Seine Philosophie: Demokratie als Lebensform

Ausstellung zu Theodor Heuss im Kreishaus in Wetzlar

Wetzlar/Dillenburg/Herborn (ldk): Schon in der Weimarer Republik wollte er die Demokratie als Staats­ und Lebensform etablieren - doch was verstand er darunter eigentlich? Eine Ausstellung zu Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten Deutschlands, gibt Antworten. "Theodor Heuss sagte einmal, dass seine Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz 1933 sein größter Fehler gewesen sei. Er hat das zugegeben und aus seinen Erfahrungen gelernt. Er hat damit seine Generation geprägt. Ohne Demokratie funktioniert unsere Gesellschaft nicht", betont Landrat Wolfgang Schuster. Und auch Heuss' Frau Elly habe eine wichtige Rolle in der damaligen Zeit gespielt. "Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Elly Heuss-Knapp hat sich dafür eingesetzt, dass Frauen dieses Wahlrecht nutzen", so der Landrat weiter. Gemeinsam mit dem FDP-Kreistagsabgeordneten Dr. Matthias Büger hat er die Wanderausstellung jetzt im Foyer des Kreistagssitzungssaals am Karl-Kellner-Ring in Wetzlar eröffnet.

Büger, der sich als Aktiven in der politischen Nachfolge Heuss' sieht, hat in seiner Rede zu Eröffnung eines besonders deutlich gemacht: den Bezug Theodors und Ellys zu Wetzlar. Diese Wanderausstellung kehre an einen Wirkungsort von Heuss zurück. Die Beziehung der Häuser Leitz und Heuss war eng. Das gehe unter anderem aus einem Kondolenzbrief von Elsie Kühn-Leitz an Dr. Ernst Ludwig Heuss, den Sohn des ersten Bundespräsidenten, hervor. Auch die Tatsache, dass Ernst Leitz Elly Heuss-Knapp, ihrer Zeit nicht nur Theodors Ehefrau sondern auch Lehrerin und Werbefachfrau, einen wichtigen Auftrag für eine Rundfunkwerbung erteilte, unterstreiche die Bindung der beiden Häuser zueinander.

Anhand von Originalobjekten, Fotos, Ton­ und Filmdokumenten sowie interaktiven Elementen ist in der Ausstellung ein Mann zu entdecken, der sich in enger Partnerschaft mit seiner Frau Elly Heuss­Knapp an den demokratischen und liberalen Vorstellungen seiner Zeit orientierte.

Heuss' eigenes politisches Verhalten war dabei nicht frei von Fehlern, und manche seiner Entscheidungen irritieren bis heute. Entlang seines Lebensweges zeigt die Ausstellung so die Entwicklung demokratischer Vorstellungen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und den frühen Jahren der Bundesrepublik. Elly Heuss­Knapp ist dabei mehr als nur die Frau an seiner Seite. In eigenen Einheiten wird ihre Biografie anschaulich präsentiert. Schon vor 100 Jahren führte sie ein modernes Leben, verband Familie und Beruf und stellte sich immer wieder neuen Herausforderungen. Intensive religiöse Phasen wechselten sich mit leidenschaftlichem politischem Engagement ab. Und wer weiß schon, dass die examinierte Lehrerin nicht nur die Gründerin des Müttergenesungswerks, sondern auch die Erfinderin des Werbejingles ist?

Das Berliner Gestaltungsbüro Bertron Schwarz Frey hat für die Ausstellung eine symbolträchtige Formensprache entworfen. Die Ausstellungskisten verbergen in ihrem Inneren eine Farbigkeit, die in ihrem Verlauf die Vielseitigkeit der Lebensläufe symbolisiert. Immer wieder können die Besucherinnen und Besucher Entscheidungen von Heuss oder seiner Frau interaktiv selbst nachvollziehen. Damit lädt die Ausstellung dazu ein, über eigene Schwerpunkte in Politik und Gesellschaft nachzudenken.

Zum Hintergrund

Heute sind Straßen, Plätze und Schulen nach Theodor Heuss benannt. Er wurde 1949 zum ersten Bundespräsidenten gewählt, gestaltete zuvor das Grundgesetz mit und engagierte sich als Journalist und Politiker zeit seines Lebens für die Demokratie in Deutschland. 

Zur Ausstellung

Die Ausstellung über ihn und seine Frau "Demokratie als Lebensform" befindet sich im Foyer des Kreistagssitzungssaales, Kreishaus Gebäude D, 2. Stock, Karl-Kellner-Ring 51, 35576 Wetzlar und kann bis zum 25. Oktober 2018 während der Öffnungszeiten der Kreisverwaltung besucht werden. Der Eintritt ist frei.

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