dill-Kreis selbst.

Der Landrat hofft, dass damit auch die Verteufelung auf der Kreisebene ein Ende haben wird. Der von der Kreis-CDU für den Fall entsprechender Wahlergebnisse aus dem Stabilatverfahren auszusteigen, ist absurd. Jede Alternative in vergleichbarer Qualität – wenn es sie denn überhaupt gibt – wäre teurer als das Trockenstabilatverfahren. Hinzu kämen die Kosten für die Ablösung des bis im Jahr 2012 laufenden Vertrages mit der Fa. Herhof.

Die Stabilatanlage in Aßlar arbeitet die Tonne Restmüll für 121,00 Euro. Die preiswerteste Anlage in Hessen erhebt 146,00 Euro, die teuerste 230,00 Euro pro Tonne. Dies ergibt einen Mittelwert von 188,00 Euro. Hinzu kämen Kosten für Umladung und Transport von etwa 30,00 Euro. Der Mehrpreis pro verarbeiteter Tonne Restmüll läge dann bei 97,00 Euro. Folglich kann man nicht ernsthaft über die Frage des Ausstiegs aus dem Stabilatverfahren diskutieren.

Der Lahn-Dill-Kreis hat das 1993 von der Bundesregierung aus Klimaschutzgründen beschlossene Verbot der Ablagerung unvorbehandelten Restmülls ernst genommen. Er hat den Umstieg ab 1998 sukzessive gestartet und die Übergangszeit nicht voll ausgeschöpft. Während dessen hat er 389.000 t Restmüll zu Stabilat verarbeitet und dafür inklusive Verwertung 50.341.349,00 Euro ausgegeben. Dies zeigt die Absurdität des Vorwurfes, mit dem Stabilatverfahren seien vom Lahn-Dill-Kreis „mehrere 100 Millionen Euro in den Sand gesetzt worden“.

Mit dem Entsorgungspreis von 127,00 Euro pro Tonne Restmüll ist die Freisetzung von rund 195.000 t CO2 bewirkt worden, die sonst von der Deponie aus in die Atmosphäre aufgestiegen wären. Diese Menge CO2 ist auch beim Einsatz von Stabilat in der Zementindustrie an die Atmosphäre abgegeben worden. Nur mit dem Unterschied, dass ein anderer Brennstoff wie z. B. Braunkohle ersetzt worden ist, der sonst eine Klimabelastung in gleicher Höhe zusätzlich zu dem CO2 aus der Deponie ausgelöst hätte.

Der Wert dieser Umweltentlastung ist schwer zu monetarisieren. Nur als Hinweis auf die Größenordnung, um die es hier geht, sei auf die Fotovoltaik verwiesen. Für die Vermeidung einer Tonne CO2 mit Hilfe dieser Energiegewinnungstechnik, wendet die Bundesrepublik 400 (!) Euro auf. Wollte die Bundesregierung die CO2-Preise durch das Stabilatverfahren gleichermaßen honorieren, müsste sie dem Lahn-Dill-Kreis für die Trockenstabilisierung von 1998 bis zum 31.05.2005 78 Millionen Euro zur Verfügung stellen, d. h. mehr als den Gesamtaufwand für die gesamte Restmüllverwertung.

Zur Erhellung dieses Komplexes noch ein Hinweis auf eine Meldung der FAZ (ET 29.03.2004). Danach wäre es möglich, mit Hilfe einer vernünftigen Abfallverwertung ohne jeglichen Komfortverlust die CO2-Einsparung herbeizuführen, auf die sich die Minister Clement und Tritin seinerzeit bei der Verabschiedung des Emissionshandelsrechts nach heftigen Auseinandersetzungen verständigt haben. Der Verzicht auf diese Möglichkeit mag verdeutlichen, wie hochgradig ideologisch Klimaschutz in der abgelösten Bundesregierung praktiziert worden ist.

Hätte man die geschilderte Deponieentlastung mit Hilfe klassischer Verbrennung herbeiführen wollen, hätte dies bei einem angenommenen Verbrennungspreis (vor dem 31.05.2005) von 140,00 Euro (30,00 Euro Transport) bewerkstelligen wollen, hätte dies einen Mehraufwand von 5.057.000,00 Euro ausgelöst. Dabei wäre die Klimaentlastung wegen der deutlich geringeren Energieausbeute der klassischen Verbrennung deutlich geringer ausgefallen.

Es gab auch Stimmen – unter anderem auch von denen, die die mit der Stabilatproduktion verbundene Umweltbelastung für unverantwortlich hielten! – die gefordert haben, den Hausmüll bis zum 31.05.2005 unbehandelt abzulagern. Bei angenommenen Deponiekosten von 50,00 Euro pro Tonne hätte dies eine Einsparung von 30.077.575,00 Euro erbracht. Dieser Betrag wäre durch die ab dem 01.06.2005 zu tragenden Mehrkosten für die klassische Verbrennung bis zum 31.12.2009 verbraucht gewesen. Klimaschutz hätte bis zum 31.05. gar nicht und danach nur begrenzt stattgefunden.

Landrat Dr. Karl Ihmels: „Ich habe mich darauf beschränkt, die Zahlen zu präsentieren, so wie sie sich nach dem realen Verlauf der Entwicklung darstellen. Danach besteht kein Zweifel, dass insbesondere die Bundesregierung Anlass gehabt hätte, das Konzept zu fördern. Allerdings wäre ich schon zufrieden gewesen, wenn sie uns in Ruhe gelassen hätte. Die langjährigen Diffamierungen und Blockaden der unterschiedlichsten Art haben dazu geführt, dass der Mittelständler Herhof seinen Betrieb verkaufen und der Käufer Insolvenz anmelden musste. Dies ist im Einzelnen in der vorgelegten Dokumentation erläutert.

Aus einem Artikel (Der Spiegel 13/2002) geht hervor, dass der für die Negativbegutachtung verantwortliche Abteilungsleiter aus dem Umweltbundesamt in anderen Zusammenhängen extrem zuvorkommend war, wenn es um die Förderung klassischer Verbrennung ging. Ich habe die Hoffnung, dass mit dieser Bilanz die Verteufelung ein Ende hat und dass es nach den Wahlen – wie auch immer sie ausgehen – eine Bereitschaft geben wird, dass das in dem Stabilatverfahren immer noch enthaltene Weiterentwicklungspotential gemeinsam ausgeschöpft wird. Dazu ist es nötig, aus der Gegnerschaft mit Herhof wieder das zu machen, was es war. Nämlich eine Partnerschaft. Sie hat uns weit gebracht und birgt noch viele Chancen.“



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