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Landrat
Dr. Karl Ihmels
Nr.: 169/ 2005
Auskunft erteilt:
Susanne Müller-Etzold (Pressestelle)
Telefon: 06441 407-1105
Telefax: 06441 407-1051
E-Mail:
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Internet:
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Wetzlarer Abfalltag: Abfallwirtschaft als Rohstoffwirtschaft

Wetzlar/Dillenburg, 2005-10-19

Anlässlich des 7. Wetzlarer Abfalltages hat sich erneut hohe fachliche Prominenz und Kompetenz in der Domstadt zusammen gefunden. Das Thema: Abfallwirtschaft als Ressourcenwirtschaft. Konkret ging es um die Frage, ob das abfallwirtschaftliche Glaubensbekenntnis „Vermeiden vor Verwerten, Verwerten vor Beseitigen“ noch zeitgemäß ist. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die rohstoffarme Exportnation Deutschland hat allen Anlass, die Abfallwirtschaft als Teil von Material- bzw. Rohstoffwirtschaft zu konzipieren. Nur dadurch lässt sich mit entsprechenden Regelungen dem Vermeidungsgedanken ernsthaft Rechnung tragen.

Im Auftaktreferat verdeutlichte Prof. Rechberger (Technische Universität Wien) die Notwendigkeit systemischer Ansätze. Er verwies auf das Beispiel von Toner-Kartuschen, die im Abfall einen höheren Prozentsatz an Gold aufweisen als das Material, aus dem in Südafrika dieses Edelmetall gewonnen wird. Auch fände man in Baurestabfällen nicht selten höhere Prozentsätze an Kupfer als im Erz aus Kupferbergwerken.

Klaus Dosch von der Kathy Beys-Stiftung verwies auf Zahlen des World Ressources Institut, wonach aus einem jährlichen Rohstoffverbrauch von weltweit 5.600 Millionen Tonnen lediglich 15 Prozent in Produkte eingehen die länger als ein halbes Jahr Bestand haben. Das darin liegende Potential für Produktivitätsverbesserungen ermögliche unglaubliche Beschäftigungsperspektiven. Die in dem Zusammenhang erforderlichen Umstellungen des Denkens wie auch der Produktion würden durch die Entwicklungen in China und Indien mit ihren Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte zwar sowieso brachial erzwungen.

Vernünftiger aber wäre es, die Bundesrepublik würde sich aus Gründen der globalen Konkurrenzfähigkeit an die Spitze der Bewegung setzen. Er verwies darauf, dass die Ausweisung der Energieeffizienz für Großgeräte den Absatz der Energie sparenden A-Kategorie in die Höhe und den Verkauf der Energie verschwendenden Kategorien F und G gegen Null getrieben habe. Er empfahl, diese Klassifizierungen mit weiteren Umweltindikatoren auszudehnen und auf möglichst viele andere Konsumgegenstände zu erstrecken.

Ministerialdirigent Dr. Schnurer vom Bundesumweltministerium verwies auf die zahlreichen Bemühungen seines Hauses, steuernd in dieser Richtung einzugreifen. Das Geschäft sei höchst mühselig weil damit in Produktionsprozesse eingegriffen werde. Dr. Spangenberg vom international ausgerichteten Forschungsinstitut SERI plädierte deshalb für eine Rohstoffsteuer; sie müsse wiederverwertete Materialien aus Müll ausnehmen.

Dr. Goldmann (bei VW verantwortlich für den Autorückbau) erläuterte Projekte groß angelegter Rückbauzentren, die auch offen seien für die Mitverwertung von so genannter weißer Ware wie Kühlschränke usw. Er musste allerdings darauf verweisen, dass die ersten Anlagen mit Rücksicht auf bessere gesetzliche Absicherungen in verschiedenen europäischen Nachbarländern eingerichtet würden.

Im Anschluss daran konnte Landrat Dr. Ihmels auf eine überraschende Neuheit aus dem heimischen Raum aufmerksam machen. Rechtsanwalt Heinigk aus Herborn präsentierte die neu gegründete Liz AG, die erstmals richtigen Wettbewerb auf dem Markt der Verpackungsverwertung organisiert. Der Landrat wünschte ihr viel Erfolg.

Das abschließende Highlight bildete eine Podiumsdiskussion unter der bewährten Leitung von Prof. Dr. Klaus Wiemer (Uni Kassel). Die Präsidenten des Bundes Deutscher Entsorger (BDE) und des Bundesverbands kommunaler Städtereiniger (VKS) diskutierten über organisatorische Konsequenzen aus den sich abzeichnenden Veränderungen. Insbesondere geht es dabei um die Frage, welche Rolle die kommunale Ebene dabei künftig zu spielen hat. Ein Konsens ist noch nicht in Sicht.

Besonderes Interesse fand der Präsident des BDE mit seinen Bemerkungen zum engen Schulterschluss mit dem Bund der deutschen Industrie. Sein Konzept von der „sich selbst tragenden Ressourcenwirtschaft“ müsse er leider ein wenig relativieren. Den Schwerpunkt müsse er auf die Ressourcenwirtschaft verlagern. Dass sie sich selbst tragen soll sei noch zu weit in die Zukunft gedacht.

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