Mathias Christian Kosel (links) und Daniel Draganov (rechts) begleiteten den Abend mit musikalischen Stücken auf Piano und Violine. (Foto: Lahn-Dill-Kreis)

Viele Interessierte kamen zum Präventionsabend in den Festsaal der Vitos Klinik, um sich die Vorträge anzuhören und sich an der Diskussionsrunde zu beteiligen. (Foto: Lahn-Dill-Kreis)

Miteinander reden für eine starke Gesellschaft

6. Präventionsabend des Lahn-Dill-Kreises behandelt jüdisches Leben in Deutschland

„1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – unter diesem Motto lud der Lahn-Dill-Kreis am 14. Juni 2022 zum sechsten Präventionsabend in den Festsaal der Vitos Klinik in Herborn ein. „In diesen 1.700 Jahren war insbesondere unser Land sehr häufig von Antisemitismus betroffen. Es ist deshalb unsere Pflicht, dieses Thema immer wieder aufzuarbeiten und zu besprechen“, betonte Kreis-Sozialdezernent Stephan Aurand in seiner Eröffnungsrede.

Um den Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm bieten zu können, waren verschiedene Gäste geladen: Der Violinist Daniel Draganov und der Pianist und Buchautor Mathias Christian Kosel begleiteten den Abend mit musikalischen Darbietungen. Diese dienten aber nicht nur der Unterhaltung, sondern sollten auch zeigen, dass Musik eine internationale Sprache ist, die alle Menschen verstehen können und die sie miteinander verbindet. Zudem berichtete Draganov von seinen eigenen und den Erfahrungen seiner Vorfahren mit Antisemitismus und Prävention und verglich diese mit der heutigen Zeit. Kosel stellte unter anderem seinen Roman „Das Lied der Amsel“ vor, der die verbotene Liebe eines christlichen Mädchens zu einem jüdischen Waisenjungen thematisiert.

In Ergänzung zu den Vorträgen fand eine Podiumsdiskussion statt. Hieran beteiligten sich neben Kosel und Draganov auch Christina Kreis, Antisemitismusbeauftragte der hessischen Staatsanwaltschaften, und Dr. Christoph Münz, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V in Dillenburg. Hierbei wurde hervorgehoben, dass Prävention insbesondere Information und Kommunikation bedeute. Man müsse den Dialog suchen, um eine starke Gesellschaft zu schaffen, in der unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen Gehör finden und respektvoll miteinander umgehen können. Zudem sei es nötig, auch unbequeme Wege zu gehen, auf Diskussionen einzugehen und Missstände anzusprechen. Schließlich bedeute Prävention auch, aktiv in die Gesellschaft einzugreifen und Maßnahmen zu verwirklichen, die schädliche Folgen abschwächen und Risiken verringern können. Darüber hinaus wurde festgehalten, dass sich die Gesellschaft von dem „Es wird schon nichts passieren“-Gedanken distanzieren müsse und Missstände stets ernst nehmen sollte.

Auch das Publikum beteiligte sich mit einigen Redebeiträgen und Fragen an der Diskussion. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wiesen vor allem darauf hin, dass die jüdische Geschichte in Deutschland zwar zu den Themen gehört, die niemals vergessen werden dürfen, jedoch auch aktuelle Themen der jüdischen Gesellschaft mehr Platz im öffentlichen Diskurs finden sollten.

„Aus unserer Sicht war der Abend ein voller Erfolg. Das Programm, die musikalischen Darbietungen und die angeregte Diskussionsrunde kamen beim Publikum sehr gut an. Wir freuen uns über den spannenden Input, den wir erhalten haben, und sind motiviert, die Präventionsarbeit im Lahn-Dill-Kreis weiterzuentwickeln“, fasst Matthias Holler, Geschäftsführer des Präventionsrates des Kreises und Initiator des Präventionsabends, zusammen.

Der Präventionsabend fand in Kooperation mit der DEXT-Fachstelle des Lahn-Dill-Kreises statt. 

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