Wollen mit Informationen Anstöße geben (von links): Frank Kauferstein (Obermeister), Sebastian Hoffmanns (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill), Stefan Zienert (stellvertretender Obermeister), Ingo Dorsten (Klimaschutzmanager des Lahn-Dill-Kreises) und AzubiGuide Laura Wenig (Foto: SHK Innung Dillenburg)

Mit Wissen zur Wende

Heizungsinnung und Lahn-Dill-Kreis befassen sich mit Klimapaket und den Folgen für Ölheizungen

9.000 Gigawattstunden Energie verbraucht der Lahn-Dill-Kreis im Jahr. Die Hälfte davon entfällt auf Wärme. So ist die Energiewende vor allem eine Wärmewende. Die Innung Sanitär-Heizung-Klima (SHK) Dillenburg hat sich mit ihren Partnern und Mitgliedern auf ihrem „Top Info-Tag“ intensiver damit beschäftigt. Vertreten war auch der Kooperationspartner Lahn-Dill-Kreis.

Als ersten Redner zum Thema Wärmewende auf dem zweiten Top-Info-Tag in Herborns KuSch begrüßte der stellvertretende Obermeister der SHK-Innung Dillenburg, Stefan Zienert, den Energie- und Klimaschutzmanager des Lahn-Dill-Kreises, Ingo Dorsten. Er brachte den Besucherinnen und Besuchern Infos zum Klimaschutzpaket 2030 der Bundesregierung mit und berichtete über Entwicklungen im Kreis. „Informationen sind die Grundlage von Entscheidungen, die es zur Veränderung braucht“, so Ingo Dorsten.

Die Einschränkungen die sich in Bezug auf Ölheizungen ergeben, hält der Klimaschutzmanager grundsätzlich für richtig, doch hätte der Weg schon früher eingeschlagen werden müssen. „Neben der Relevanz für den Klimaschutz ist Öl für viele Produkte unseres täglichen Lebens viel zu wertvoll, als es einfach nur zu verbrennen“, so Ingo Dorsten. Dabei seien Alternativen zur reinen Ölheizung durchaus vorhanden und können besonders im sanierten Bestandsbau einen Ersatz darstellen oder eine Ergänzung sein. Dies gilt für die Nutzung in Kombination mit der Sonne, mit Umweltwärme oder mit Holz. Überdies komme der gemeinschaftlichen Wärmeversorgung eine immer größere Bedeutung zu. Im Lahn-Dill-Kreis arbeiten derzeit zwei Ortschaften an der Frage, ob sie eine Nahwärmeversorgung aufbauen und sich so vom Öl- und Gasmarkt teilweise unabhängig machen.

Mehr zum Thema Ölheizungen im ausführlichen Interview.

Zu wenige Fachleute für die Umsetzung

Zuständig für die technische Umsetzung der Wärmewende sind überwiegend die SHK-Fachbetriebe, doch um deren Arbeitskraft ist es im Lahn-Dill-Kreis schlecht bestellt, wie Stefan Zienert eindrucksvoll mit Zahlen belegte. Datengrundlage war die Studie „Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes im Lahn-Dill-Kreis“ von Dr. Christa Larsen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt. Demnach werden 2024 im Kreis insgesamt 12.030 Arbeitskräfte fehlen, was elf Prozent der Beschäftigten in 2017 entspricht. Betrachtet man nur die Gebäude- und versorgungstechnischen Berufe im Kreis, sieht es noch schlechter aus: Hier wird eine Arbeitskräftelücke von 520 Beschäftigten erwartet, was sage und schreibe 22 Prozent der Beschäftigten in 2017 entspricht. Als mögliche Handlungsansätze empfiehlt die Studie die berufliche Ausbildung zu stärken, die Rückgewinnung von Abgewanderten und Auspendlern, die gezielte Aktivierung „schlafender Ressourcen“ (junge Arbeitslose, Langzeitarbeitslose, stille Reserve) und das Erschließen bisher nicht genutzter Potenziale von Beschäftigten z. B. durch Nachqualifizierung von Helfern und Verlängerung der Beschäftigungszeiten. Hier sei auch die Politik gefordert, notwendigen Rahmenbedingungen durch eine Betreuungsstruktur (Kinder, pflegebedürftige Angehörige) und Mobilität (zum Beispiel ÖPNV) zu schaffen.

Azubi-Guides leisten wertvollen Beitrag

Der Fachkräftemangel treibt die SHK-Innung Dillenburg also in besonderem Maße um. Mit dem AzubiGuide-Programm der Kreishandwerkerschaft stellte Stefan Zienert eine mögliche Lösung vor. Laura Wenig ist im zweiten Lehrjahr zur Anlagenmechanikerin für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik und eine von 30 AzubiGuides im Kreis. Fünf davon sind aus dem SHK-Bereich. In dieser Funktion geht Laura Wenig in die Schulen der Region, erzählt von ihrem „spannenden Beruf“ und weckt frühzeitig das Interesse der Schüler und Schülerinnen. Wie sie ihre Ausbildungsstelle gefunden habe, wollte Stefan Zienert wissen. Die Antwort überrascht wenig: Sie habe im Internet recherchiert und sei dann auf die Innungsbetriebe gestoßen. Abschließend gaben beide den Betrieben noch eine Botschaft mit auf den Weg: „Bleibt bei der Digitalisierung am Ball und richtet euch auf die Bedürfnisse von jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein“. Dies sei der beste Weg langfristig für die Zukunft gewappnet zu ein, so Stefan Zienert.

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