Mittlerweile bieten fast alle Fahrzeughersteller eigene E-Modelle an oder sind zumindest an der Entwicklung. (Archivfoto: LDK)

Elektromobilität in den Kommunen

Informationsseminar für Bürgermeister und kommunale Entscheidungsträger

Wetzlar/Herborn/Dillenburg (ldk): Etwa 30 Interessierte aus den Kreiskommunen, von Versorgern, Finanzinstituten, Verkehrsbetrieben und benachbarten Landkreisen waren der Einladung zu einem Seminar ins Wetzlarer Kreishaus gefolgt, um sich über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität und der Ladeinfrastruktur zu Informieren. Eingeladen hierzu hatten der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber und Energie- und Klimaschutzmanager Ingo Dorsten. Die Referenten kamen von der HessenAgentur und der EcoLibro GmbH.

Wie entwickelt sich die Mobilität in Zukunft?
Das Mobilitätsverhalten der Menschen steht vor Veränderungen, die sich in Ansätzen schon heute abzeichnen. Vor allem jüngere Menschen in Ballungsräumen sind multimodal unterwegs. Trends sind aber auch in technischen Entwicklungen sichtbar. Ein Führerschein oder gar ein eigenes Auto wird in Zukunft eine andere Priorität haben, als derzeit, vor allem bei jungen Menschen. Dadurch steigt der Bedarf alternativer Mobilitätsformen. Auch die Nutzung des Smartphones zum Kauf von Fahrtickets, für die Reservierung von Fahrzeugen aus einem Car-Sharing-Pool oder zum Bezahlen und Abrechnen gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Triebkräfte für die Elektromobilität sind vielfältig
Elektromobilität erfährt eine immer größere gesellschaftliche Beachtung. Fast alle Fahrzeughersteller bieten eigene E-Modelle an oder sind in der Entwicklung. Alleine in China gibt es über 100 Autohersteller und der Staat fördert die E-Mobilität. In vielen Ballungsräumen sind die Luftbelastungen durch Abgase aus dem Verkehr ein riesiges Problem. E-Fahrzeuge spielen hier eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung von Luftschadstoffen und bei der Lärmreduktion in Innenstädten.

Der Bau eines E-Fahrzeugs ist technisch weniger aufwendig als beim klassischen Verbrennungsmotor. Dadurch steigen immer mehr Anbieter in das Marktsegment der großen Automobilkonzerne ein. Und hinzukommt, dass die steigende Weltbevölkerung und die damit erforderliche Ressourceneffizienz zum Umdenken zwingt. Das gemeinsame Nutzen von Gütern (auch PKW) ist eine Möglichkeit der Ressourceneffizienz und gewinnt durch Car-Sharing Angebote mit Elektrofahrzeugen weiter an Bedeutung.

Infrastruktur der Ladepunkte wird häufig überbewertet
Auf das in der Öffentlichkeit häufig diskutierte Thema der Ladeinfrastruktur ging Volker Gillessen besonders intensiv ein. Die meisten täglichen Strecken liegen nach seinen Angaben deutlich unter 100 km. Durch die in Zukunft weiter steigenden Reichweiten gibt es für viele Fahrten keine Notwendigkeit des Nachladens zwischendurch. Sinnvollerweise lädt man dort, wo man sich mindestens 4-8 Stunden aufhält. Dies ist typischerweise (insbesondere in ländlichen Regionen) das Laden in der Garage oder beim Arbeitgeber. Für weite Strecken ist die Möglichkeit eines schnellen Nachladens erforderlich. Dabei treten aber in kurzer Zeit sehr hohe Ströme auf, die ggf. einen Ausbau der Versorgungsnetze bis hin zu Erneuerung von Trafos notwendig machen. Da dafür hohe Kosten zu erwarten sind, wird zudem der Strom im Schnellladeverfahren deutlich teurer sein müssen, um die Investitionen zu refinanzieren. Typischerweise sind Schnellladesäulen an Hauptverkehrsachsen (Autobahnen, Bundesstraßen) sinnvoll. Dabei wird oft übersehen, dass viele Kommunen das Thema erst auf die politische Tagesordnung bringen. Aufgabe der Kommunen ist jedoch nicht der Aufbau einer Ladeinfrastruktur. "Sie haben in der Vergangenheit schließlich auch keine Tankstellen gebaut", so Gillesen. Vielmehr sollten sie die rechtlichen Rahmenbedingungen setzen und z.B. die Stellplatzsatzung dahingehend anpassen, dass E-Fahrzeuge bevorzugt oder Parkplätze mit Lademöglichkeit besonders berücksichtigt werden. Für die Elektroflotte einer Kommune reichen einfache Ladepunkte am Bauhof oder am Rathaus (Garage o.ä.) aus. Die Zugänglichkeit der Bevölkerung zur Elektromobilität kann beispielsweise in Verbindung von eigenen E-Fahrzeugen und Car-Sharing erfolgen, ergänzt Schramek.

Chancen für die regionale Wirtschaft aufgreifen
Je mehr die Elektrifizierung der Kraftfahrzeuge zunimmt, so Gillessen, desto geringer werden die Ausgaben für fossile Kraftstoffe. Der vermarktete Strom hierfür kann durch regionale Versorger erzeugt und bereitgestellt werden. Auf diesem Wege kann die Elektromobilität die regionale Wertschöpfung fördern. Und Elektromobilität unterstützt den Aufbau regenerativer Stromerzeugungskapazitäten, weil der Zeitpunkt des Verbrauchs von dem der Stromabnahme durch die Zwischenspeicherung im Akku entkoppelt ist. So kann gerade im ländlichen Raum der Strom vor allem dann geladen werden, wenn ein Überangebot besteht. Auch das sich ändernde Mobilitätsverhalten von jungen Menschen und der Bedarf nach Fachkräften für Unternehmen erfordert alternative Mobilitätsangebote, vor allem in ländlichen Regionen. Junge Menschen suchen Ihren Arbeitsplatz vermehrt nach Mobilitätsmöglichkeiten aus.

Noch Fragen?
Ansprechpartner beim Lahn-Dill-Kreis für Fragen zum Thema ist Klimaschutzmanager Ingo Dorsten, Tel.: 06441 407-1856, E-Mail: ingo.dorsten@lahn-dill-kreis.de.

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