Büffeln für die eigene Wohnung: Im Lahn-Dill-Kreis können Flüchtlinge seit Februar den Wohnungsführerschein machen. (Foto: LDK)

Führerschein für die Wohnung

Neues Integrationsprogramm für Migranten

Wetzlar/Herborn/Dillenburg (ldk): Wie kann ich meinen Strom- und Wasserverbrauch senken und im Blick behalten? Wie heize und lüfte ich richtig, um Schimmel zu vermeiden? Welche Pflichten habe ich als Mieter? Wie funktioniert das mit der Mülltrennung? Wie kann ich beim Einkaufen sparen? Im Rahmen des Projektes "Verbraucherkompetenzen für Flüchtlinge" vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz können Migranten im Lahn-Dill-Kreis jetzt einen Wohnungsführerschein machen. Regelmäßig bietet der Kreis zusammen mit der Verbraucherberatung Wetzlar im DHB-Netzwerk Haushalt die Schulung für den Haushalt an.

Als Neuankömmlinge in Deutschland sind Migranten mit den Bedingungen, die sie hier als Verbraucher vorfinden, selbstverständlich noch nicht vertraut. Die Schulung soll dazu beitragen, dass sie als Verbraucher und Nachbarn Eigenverantwortung für das Lebens- und Wohnumfeld übernehmen und sich vor Kostenfallen schützen können. Ein wichtiger Aspekt sind z. B die Strom- und Heizkosten, die in Deutschland sehr hoch sind. Hinzu kommt, dass das hiesige Klima ein anderes Heiz- und Lüftungsverhalten erforderlich macht, um nicht unnötig Energie und damit auch Geld zu verschwenden. Um ein Verständnis für die Mülltrennung zu bekommen, wird nicht nur vermittelt, dass und wie der Müll getrennt werden muss, sondern auch warum. So findet auch das Thema Umweltschutz Beachtung.

Oftmals gibt es große kulturelle Unterschiede in der Haushaltsführung der Herkunftsländer im Vergleich zu unseren Gewohnheiten. Vor allem die Abrechnungen für Heizung, Wasser und Strom sind, so wie es für uns gewöhnlich ist, meist nicht bekannt. Leider ist es daher schon häufig vorgekommen, dass Geflüchtete am Jahresende hohe Nachzahlungen leisten mussten. Sie wussten nicht, dass trotz der ständigen Verfügbarkeit schonend mit den Ressourcen umgegangen werden muss.

Für eine gute Integration ist es wichtig, dass die Geflüchteten lernen, wie das Leben in Deutschland organisiert ist. Sie sollen zudem Themenbereiche und Gepflogenheiten des Haushaltens sowie den Verbraucherschutz kennen lernen. Durch eine Teilnehmerzahl von 10-15 Personen ist es möglich, eine vertrauliche Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Teilnehmer persönlich angesprochen fühlen und sich mit Fragen und Beiträgen aktiv an der 2-stündigen Schulung beteiligen. Die Veranstaltung, die durch Information und Erklärung einen wichtigen Beitrag zur Integration der Zuwanderer leistet, wird seit Februar 2017 monatlich im Lahn-Dill-Kreis durchgeführt.

"Es ist nicht so, dass wir annehmen, unsere Klienten hätten in ihren Heimatländern nicht selbstständig in einer Wohnung leben können. In einer interaktiven Schulung versuchen wir zu vermitteln, wie alle Vorgänge, die mit einer eigenen Wohnung zu tun haben, hier in Deutschland gehandhabt werden. Das ganze geschieht auf Augenhöhe. Wir treten in Dialog mit den Teilnehmern, lassen sie von Zuhause erzählen und erklären, wie wir es hier gewohnt sind", sagt Anne Peter-Lauff vom Fachdienst Zuwanderung und Integration beim Lahn-Dill-Kreis.

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