Edinger Nahwärmeprojekt kann starten

Machbarkeitsstudie im Sinner Rathaus vorgestellt / Edinger Bürgerinnen und Bürger können über ihre Energieversorgung mitbestimmen

Die Projektgruppe „BIOENERGIE Edingen“ stellte gemeinsam mit der Firma Viessmann die Ergebnisse der großen Machbarkeitsstudie den Fraktionen im Sinner Rathaus vor. Unter den Gästen konnte Bürgermeister Hans-Werner Bender auch den Kreisbeigeordneten Heinz Schreiber begrüßen, der seitens des Lahn-Dill- Kreises der Gemeinde Sinn und dem Team „BIOENERGIE Edingen“ seine ausdrückliche Unterstützung zusagte. Heinz Schreiber warb in seinem Grußwort für das zukunftsweisende und visionäre Projekt als Leuchtturmprojekt für die Gemeinde Sinn, den Lahn-Dill-Kreis und die Region.

Zusammenfassend ist das Ergebnis der Studie ein klares Signal für eine Umsetzung des Projektes. Sie zeigt: Ein Nahwärmenetz in Edingen ist wirtschaftlich machbar und kann zukunftsweisend betrieben werden. Darüber hinaus können die Edinger Bürgerinnen und Bürger Teil eines der innovativsten Wärmekonzepte sein, dass je im Lahn-Dill-Kreis umgesetzt wurde. Die Wärmeversorgung kann mittels Holz, Sonne und Kraft-Wärme-Kopplung erfolgen und je nach Variante über 80% CO2 einsparen. Für eine erste Netzsimulation wurden die Häuser von interessierten Bürgern über Wärmeleitungen verbunden, die durch ein effizientes Heizwerk südlich der Ortslage versorgt werden. Zusätzlich wurde ein Solarthermie-Feld eingerechnet, welches das ganze Dorf im Sommer mit Sonnenwärme beheizt, ohne dass ein einziger Kessel betrieben werden müsste.

Das Projekt hat inzwischen eine breite Unterstützung auch außerhalb von Edingen. Dies stellten Peter Hofmann, Sprecher der Projektgruppe und Bürgermeister Bender nochmals klar. Personell wird die Entwicklung des Projektes vom Lahn-Dill-Kreis und der Gemeinde Sinn unterstützt. Auch die EAM Natur, die Heizungs-Firma Zienert aus Edingen und der Abwasserverband Mittlere Dill bringen ihre Expertise ein.

„Wer sich zukünftig in Edingen eine neue Heizung installieren muss, kommt um einen fünfstelligen Betrag nicht herum. Ein Nahwärmeanschluss kostet einem Edinger Haushalt in unserer Simulation um die 6000 Euro. Das ist ein unschlagbarer Preis“, so der Viessmann-Abteilungsleiter Marco Ohme. Die berechneten Wärmekosten, die in der Studie als Vollkostenrechnung angesetzt wurden, weisen bereits jetzt ein konkurrenzfähiges Niveau auf, das trotz der derzeit niedrigen Ölpreise mit einer effizienten, fossilen Heizung locker Schritt halten kann. Die zukünftige Entwicklung der Heizkosten durch Öl oder Gas wird aber durch den CO2-Preis tendenziell nach oben gehen. Bei einer zentralen Wärmeerzeugung in Bürgerhand ist man unabhängig von der Preissteigerung der fossilen Brennstoffe.

Aber es geht den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Bioenergie Edingen nicht nur um den Preis. Ein Nahwärmenetz, so zeige die Studie, bietet den Edingern vor allem auch Versorgungssicherheit und eine Zukunftsinvestition für den Ort. Aktuell besteht eine große Abhängigkeit von den Preisen der Öl- und Gaskonzerne. Ein gemeinsames Wärmenetz führt zu einem Rundum-Sorglos-Paket ohne versteckte Kosten und mit fester Preisgarantie für die nächsten zwanzig Jahre. „Der Ölpreis war selten so niedrig. Viele vergessen aber, dass er schon morgen wieder hochgehen kann. Die Sonne hingegen scheint noch in zwanzig Jahren, schickt keine Rechnung und Holz bekommen wir direkt vor Ort“ – so ein Einwand von Marco Ohme. Das Geld bleibe auch in der Region, was am Ende den lokalen Unternehmen und Geschäften nutzt und obendrein Arbeitsplätze sichert. Was noch hinzukommt ist der soziale Aspekt. „Überall dort, wo solche Projekte entstanden sind, ist ein Dorf enger zusammengewachsen“, so Bürgermeister Hans-Werner Bender.

Dieses Projekt ist nun einmalige Chance den Edinger Bürgerinnen und Bürgern eine Energieversorgung zu bieten, bei der sie demokratisch mitbestimmen können und wirklich wissen, was sie bekommen. Zum Abschluss stellte sich die Gemeindevertretung parteiübergreifend hinter die engagierten Edinger. Alle Zeichen stehen auf Umsetzung – trotz Corona. 

Foto (Bioenergiegenossenschaft Mengsberg eG): So könnte die Zukunft auch in Edingen aussehen: Eine moderne Heizzentrale liefert Wärme an den Ort. Dieses Bild entstand in Mengsberg. Eine Besonderheit ist der thermische Solarpark, der einen Teil der Wärme aus der Sonne bezieht.

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