Durch die enge Verzahnung von Saumstrukturen, Wiesen mit unterschiedlichen Nutzungszeitpunkten und Gehölzstrukturen ist ein großer Artenreichtum in unserer Landschaft möglich. (Foto: Lahn-Dill-Kreis)

Sensible Wiesenbewohner gut geschützt!

Wiesen bieten Lebensraum, ermöglichen Artenvielfalt, schützen den Boden vor Erosion und helfen bei der Trinkwasserversorgung

Ende Mai bis Anfang Juli liegt dieser wunderbare Geruch von frisch gemähten Wiesen in der Luft. Das trocknende Heu begeistert nicht nur den menschlichen Geruchssinn. Der eigentliche Grund: Hier ernten die umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe Futter für Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde bis hin zu Goldhamster und Kaninchen.

Der Wert einer blüten- und artenreichen Wiese ist nicht auf die Gewinnung von Futter beschränkt. Die Wiesen bieten Lebensraum, ermöglichen Artenvielfalt, schützen den Boden vor Erosion und sind behilflich bei der Trinkwasserversorgung – und das sind längst nicht alle ihre Leistungen. Über die Jahrhunderte sind ökologische Gemeinschaften entstanden, die in Einzelfällen eine fast schon seltsame Abhängigkeit aufweisen (s. Infobox).

Landwirte und Landwirtinnen schützen den sensiblen Lebensraum Wiese großflächig und erfolgreich. Eine anstrengende Aufgabe, gehen doch tagtäglich wertvolle Flächen für Neubaugebiete, Industriestandorte und den Straßenbau verloren. Die Abteilung für den ländlichen Raum unterstützt die Landwirte in den Landkreisen Lahn-Dill und Gießen bei dieser anstrengenden Aufgabe. Durch die Schutzmaßnahmen haben die landwirtschaftlichen Betriebe Ertragseinbußen, die durch das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM) entschädigt werden können.

Roland Esch, Erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises: „Die Abteilung für den ländlichen Raum setzt auf eine stetig wachsende Fläche. In enger und vertrauensvoller Abstimmung mit den landwirtschaftlichen Betrieben wird eine Vielzahl von Schutzmaßnahmen auf den Wiesen umgesetzt.“ 

Durch die enge Verzahnung von Saumstrukturen, Wiesen mit unterschiedlichen Nutzungszeitpunkten und Gehölzstrukturen ist ein großer Artenreichtum in unserer Landschaft möglich.

Auf über 10.000 Hektar hat die Abteilung für den ländlichen Raum in den Landkreisen Lahn-Dill und Gießen Vereinbarungen mit Landwirten zur extensiven Bewirtschaftung auf Grünland getroffen. Das entspricht einer Fläche von der Größe der Stadtgebiete Wetzlar und Leun im Lahn-Dill-Kreis bzw. des Stadtgebietes Gießen und der Gemeinde Staufenberg im Landkreis Gießen. Anders gesagt: Mehr als ein Drittel des gesamten Dauergrünlandes der beiden Landkreise wird unter naturschutzfachlichen Vorgaben landwirtschaftlich genutzt.

Diese abgestimmten Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der vielfältigen mittelhessischen Wiesen und Weiden dienen dem Natur- und Artenschutz. „Jedes Jahr steigt die Zahl der Vereinbarungen zum Schutz der Wiesen – das freut uns sehr. Ohne die Landwirte wäre ein solches Programm nicht lebensfähig“, erklärt Margot Schäfer, Leiterin der Abteilung für den ländlichen Raum.

Infobox:

Als eines von unzähligen Beispielen sei der Wiesenknopf-Ameisenbläuling genannt. Ein kleiner, bei zusammen geklappten Flügeln eher unscheinbarer Schmetterling, der in seiner Fortpflanzungszeit ab Anfang Juli seine Eier ausschließlich in die Blüten einer einzigen Pflanzenart legt, dem Großen Wiesenknopf. Die ersten Larvenstadien lebt die Schmetterlingsraupe in der Blüte. Im August lassen sich die Raupen auf den Boden fallen und werden von der Roten Knotenameise in ihr unterirdisches Nest getragen. Die Ameisen unterliegen dem Irrglauben, dass es sich um Ameisenlarven handele. Unterirdisch durchläuft die Raupe dann weitere Entwicklungsstadien, lässt sich währenddessen von den Ameisen füttern und im nächsten Juli fliegt eine neue Generation Schmetterlinge erneut los, um die Blüten des Großen Wiesenknopfes zu suchen.

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