Erster Kreisbeigeordneter Heinz Schreiber (Foto M. Menn, LDK)

Bürgermeister Wolfang Keller (Foto M. Menn, LDK)

Mobilität auf dem Lande

ÖPNV und Individualverkehr effektiver verbinden – Workshop am 5. Juli 2016 im Wetzlarer Kreishaus 

In Kooperation mit der LEADER-Region Lahn-Dill-Wetzlar, der Kreisverwaltung Lahn-Dill sowie dem Verkehrsverbund Lahn-Dill-Weil fand der Workshop „Mobilität auf dem Lande – Einsteigen, Mitfahren, Mitmachen!“ am 05.07.2016 im Kreistagssitzungssaal statt. Teilgenommen haben an die 40 Fachexpertinnen und -experten aus Kommunen, Institutionen, Verbänden, Politik.

Der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber verdeutlichte mit eindrucksvollen Daten des ÖPNV die Notwendigkeit, im Lahn-Dill-Kreis Veränderungen im Mobilitätsverhalten herbeizuführen. Der Lahn-Dill-Kreis gibt jährlich 11 Millionen Euro für die Beförderung von Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen aus – davon entfallen 7,5 bis 8 Mio. Euro auf den Schülerverkehr. Mit dem ÖPNV werden jährlich 6,6 Mio. Fahrgäste befördert, was nur einem Anteil der gesamten Mobilität entspricht. Denn hinzuzählen ist der gesamte Individualverkehr – u. a. täglich je 90.000 Ein- / Aus-Pendler und 150.000 angemeldete Pkws bei 252.00 Einwohnerinnen und Einwohnern im Landkreis – was insgesamt 742.900 Tonnen CO2-Ausstoß durch den Verkehr bedeutet. Schreiber appelliert an kreative Lösungen im Mobilitätsbereich, um den klimaschädlichen Anteil des Verkehrs im Lahn-Dill-Kreis deutlich zu minimieren. Unterstützt wird dies durch das neue Energie- und Klimaschutzmanagement des Kreises.      

Der Vorsitzende der LEADER-Region Lahn-Dill-Wetzlar, Bürgermeister Wolfgang Keller, Stadt Braunfels, dankt bei seiner Begrüßung dem Regionalmanagement und der Wirtschaftsförderung für die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung: „Wir wollen Identität schaffen. Von Breitscheid im Westerwald über Waldsolms am Taunus bis nach Wetzlar und Lahnau – die Mobilität im ländlichen Raum ist ein Baustein dafür. Es müssen Synergien genutzt werden, um die Region miteinander zu vernetzen. Dieser Workshop bietet eine Chance, die Region zu mobilisieren und zu stärken. Ich hoffe auf viele LEADER Projekte, die hier in der Region gefördert werden können.“ 

Alexander Sust vom Planungsbüro sustain führt in Kooperation mit Prof. Dr. Matthias Gather vom Institut Verkehr und Raum der FH Erfurt und der Dipl. Geogr. Yvonne Winter, Planungsbüro gartissimo, Fulda, die Konzeptstudie „Mobilität auf dem Lande" zur „Bewertung und Verbesserung der ländlichen Mobilität in sechs LEADER-Regionen in Nord- und Mittelhessen“ durch.

In das Thema führt Yvonne Winter – in Vertretung für den leider kurzfristig verhinderten Prof. Dr. Matthias Gather – mit dem Vortrag  „Mobilität in ländlichen Räumen…“ ein. Die Expertin für Verkehrspolitik und Raumplanung präsentierte erste Ergebnisse der Analyse über die Situation des Öffentlichen Personenverkehrs im Lahn-Dill-Kreis. Winter zeigte anhand verschiedener Beispiele, wie groß die Herausforderung für die öffentliche Hand ist, Mobilität im ländlichen Raum bereitzustellen. Im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland sind die Angebote von Bus und Bahn in Nord- und Mittelhessen zufriedenstellend. In vielen Regionen können die Angebote jedoch noch verbessert werden. Die Fahrpläne werden von Nutzerinnen und Nutzern als kompliziert zu verstehen empfunden, so dass Angebote nicht wahrgenommen werden. Besonders über die Kreisgrenzen hinweg könnte durch eine bessere Kooperation zwischen den Verkehrsträgern viel erreicht werden. Winter blieb bei ihrem Vortrag aber nicht in der Beschreibung von Problemen stecken, sondern zeigte Wege auf, wie die Situation durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürger deutlich verbessert werden kann. Sie macht klar, dass es in den drei Landkreisen bereits engagierte Bürgerinnen und Bürger gibt, die mit eigenen, oft ehrenamtlich getragenen Lösungen, Lücken der öffentlichen Angebote schließen.

Dieser Workshop ist der letzte der vier regionalspezifischen Workshops im gesamten Projektraum, in dem zusammen mit interessierten Bürgerinnen, Bürgern und Fachleuten über Umsetzungsideen und Optimierung laufender Projekte diskutiert wird, erläutert Sust.

Ziel des Projektes ist es, verschiedene Zuständigkeitsbereiche des ÖPNVs und des Individualverkehrs besser miteinander zu vernetzen, um mehr Mobilität bei weniger Verkehr zu erreichen. Dazu gehört zum einen das Mobilitätsverhalten zu ändern, um eine bessere Auslastung der bestehenden Angebote zu gewährleisten, zum anderen vorhandene Angebotslücken zu schließen.

Die in den Arbeitsgruppen regionsspezifischen Möglichkeiten zur

  • „E-Mobilität“ (E-Bike, E-Auto – auch als Dienstwagen,…)  zu
  • „Neuen Wegen im ÖPNV“ (Verbesserung außerhalb des Schülerverkehrs, Hohe Schwelle ÖPNV-Nutzung abbauen – Imagesteigerung sowie Verlässlichkeit der Angebote sichern ) und zu
  • „Mitfahrsystemen“ (Fahrbedarf in Echtzeitzusammenbringen, Mitfahrsysteme auf viel befahrenen Strecken zu Betrieben, Kliniken und Schulen  sowie Auslastung von Privatfahrten verstärken)

fließen in das Gesamtergebnis der Projektstudie ein.

Sust bedankt sich bei den Teilnehmenden für die wertvollen Impulse für das Projekt „Mobilität auf dem Lande“ und lädt zur Abschlussveranstaltung am Donnerstag, 29.09.2016, nach Marburg ein.

Hier finden Sie die Dokumentation zum Workshop.

Zum Hintergrund:

Um konkrete Ansätze zu verfolgen, haben sich sechs hessische Regionalforen zusammengeschlossen, die über das EU-Programm LEADER gefördert werden. Dieses Förderprogramm unterstützt Bürger bei der Entwicklung ihrer ländlichen Räume. Die Regionalforen liegen in den drei Landkreisen Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg.

Die Verantwortlichen für den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) der Landkreise (hier: Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil mbH) beteiligen sich an dem Projekt und auch die Manager zur Umsetzung des Klimaschutzplanes des Landkreises Marburg-Biedenkopf und des Lahn-Dill-Kreises sowie die Wirtschaftsförderung sind mit dabei.

Zu LEADER:

LEADER ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es Menschen vor Ort ermöglicht, regionale Prozesse mitzugestalten. So kann das Potential einer Region besser für deren Entwicklung genutzt werden Vgl.: https://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/regionen/leader/

Im Lahn-Dill-Kreis gibt es zwei LEADER-Regionen:

Lahn-Dill-Bergland, Website: www.lahn-dill-bergland.de und
Lahn-Dill-Wetzlar, Website: www.lahn-dill-wetzlar.de

Ansprechpartnerin beim Lahn-Dill-Kreis für Fragen zum Thema: Meike Menn, Tel.: 06441 407-1222, E-Mail: wifoe@lahn-dill-kreis.de

Kontakt

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