Von links: Pfarrer Wolfgang Grieb; Tom Uhlig , Dr. Dow Aviv, Brigitte Görgen-Grether und Matthias Holler (Foto: Lahn-Dill-Kreis)

Antisemitismus hat viele Gesichter

Kann man sich als Jude in Deutschland sicher fühlen? 4. Präventionsabend des Lahn-Dill-Kreises findet großen Anklang 

„Antisemitismus hat viele Gesichter – Alte und neue Formen der Judenfeindlichkeit“: Das Thema des 4. Präventionsabend des Lahn-Dill-Kreises hat mehr als 100 Interessierte in den Kreistagssitzungssitzungssaal am Karl-Kellner-Ring in Wetzlar gelockt.

Landrat Wolfgang Schuster, der Hauptamtlicher Kreisbeigeordnete und Vorsitzender des Präventionsrates Stephan Aurand und Dorothea Blunk, Geschäftsführerin des Hessischen Landespräventionsrates, waren in ihren Begrüßungsansprachen einer Meinung. „Antisemitismus ist ein Thema, das uns alle angeht. Nicht nur in Deutschland. Veranstaltungen wie diese, können dazu beitragen, dieses so wichtige Thema allen näher zu bringen und zu sensibilisieren. Ausschwitz stand am Ende, nicht am Anfang“, machte Wolfgang Schuster deutlich. „Eine Auseinandersetzung mit der Thematik hilft, dem wachsenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

Hier sind nicht nur wir als Bürger gefragt, auch die Politik ist in die Pflicht genommen. Es darf keinen zweiten Holocaust geben“, ergänzte Stephan Aurand.

Zu Beginn der Veranstaltung stand ein Impulsreferat des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hessen. Dr. Carsten Rauch stellte die unterschiedlichen Facetten des Antisemitismus vor. Es erfolgte eine differenzierte Darstellung von insgesamt sechs Varianten des Antisemitismus. Rauch macht deutlich, dass man unterscheiden muss: zwischen religiösem, sozialem, politischem, rassistischem, sekundärem sowie antizionistischem Antisemitismus. Rauchs Resümee: Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die im Hass auf Juden Ausdruck finden kann. Antisemitismus lässt sich in unterschiedlicher Stärke und den verschiedenen Varianten sowohl in Rechtsextremismus, wie auch in Islamismus und Linksextremismus wiederfinden. Auch abseits extremistischer Milieus lassen sich antisemitische Einstellungen erkennen.

An der sich anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Brigitte Görgen-Grether vom Bistum Limburg, Dr. Dow Aviv, der Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Gießen, Pfarrer Wolfgang Grieb von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gießen/Wetzlar sowie  Tom Uhlig  von der Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt teil. Die Diskussionsrunde wurde moderiert von Matthias Holler, dem Geschäftsführer des Präventionsrates.

Man tauschte sich aus über die Formen von Alltagsantisemitismus, und über Straftaten mit antisemitischem Hintergrund. Auch die Frage nach präventiven Maßnahmen kam auf. Die Runde war sich einig: Bildungsprogramme, Studien- und Begegnungsreisen, Dialoginitiativen sowie eine lebendige „Erinnerungskultur“ sind Möglichkeiten, um dem Antisemitismus entgegenzuwirken.

Ob man sich in Deutschland als Jude überhaupt sicher fühlen kann? Erneuter Konsens. Denn es seien genau solche Abende, die dazu beitragen, dass es so bleibt.

 

Foto (Lahn-Dill-Kreis, von links nach rechts):
Pfarrer Wolfgang Grieb (Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gießen/Wetzlar), Tom Uhlig (Anne-Frank-Bildungsstätte F. a. M.), Dr. Dow Aviv (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Gießen), Brigitte Görgen-Grether (Bistum Limburg) und Matthias Holler (Geschäftsführer des Präventionsrates/Abteilung Soziales und Integration). 

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