Das Regionalforum soll die regionale Fleischvermarktung fördern. (Foto: LDK)

Über 120 Interessierte haben sich getroffen, um über Möglichkeiten und Lösungen der regionalen Fleischvermarktung zu reden. (Foto: LDK)

"Biete Jungbullen und Bio-Kühe"

Landwirte und Metzger treffen sich zum Thema "Regionale Fleischvermarktung"

Wetzlar/Dillenburg (ldk): "Es ist unser Ziel, Metzger und Landwirte zusammenzubringen, um die regionale Fleischvermarktung zu fördern", begrüßen Heinz Schreiber, Erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises und Landrätin Anita Schneider, Landkreis Gießen, die über 120 Interessierten, die sich Anfang der Woche getroffen haben. Die Landkreise Lahn-Dill und Gießen hatten zusammen mit der Aktionsgemeinschaft ECHT HESSISCH und den Fleischerinnungen zum Regionalforum "Landwirt sucht Metzger - Metzger sucht Landwirt" eingeladen.

Die potentiellen Marktpartner haben sich in den Fachvorträgen über bereits tragfähige Modelle einer Landwirt-Metzger-Beziehung informiert. Es ging auch darum, wie Fleisch vom Landwirt aus der Region in der Ladentheke ausgelobt werden kann. Die Referenten waren Praktiker und konnten wertvolle Tipps geben: So konnte Markus Hofmann, Fleischermeister aus Wölfersheim, Erfahrungen in der Lohnschlachtung für Direktvermarkter und Berufskollegen weitergeben. Stefan Itter, Leiter eines Bio-Betriebes aus dem Schwalm-Eder-Kreis, hat dazu geraten Gesicht zu zeigen. "Gute Bilder vom Betrieb, den Tieren und sich selbst in der eigenen Verkaufsstätte oder in der Gaststätte, die man beliefert, sind wichtig!" 'Herkunft klar ausweisen - eine Chance für Landwirte und Metzger' war Thema des Vortrages von Dr. Wolfgang Lutz vom Deutschen Fleischerverband in Frankfurt.

Transparenz hat sich wie ein roter Faden durch die Vorträge gezogen. Ob es um die Herkunftsangaben auf der Ware und im Laden oder um Betriebsführungen und neue Medien wie Facebook und Co. ging. "Sich authentisch zu präsentieren, den eigenen Betrieb zu öffnen und Kooperationen zwischen Landwirten und Metzgern zu kommunizieren sind wichtige Instrumente der Kundengewinnung", so Margot Schäfer, Leiterin der Abteilung für den ländlichen Raum für die Landkreise Gießen und Lahn-Dill.

"Orientieren Sie sich an dem Bedarf der Kundschaft und stellen Sie sich auf geänderte Verbrauchergewohnheiten ein. Bieten Sie Fertigprodukte wie Gulaschsuppe und Geschnetzeltes im Glas für Singlehaushalte an. Versuchen Sie nicht den Verbraucher zu ändern, sondern suchen Sie den Verbraucher, der zu Ihrem Produkt und Ihrem Preis passt", so Eberhard Prunzel-Ulrich, Biolandwirt und Mitglied einer Landwirt-Metzger-Kooperation aus Niedersachsen. "Füttern Sie gentechnikfrei und nutzen Sie dies als Qualitätskriterium bei der Fleischvermarktung. Nutzen Sie die bei Ihnen in Hessen vorhandene Struktur des bäuerlichen Familienbetriebes als Verkaufsargument und treten Sie in persönlichen Kontakt mit dem inhabergeführten Einzelhandel wie z. B. den REWE-Filialen", so Prunzel-Ullrich weiter.

Heinz Schreiber berichtete von Diskrepanzen, Trends und Zielen, die schon im Vorfeld durch eine Befragung von Direktvermarktern und Metzgern erkennbar waren: "Wir wissen von freien Schlachtkapazitäten bei Metzgern und kennen Landwirte, die dieses Angebot dringend brauchen. Zum Wohl der Tiere ist es mir besonders wichtig, für kurze Transportwege zu sorgen." Die Schlachtungen im Landkreis Gießen sind mittlerweile bei Schweinen um 50 Prozent, bei Rindern sogar um 75 Prozent zurückgegangen. Anita Schneider: "Es muss eine regionale Schlachtung möglich sein. Durch ein kluges Miteinander lassen sich die Kapazitäten verbinden." Außerdem ist ihr wichtig, mit Kreishandwerkerschaft und Innungen nach Lösungsansätzen für den sich abzeichnenden Fachkräftemangel im Fleischerhandwerk zu suchen.

Ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen im Lahn-Dill-Kreis werden biologisch bewirtschaftet. Die mit diesem Futter aufgezogenen Bio-Tiere können aber als solche nicht in der Region geschlachtet und darum auch nicht hier vermarktet werden. "Deshalb ist es unser vordringlichstes Ziel, Netzwerke aufzubauen", betonte Heinz Schreiber. Darum ging es auch bei den sich anschließenden Workshops. Hier wurde intensiver nach den Bedürfnissen der Teilnehmer geforscht. Es fand ein reger und emotionaler Austausch statt. Am Ende waren über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereit, im nächsten Schritt intensiv und ernsthaft an den Themen Wertschöpfungskette und Vernetzung weiterzuarbeiten. Die beiden Arbeitsgemeinschaften sollen fachlich und inhaltlich von der Abteilung für den ländlichen Raum begleitet werden.

Interessierte, die noch Fragen zum Thema haben, können sich gerne mit Margot Schäfer, Abteilung für den ländlichen Raum Lahn-Dill und Gießen, in Verbindung setzen:
margot.schaefer@lahn-dill-kreis.de, Telefon 06441 407-1760.

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