Kreis warnt: Angebliche Pelzankäufer sind auf Gold aus

Landrat Wolfgang Schuster mahnt die Bevölkerung zur Vorsicht

Begonnen hatten alles in Grünberg im Landkreis Gießen, dann schwappte die Welle auch in den Lahn-Dill-Kreis über. In Wetzlar, Solms, Herborn und ganz aktuell in Dillenburg erschienen bei den Ordnungsämtern Männer, die allesamt nicht aus der Region stammen und zum Teil erfolgreich ein Gewerbe für den Pelz- und Goldankauf anmeldeten. Für diese tatsächlich nur kurzfristig ausgeübte Tätigkeit mieteten sie leerstehende Gewerbeimmobilien an und zahlten die Miete in bar. Als dann in den heimischen Tageszeitungen durch große Annoncen oder auffällige Flyer für die Tätigkeit geworben wurde, gingen beim Fachdienst Ordnungs- und Gewerberecht der Kreisverwaltung alle Warnlampen an, denn man erinnerte sich an die unseriösen Teppichreiniger, die 2016/2017 im Kreisgebiet kurzeitig unterwegs waren. Vermieter der Betriebsstätten, Druckereien, die Werbeflyer druckten, bekamen ihr Geld nicht, Kunden wurden übervorteilt und ein Fall schaffte es in Wetzlar vor das Strafgericht. Und richtig: Die Akteure heute sind dem gleichen Milieu zuzuordnen, wie die Teppichreiniger damals. In Ordnungsamtskreisen sind deren Namen teilweise bereits bekannt.

Das veranlasste die Mitarbeiter des Kreises tätig zu werden, denn es war klar, dass die Männer im Kreis nur kurzeitig tätig sein würden und damit das Reisegewerbe ausüben. Im Reisegewerbe aber ist der Goldankauf verboten. Deswegen und weil es den Ankäufern auch an der erforderlichen Reisegewerbekarte mangelte, gingen die dafür zuständigen Städte Solms und Herborn mit Unterstützung des Gewerbeprüfdienstes des Kreises und der Polizeidirektion Lahn-Dill gegen die Männer vor.

Vor Ort wurde die Schließung Betriebsstätten angeordnet. Die Polizei überprüfte die angetroffenen Personen und stellte fest, dass die meisten bereits polizeilich in Erscheinung getreten waren.

Beim Kreis geht man auch von Strohmannverhältnissen aus, denn in Grünberg als auch in Solms hatte ein polnischer Staatsangehöriger das Gewerbe angemeldet, der kaum Deutsch konnte. Er tauchte zumindest in Solms auch gar nicht auf und das Personal dort kannte seinen Namen nicht richtig. „Weil diese Masche außerdem fast zeitgleich mehrere Städte in der Region trifft und auch die Werbung zum Teil identisch ist, gehen wir von organsierten Strukturen aus“, sagt Landrat Wolfgang Schuster. Der Behördenchef warnt die Bevölkerung und mahnt zur Vorsicht, denn die Männer seien nicht wirklich an Pelzen interessiert, sondern am Gold. Sie besuchen Leute, die einen Pelz abzugeben haben auch zu Hause, lassen sich Schmuck zeigen. Hier bestünden erhebliche Überrumpelungsgefahren, insbesondere bei älteren Menschen.

Von einem Versuch und einem erfolgreichen Termin in Herborn weiß man beim Kreis schon. Hierbei wurde für Goldschmuck zwar Bargeld bezahlt, ob das aber nicht viel zu wenig war, lässt sich nicht mehr feststellen, denn der Schmuck ist weg. Die Akteure wollten aber einen Tag später auch noch die Pelze abholen und 500 € dafür zahlen. Das war Ende Juli. Gekommen sind sie nicht. Von daher rät Landrat Schuster von Terminen zu Hause ab. Auch sollte niemals Gold oder Schmuck zur Ansicht mitgegeben werden. Sollte man doch den Kontakt die den zweifelhaften Aufkäufern suchen, sollte man auf Bargeld sofort bestehen und sich auch den Ausweis der Männer zeigen lassen, damit sich das Geschäft auch hinterher noch nachvollziehen lässt. Die Kreisverwaltung empfiehlt immer mehrere Angebote einzuholen, möchte man alten Schmuck, Bruch- oder Münzgold verkaufen.

„Wer die Begriffe „Pelzankauf“ zusammen mit „Gold“ im Internet sucht, stößt auf Berichte zu kriminellen Handlungen und Warnungen der Polizei“, erklärt der Landrat. Und weiter: „Wer nach dem Namen des Akteurs in Dillenburg und dem Namen seiner Geburtsstadt sucht, findet Berichte zur Clan-Kriminalität“. Das müsse nicht heißen, dass der Mann, der in Dillenburg auf den Plan trat, dazugehört, Anlass zur Vorsicht gäbe der Fall aber schon.

Ob in Dillenburg tatsächlich ein entsprechender Laden kurzfristig öffnet, ist derzeit unklar, denn die zuständige Mitarbeiterin hatte vorbildlich gehandelt und verweigerte die Ausstellung der Gewerbeanmeldung, denn auch aus gewerberechtlicher Sicht kam es dabei zu Ungereimtheiten. Außerdem steht die Stadt mit der Fachaufsicht beim Kreis in Verbindung und man hat schon beraten, was zu tun ist, wenn der Betrieb aufgenommen wird. Beim Kreisordnungsamt weiß man inzwischen von weiteren Fällen im Kreis Hersfeld-Rotenburg und im Kreis Aschaffenburg in Bayern.

Ansprechpartner bei der Kreisverwaltung ist Frank Schuster, Tel. 06441 407-2430, E-Mail: frank.schuster@lahn-dill-kreis.de

 

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