„Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen – aber auch die wechselseitige und besondere Rücksichtnahme“, appelliert Wolfgang Schuster an Verständnis und Geduld aller Beteiligten. Foto: Lahn-Dill-Kreis

Bis zu 1.000 Anrufe am Tag: Ausländerbehörde am Limit

Bundesweite Tendenz spiegelt auch die Lage im Lahn-Dill-Kreis wider

Lange Wartezeiten, Probleme mit der telefonischen Erreichbarkeit und gezwungene Einschränkungen des Betriebes: Was Ausländerbehörden deutschlandweit berichten, schlägt sich auch im Lahn-Dill-Kreis nieder. Die Ausländerbehörde des Landkreises ist überlastet – nicht nur zum Leidwesen der Antragsstellenden, sondern auch zu dem der Mitarbeitenden. Deutlich wird dieser Trend bei der Betrachtung der Zahlen. „Haben meine Kolleginnen und Kollegen in unserer Ausländerbehörde im Jahr 2014 noch rund 15.000 Kundinnen und Kunden betreut, sind es Ende Juni 2022 schon circa 23.500“, berichtet Landrat Wolfgang Schuster. Allein aus der Ukraine sind seit Ende Februar 2022 rund 3.000 Menschen in den Lahn-Dill-Kreis eingereist, ausgenommen des Stadtgebietes Wetzlar, – sie alle wollen und müssen bedient werden.

„Jeder Mensch, der bei uns Schutz sucht, ist auf unsere Unterstützung angewiesen. Bei der Menge an Menschen ist es nicht zu verhindern, dass sich die Bearbeitung hinaus-zögert“, pflichtete der Landrat bei. Die gestiegene Arbeitsbelastung in der Behörde führt beinahe zwangsläufig zu Verzögerungen und Einschränkungen im Betrieb. Kundinnen und Kunden klagen. Vereinzelt kommt es sogar zu Anfeindungen. Der Druck auf die Mitarbeitenden steigt. „In unserer Ausländerbehörde bedienen wir täglich zwischen 70 und 100 Kunden und Kundinnen vor Ort. Hinzu kommen sehr viele Anrufe – 800 bis 1.000 pro Tag. Die Hotline ist überlastet“, so Schuster weiter. Andere Herausforderungen, wie zum Beispiel die wochenlange bundesweite Störung der PIK-Stationen, erschweren die Arbeit der Behörde zusätzlich. Termine müssen verschoben und neu koordiniert werden.

„Wir haben stetig auf den Zuwachs der im Lahn-Dill-Kreis lebenden Ausländerinnen und Ausländer reagiert“, erklärt der Landrat. So wurden in der Ausländerbehörde im Zuge der steigenden Fallzahlen und steigenden Komplexität der zu bearbeitenden Fragestellungen immer wieder neue Personalstellen geschaffen. Allerdings sei es immer aufwendiger, geeignete Mitarbeitende für diese Stellen anzuwerben. Bereits qualifiziertes Fachpersonal sei nicht mehr zu finden, sodass neue Mitarbeitende parallel zur Bewältigung der hohen quantitativen Anforderungen zusätzlich in eine sehr komplexe, verwaltungsrechtliche Materie einzuarbeiten seien. 

Die Frage nach der Entwicklung der Anzahl an Einbürgerungsanträgen zeigt eine deutliche Tendenz: massiv steigend. Nach den Berechnungen des Sachverständigenrats für Integration und Migration wird das Aufkommen 2028 noch deutlich über dem aktuellen Höchststand liegen, mit einem merkbar beginnenden Anstieg ab 2024. Darüber hinaus ist mit einer nochmaligen Zunahme zu rechnen, wenn das Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt wird. Warum das so ist? Der Personenkreis der Geflüchteten aus dem Jahr 2015 erfüllt nach und nach die zeitlichen Voraussetzungen, das heißt, dass entsprechend auch viele Einbürgerungsanträge gestellt werden können. Hinzu kommt, dass Einbürgerungen beworben werden. Beispielsweise aktuell im Zuge der Anwerbung von Fachkräften und der Frage einer vereinfachten Einbürgerung als Anreiz für die Fachkräftegewinnung. Die Bundesregierung befindet sich derzeit in Gesprächen mit den Gewerkschaften, um dieser besonderen Lage zu begegnen.

„Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen – aber auch die wechselseitige und besondere Rücksichtnahme“, appelliert Wolfgang Schuster an Verständnis und Geduld aller Beteiligten.

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