Foto (Lahn-Dill-Kreis): Anita Schneider und Roland Esch freuen sich über die guten Resultate des Feld- und Flurprojektes.

Foto (Lahn-Dill-Kreis): Ab sofort informieren Schilder über die Flächen zum Schutz des Rebhuhns.

Mehr Rebhühner zwischen Hüttenberg und Linden

„Feld-Flur-Projekt Gießen Süd“ verzeichnet erste Erfolge

Hat der Landwirt beim Säen einen Streifen vergessen? War die Sämaschine kaputt? Ist ihm das Saatgut ausgegangen? Auf vielen Feldern bei Gießen, Hüttenberg, Langgöns, Linden und Pohlheim können Spaziergänger derzeit bunte Blühflächen bewundern. Auffällig ist allerdings: Auf den ersten Blick wirken sie unvollständig. Immer wieder tauchen kahle Stellen dazwischen auf. Das ist Absicht, denn mit diesen bewuchslosen Flächen, den sogenannten Schwarzbrachen, schützen Landwirtinnen und Landwirte das Rebhuhn. Die Kombination aus Brach- und Blühflächen bietet dem Rebhuhn optimale Brutmöglichkeiten. Die jetzt aufgestellten Infotafeln geben aufmerksamen Spaziergängern zudem ausführliche Informationen zu Sinn und Zweck der sogenannten Brutplatzkomplex-Flächen. Ein Jahr nach dem Start des „Feld-Flur-Projektes Gießen Süd“ ziehen die Verantwortlichen eine erste Bilanz.

Anzahl der Rebhühner hat zugenommen

Vor einem Jahr hat die Abteilung für den ländlichen Raum der Landkreise Lahn-Dill und Gießen zusammen mit dem Regierungspräsidium Gießen das „Feld-Flur-Projekt Gießen Süd“ vorgestellt. Ziel des Projektes ist es, neben den Leitarten Feldhamster und Feldlerche auch das Rebhuhn in seinem Bestand zu fördern und zu sichern. Die ersten Erfolge werden nun sichtbar. „Die Kartierung des Rebhuhns innerhalb des Projektgebietes durch ein von uns beauftragtes Gutachterbüro, lässt eine Steigerung der Revierpaare gegenüber 2019 vermuten,“ berichtet Gerhard Schulze-Velmede vom Dezernat Artenschutz des Regierungspräsidiums Gießen. Landwirt Alexander Arnold aus Leihgestern beteiligt sich bereits seit zwei Jahren an den speziellen Schutzmaßnahmen. Seine Beobachtungen in der Nähe seiner Felder bestätigen ebenfalls den positiven Effekt des Projektes. „Ich sehe nun wieder viel mehr Rebhühner. Es freut mich sehr, dass ich mit den Maßnahmen einen so wichtigen Beitrag zum Arterhalt leisten kann.“ Genauere Zahlen und Ergebnisse aus dem Feldflurprojekt können voraussichtlich noch in 2020 vorgestellt werden.

„Die bisherigen Resultate des Projektes sind erfreulich. Die Maßnahme wird in diesem Jahr auf insgesamt 61 Hektar umgesetzt. Um sich diese Größe besser vorstellen zu können: In 61 Hektar würde das Schwimmbecken des Gießener Freibades an der Ringallee 488-mal hineinpassen,“ rechnet Anita Schneider, Landrätin des Landkreises Gießen vor. „Ich bin froh, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte ihre Flächen für den Artenschutz zur Verfügung stellen, das Förderangebot nutzen und so engagiert für den Erhalt des Rebhuhns eintreten,“ würdigt Roland Esch, Erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises. Das Land Hessen unterstützt die Landwirtinnen und Landwirte mit Fördergeldern.

Der Rebhuhn-Brutplatzkomplex und andere Artenschutzmaßnahmen werden im Rahmen des „Feld-Flur-Projektes Gießen Süd“ umgesetzt. Die Abteilung für den ländlichen Raum der Landkreise Gießen und Lahn-Dill und das Regierungspräsidium Gießen, Dezernat Artenschutz, koordinieren dieses Projekt gemeinsam. Ehrenamtlicher Naturschutz, Kommunen, Landwirte, Jägerschaft und Behörden der Landkreise sowie des Landes Hessen ziehen dabei an einem Strang. Es geht darum, neben den Leitarten Feldhamster und Feldlerche auch das Rebhuhn in seinem Bestand zu fördern und zu sichern.

Schwarzbrachen – ein Paradies für Rebhühner

Das Rebhuhn war einst ein typischer Bewohner der Feldflur. In den letzten 40 Jahren gab es in Europa allerdings einen dramatischen Einbruch der Rebhuhn-Bestände mit einem Rückgang von 94 Prozent. Grund dafür: Es fehlten und fehlen vorwiegend geeignete Lebensräume für Brut und Küken-Aufzucht. Hier zeigt sich die besondere Bedeutung der Rebhuhn-Schutzmaßnahme: Sie verbindet eine Blühfläche mit einem ca. drei bis sechs Meter breiten Schwarzbrachestreifen außen herum. Die Blühfläche bietet neben Nahrung auch Versteck- und Brutmöglichkeiten und hat insbesondere im Winter eine wichtige Schutzfunktion. Die Schwarzbrache wird während der Fortpflanzungsphase von April bis August möglichst von Bewuchs freigehalten. Insbesondere für die Küken ist die Schwarzbrache sehr wertvoll, da sie sich hier gut bewegen und ihr Gefieder trocknen können. Rebhuhn-Küken ernähren sich fast ausschließlich von Insekten, die hier in der Schwarzbrache leicht zu finden sind.

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