Braunkelchen – aufgenommen bei Niederlemp (Foto: Helmut Weller)

Wiesenbrüter brauchen offene Auenbereiche

Entbuschungen und Gehölzentfernungen werden fortgesetzt

Im Lahn-Dill-Kreis stehen einige der Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes auf der Roten Liste. Sie sind bedroht. Helfen kann man ihnen, indem man Platz schafft. Anfang 2018 und seit Ende der Brut- und Setzzeit im Oktober 2018 konnte das durch die Entbuschung und Gehölzentfernung auf einigen Flächen im Kreisgebiet schon gelingen. Vor allem in der Gemeinde Hohenahr, wo jährlich noch einige der stark gefährdeten Braunkehlchen brüten, konnten jüngst viele Maßnahmen umgesetzt werden.

Heinz Schreiber, Erster Kreisbeigeordneter und Umweltdezernent des Lahn-Dill-Kreises: „Bäume und Sträucher prägen das Landschaftsbild – man hat sich an dieses Bild gewöhnt. Die genannten Maßnahmen sind jedoch dringend erforderlich, um die Lebensräume für die im Offenland lebenden Arten – wie etwa das Braunkehlchen – zu erhalten.“ Es lebe in extensiv bewirtschafteten, Gehölz armen Grünlandauen, die früher in der Landschaft typisch waren. Man habe eine besondere Verantwortung diesen Arten gegenüber, die hessenweit nur noch bei uns im Lahn-Dill-Kreis in nennenswerter Anzahl vorkommen.

Erste Erfolge im Nordkreis

Im Rahmen eines Auftrages des Lahn-Dill-Kreises hat die Landschaftspflegevereinigung (LPV) Lahn-Dill e.V. Gehölzreduzierungen abgestimmt und umgesetzt. Mit dem Ergebnis, dass z. B. nach der Entfernung einiger Weidengehölze am Struthbach das Braunkehlchen jetzt bessere Brutbedingungen vorfindet. „Nach Aussagen von Vogelschützern wurden diese Feuchtwiesen teilweise bereits in der Brutsaison 2018 genutzt, nachdem es dort zuvor jahrelang fehlte,“ berichtet der Geschäftsführer der LPV Lahn Dill, Günter Schwab „Diese Maßnahmen waren intensiv mit Naturschützern und Behörden abgestimmt. Jetzt zeigt sich, dass wir damit gemeinsam auf dem richtigen Weg sind.“

Aktuell stehen zunächst wieder einige Abstimmungsgespräche auf der Agenda, bevor weitere Maßnahmen bis zum Beginn der Brut-und Setzzeit (1. März) umgesetzt werden können. Die Gehölzentnahmen in Hohenahr sind weitgehend abgeschlossen. Auch die Wiesenbewirtschaftung auf angrenzenden Flächen wird, wo notwendig, angepasst. Der Fachdienst Landschaftspflege des Lahn-Dill-Kreises schließt hier weitere Nutzungsvereinbarungen mit Bewirtschaftern der landwirtschaftlichen Flächen, um Spätmahdflächen und Altgrasbestände zu fördern.

Die nächsten Artenschutzmaßnahmen sind in Mittenaar, Bischoffen, Greifenstein, Driedorf, Breitscheid, Eschenburg und Haiger geplant.<s>
</s>

Zum Hintergrund

Im Januar 2018 hat die für das Gebietsmanagement in Natura2000 Gebieten (Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete) verantwortliche Abteilung für den Ländlichen Raum des Lahn-Dill-Kreises die Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill (LPV) mit der Organisation und Umsetzung von investiven Landschaftspflegemaßnahmen beauftragt. Bei den Maßnahmen handelt es sich um Entbuschungen und Gehölzentfernungen zugunsten von seltenen Tier- und Pflanzenarten im Offenland. Da sich die Landschaftspflegevereinigung in ihrer Organisation und Mitgliederstruktur gleichermaßen auf Landwirtschaft, Naturschutzverbände und Kommunen (Behörden) stützt, ist sie für die anstehenden Aufgaben prädestiniert. Alle Maßnahmen werden vor Umsetzung mit sämtlichen zuständigen Behörden, dem ehrenamtlichen Naturschutz, den Bewirtschaftern und allen Eigentümern abgestimmt. Die Finanzierung erfolgt mit Landesmitteln durch das Regierungspräsidium Gießen.

Kontakt

Susanne Müller-Etzold

Pressestelle

Karl-Kellner-Ring 51
35576 Wetzlar

06441 407-1105
06441 407-1051
presse@lahn-dill-kreis.de