| Volltextsuche: |
Presseinformation
|
Nr.: 198/
2009 Auskunft erteilt: Susanne Müller-Etzold (Pressestelle) Telefon: 06441 407-1105 Telefax: 06441 407-1051 E-Mail: presse@lahn-dill-kreis.de Internet: http://www.lahn-dill-kreis.de |
Schuldnerberatung: Kurzarbeit – unflexible Kreditinstitute – wucherische Zinsen
Wetzlar/Dillenburg, 2009-07-07
Seit Januar des Jahres beobachtet die Schuldnerberatung des Lahn-Dill-Kreises einen sprunghaften Anstieg von Beratung suchenden Menschen vor dem Hintergrund „Kurzarbeit“. Aufgrund des verminderten Einkommens entstehen Probleme bei der Bedienung der Raten für Konsumentenkredite oder Baudarlehen. Während das Beraterteam der LDK-Schuldnerberatung alles dafür unternimmt, dass es nicht zum „Crashen“ eines Kredits kommt, staunen die Berater über die mangelnde Flexibilität (bis Ignoranz) bei Teilen des Bankensystems. Hartmut May, der Leiter der Schuldnerberatungsstelle des Kreises, gab seinem Beraterteam jetzt die Linie vor: „Dann muss es eben krachen, Lebenshaltung, Miete und Energiekosten und Kindeswohl gehen der Kreditbedienung vor.“
Tatsächlich – so eine aktuelle Auskunft der Arbeitsagentur Regionaldirektion Hessen – hat sich die Zahl der Betriebe und Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit seit November 2008 zum März 2009 im Lahn-Dill-Kreis mehr als verdoppelt. Waren im November noch 81 Betriebe mit 3600 Beschäftigten gemeldet, stieg deren Zahl bis Ende März auf 191 Betriebe und 7604 Beschäftigte.
Bei einer Absenkung des Netto-Einkommens wegen Kurzarbeit von teilweise bis zu 600,00 Euro und mehr, so May, läge es auf der Hand, dass zuvor eingegangene Kreditverpflichtungen nicht mehr in der gleichen Weise wie früher bedient werden könnten. Zum „Crash“ von Krediten müsse es indes nicht kommen, wenn die Bank-Institute sich auf Stundungen und zeitweilige Ratenherabsetzungen einließen.
In Fällen hochverzinslicher Kredite bestehe in der Kündigung eines Kredits sogar eine Verbesserung für den Schuldner, da für gekündigte Kredite lediglich Verzugszinsen (z. Zt. 6,62 %) zu zahlen sind, während – trotz aktuellem Zinstief – Effektivzinsen von zum Teil bis zu 14 % berechnet werden. Solcherart Zinsen bewegen sich nach Einschätzung des Schuldnerberaters hart an der Grenze zur Sittenwidrigkeit.
Ob ein Kredit wucherisch und damit sittenwidrig ist, können in Deutschland jedoch allein die Gerichte entscheiden. Anders als im europäischen Ausland besteht keinerlei gesetzliche Vorschrift oder staatliche Verordnung zu Wucherzinsen.
Günther Kaufmann-Ohl, der Sozialdezernent des Lahn-Dill-Kreises, appelliert an die heimischen Banken, mit Blick auf die Kurzarbeit von Tausenden von Menschen eine möglichst flexible Haltung zu zeigen. Von den 7604 von Kurzarbeit betroffenen seien 1680 Frauen und 5924 Männer. Bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen handele es sich um die „Ernährer“ einer Familie, für die auch Banken Verständnis haben dürften.
Mit Blick auf den historischen Tiefststand des Leitzinses der Europäischen Zentralbank von derzeit einem Prozent fordert Kaufmann-Ohl zudem von den Banken eine sofortige Umkehr in der Zinspolitik. Das Argument, dass die Institute auch das Risiko notleidender Darlehen zu tragen hätten, ziehe nicht. An der aktuellen Misere des Bankensystems seien die Kreditkunden nicht ursächlich beteiligt gewesen.
Die Schuldnerberatungsstellen des Lahn-Dill-Kreises sind durch das Regierungspräsidium Gießen als „geeignete Stelle“ im Sinne des § 305 InsO (Insolvenzordnung) anerkannt.
35576 Wetzlar:
Karl-Kellner-Ring 51
Herr Agel, Tel. 06441 407-1428
Herr Dörner, Tel. 06441 407-1663
Herr Fieberg, Tel. 06441 407-1426
Herr Nissel, Tel. 06441 407-1751
Herr Scheld, Tel. 06441 407-1427
Fax: 06441 407-1053
35683 Dillenburg:
Wilhelmstr. 20
Herr Benfer, Tel. 02771 407-408
Herr Haas, Tel. 02771 407-388
Herr Mende, Tel. 02771 407-403
Herr Scharnweber, Tel. 02771/ 07-400
Fax: 02771 407-809
© 2005 Lahn-Dill-Kreis, Tel.: 06441 407-0
Bei Fragen, Anregungen und Kritiken zu den Webseiten klicken Sie bitte hier.