Auch bei Minijobs zahlen sich Beiträge in die Rentenkasse auf jeden Fall aus. (Foto: LDK)

Dauerbrennerthema „Minijob und Rente bei Frauen“

Beiträge in die Rentenkasse zahlen sich auf jeden Fall aus

Viele Arbeitnehmerinnen kennen ihre Rechte nicht, die sie im Minijob haben. „Insbesondere beim Thema Rente besteht Aufklärungsbedarf, da hier ein Nichtwissen gravierende, langfristige Folgen für die Frauen haben kann, wenn der Minijob ihre einzige Einnahmequelle ist“, so Petra Schneider, Frauenbeauftragte des Lahn-Dill-Kreises und Mitwirkende im regionalen Arbeitskreis ‚Arbeit und Kinder‘. Der Arbeitskreis hat aktuell im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Money, money, money – nichts für Frauen?‘ zu Rechten im Minijob informiert. Hier zeigte sich, wie viele Fragen bei dieser Form der Beschäftigung bestehen, gerade auch zur Rente.

Mit der Aufnahme eines nicht nur kurzfristigen Minijobs sind Beschäftigte automatisch in der Rentenversicherung pflichtversichert. Der Arbeitgeber behält vom Lohn einen Beitragsanteil von aktuell 3,6 % ein. Somit ergibt sich bei einem Verdienst von 450 € ein Eigenbeitrag von 16,20 €. Der Arbeitgeber wiederum zahlt einen Beitragsanteil in Höhe von 15 %. Beim Minijob im Privathaushalt gelten andere Prozentsätze. Es besteht zwar die Möglichkeit, sich von dem Eigenanteil befreien zu lassen. Die Befreiung ist dann bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses rechtlich bindend. Arbeitnehmerinnen, die diesen Schritt gehen, verzichten jedoch auf den Erwerb von vollwertigen Pflichtbeitragszeiten, die unter anderem Voraussetzung sind, um

  • eventuell früher in Rente gehen zu können,
  • Leistungen zur Rehabilitation zu erhalten (sowohl im medizinischen Bereich als auch im Arbeitsleben),
  • einen Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung zu erwerben oder aufrecht zu erhalten,
  • den Anspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung zu haben,
  • Übergangsgeld während der Teilnahme an einer medizinischen Vorsorge oder Rehabilitationsmaßnahme der Rentenversicherung zu erhalten, wenn kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung (mehr) besteht,
  • gegebenenfalls zusätzliche Entgeltpunkte beim Zusammentreffen mit Kinderberücksichtigungszeiten zu erwerben und
  • die staatliche Förderung für eine private Altersvorsorge, beispielsweise die sogenannte Riester-Rente, sowohl für den Minijobber als auch für den Ehepartner zu beanspruchen.

Auch ihr Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ihren Anspruch auf Tariflohn in Betrieben, in denen ein Tarifvertrag angewendet wird, die Regelungen zum Schutz von schwangeren Beschäftigten etc., kennen viele Frauen nicht. Der Arbeitskreis ‚Arbeit und Kinder‘ empfiehlt daher dringend, sich idealerweise schon vor Aufnahme eines Minijobs entsprechend zu informieren. „Die Veranstaltungen zum Thema ‚Minijob und Rente‘ im April und Juni mit der Referentin Nadine Pfeiffer, Fachanwältin für Familienrecht, bescherten den Teilnehmerinnen mehr als nur ein Aha-Erlebnis. Hier gilt es noch eine Menge Informationslücken zu schließen und die Frauen zu ermuntern, auch mit Minijob etwas für die eigene Rente zu tun“, fasst Petra Schneider zusammen.

Infos zum Thema

  • Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung in der Nähe unter www.deutsche-rentenversicherung.de oder über das Service-Telefon unter der kostenfreien Nummer 0800 1000 4800.
  • Informationen von der Minijobzentrale unter www.minijob-zentrale.de und telefonisch über das Service Center, Tel.: 0355 2902-70799.
  • Broschüre ‚Ihre Rechte im Minijob – Da ist mehr für Sie drin!‘, erhältlich beim Frauenbüro des Lahn-Dill-Kreises, Tel. 06441 407-1242, E-Mail: frauenbuero@lahn-dill-kreis.de oder hier als Download.

 

Hintergrund

Der Arbeitskreis ‚Arbeit und Kinder‘ wurde im Jahr 2006 mit dem Ziel gegründet, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Lahn-Dill-Kreis und der Stadt Wetzlar zu fördern. Hier kooperieren das Frauenbüro des Lahn-Dill-Kreises, das Gleichstellungsbüro der Stadt Wetzlar sowie die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar und des Jobcenters Lahn-Dill.

Kontakt

Susanne Müller-Etzold

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