Gemeinsame Rück- und Ausblicke mit Landkarten und zeitgenössischem Material beim „Gipfeltreffen“ an der Grenze zwischen den Landkreisen Gießen und Lahn-Dill: (v. l.) Oberbürgermeister Manfred Wagner, Landrat Wolfgang Schuster, Landrätin Anita Schneider, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und die beiden Ortsvorsteher Ulrich Loh und Thomas Euler. (Fotos: Lahn-Dill-Kreis)

Ortsvorsteher Ulrich Loh, Landrat Wolfgang Schuster, Oberbürgermeister Manfred Wagner, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Landrätin Anita Schneider und Ortsvorsteher Thomas Euler auf dem Weg zum Aussichtsgipfel in Allendorf/Lahn.

Verständnis als Region statt Denken in Grenzen

40 Jahre nach dem Ende des großen Lahn-Dill-Kreises schauen Landrätin Schneider, Landrat Schuster, Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz und Oberbürgermeister Wagner in die Zukunft

Zwei Landkreise, zwei Städte – und ein gemeinsames Verständnis als Region: 40 Jahre nach dem Ende des „großen“ Lahn-Dill-Kreises und der Stadt Lahn verstehen sich der Landkreis Gießen und der Lahn-Dill-Kreis sowie die Städte Gießen und Wetzlar als Partner auf Augenhöhe.

Landrätin Anita Schneider für den Landkreis Gießen, Landrat Wolfgang Schuster für den Lahn-Dill-Kreis, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz für die Stadt Gießen und Oberbürgermeister Manfred Wagner für die Stadt Wetzlar haben gemeinsam Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt. Austausch und vielfältige Kooperation über kommunale Grenzen hinweg bestimmen heute das gemeinsame Miteinander.

Der Aussichtsgipfel des Rundwanderwegs in Allendorf/Lahn bot  im wahren Wortsinn Gelegenheit für gemeinsame Ausblicke. Denn der Ort des sprichwörtlichen Gipfeltreffens der Amtsträgerinnen und Amtsträger erlaubt weite Blicke ins Gießener Land und in den Lahn-Dill-Kreis und hat damit Symbolkraft - darauf wies als Gastgeber Ortsvorsteher Thomas Euler (Allendorf) hin, der ebenfalls seinen Kollegen Uli Loh aus dem Nachbarort Dutenhofen begrüßte. Vor 40 Jahren sägten die Gegner der Stadt Lahn in den Lahn-Niederungen symbolisch ein Ortsschild ab, die Anhöhe bot nun dagegen Gelegenheit für gemeinsame Perspektiven.

An die Stelle der Konflikte ist ein Verständnis als Region getreten

Vom 1. Januar 1977 bis zum 1. August 1979 lag dieser Punkt mitten in der Stadt Lahn und im „großen“ Lahn-Dill-Kreis. Beide Gebietskörperschaften waren durch eine Fusion entstanden, die das Land Hessen per Gesetz veranlasst hatte. Vom Rothaargebirge bis in die Ausläufer des Vogelsbergs reichte der neue Landkreis der Superlative, der im Wesentlichen die heutigen Landkreise Gießen und Lahn-Dill sowie die zur Stadt Lahn vereinigten Städte Wetzlar und Gießen in seinem Zentrum umfasste. Nach emotionalen und heftigen Konflikten wurde die Fusion schließlich rückgängig gemacht. Vor 40 Jahren entstanden die beiden Landkreise Gießen und Lahn-Dill sowie die Städte Gießen und Wetzlar in ihren heutigen Grenzen.   

An die Stelle der Konflikte von einst ist längst das Bewusstsein einer guten Nachbarschaft und einer gemeinsamen Region gerückt. „Ich freue mich über unser gutes Miteinander“, sagt Landrätin Anita Schneider. „40 Jahre nach dem Ende des Konstrukts des großen Lahn-Dill-Kreises und der Stadt Lahn haben wir Stillstand überwunden, pflegen eine Kultur des Austauschs und der Kooperation.“ Landrat Wolfgang Schuster ergänzt: „Wir teilen viele Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft, wir profitieren und ergänzen einander als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Lebensstandort.“

Die THM mit dualen Studiengängen in Gießen und Wetzlar sowie Partnerunternehmen in beiden Landkreisen und die Einbindung ins Regionalmanagement Mittelhessen stehen sinnbildlich für das gemeinsame Auftreten von Kreisen und Städten, wenn es um die enge Verzahnung von Wirtschaft und Bildung geht.

Landkreise und Städte kooperieren in vielen Bereichen

Darüber hinaus gibt es allein zwischen dem Landkreis Gießen und dem Lahn-Dill-Kreis eine Vielzahl weiterer, konkreter Kooperationen im Alltag. Beispiele sind die gemeinsame Abteilung für den ländlichen Raum mit Sitz in Wetzlar, die gemeinsame Präsenz als Modellregion Ökolandbau, die Entwicklung neuer Ansätze im gemeinsamen Projekt Elektromobilität Obere Lahnregion (EMOLA), in das zudem der Kreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Marburg eingebunden sind. Nicht zuletzt treten beide Landkreise und Städte als Teil der Tourismusregion Lahntal erfolgreich gemeinsam auf, um ihre Fremdenverkehrsziele attraktiv zu vermarkten. 

„Wir stehen bei aller Verschiedenheit unserer Struktur in weiten Teilen vor ähnlichen Herausforderungen“, sagt Landrätin Anita Schneider. „Konkurrenzdenken wäre völlig fehl am Platz. Wir müssen Synergien nutzen und weitere Potenziale finden, von denen wir alle profitieren.“ Wo kommunale Grenzen verlaufen, spiele daher nur eine untergeordnete Rolle: „Es wäre nicht zukunftsgerecht, nur den oft zitierten eigenen Kirchturm im Blick zu haben. Dies kann sicher eine Lehre aus der gescheiterten Fusion von vor 40 Jahren sein.“

Auch Landrat Schuster verweist auf das gemeinsame Verständnis als Region: „1979 haben die Gegner des Großkreises und der Stadt Lahn Ortsschilder umgesägt und alte Grenzen wieder neu geschaffen. Wo diese Grenzen verlaufen, spielt heute für uns als Region nicht die ausschlaggebende Rolle. Die wichtigen Faktoren sind für uns gemeinsam eine gute Infrastruktur, Verkehrsanbindungen und gute Bedingungen für Bildung, Leben und Arbeit. Denn darauf kommt es an im Wettbewerb und Miteinander der Regionen in Hessen, Deutschland und Europa.“

Die Städte Gießen und Wetzlar pflegen neben einer natürlichen städtischen Konkurrenz heute mehr denn je den interkommunalen Austausch und die interkommunale Zusammenarbeit – zum Beispiel im Bereich Kultur durch gemeinsame Angebote des Kulturfonds Gießen-Wetzlar, aber auch im Bereich der Planung von gemeinsamen Flächennutzungen.  Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz: „Auch wenn Gießen nach Auflösung der Stadt Lahn durch die neue Gebietsreform sowohl notwendige neue Flächen wie auch die ursprüngliche Kreisfreiheit verloren hat, so würde heute doch keiner mehr diese Zeit zurückhaben wollen. Die Menschen brauchen ihre Städte als Orte der Identität - die kann man nicht einfach auflösen und durch Kunstprodukte ersetzen. Heute müssen wir neue Wege suchen, um unsere Zukunft gemeinsam zu sichern – die interkommunale Zusammenarbeit wie auch ein regionales Verständnis ohne Kirchturmpolitik sind dafür Lösungsansätze.“

Auch Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner verweist auf dieses Miteinander, um als Region gemeinsam zu profitieren: „In der Folge des Abschlusses der mittelhessischen Gebietsreform ist Wetzlar um seine heutigen Stadtteile gewachsen, ist eine von sieben Städten mit Sonderstatus und als Oberzentrum ausgewiesen. Bei allem interkommunalen Wettbewerb, den wir ‚sportlich‘ pflegen, freue ich mich, dass wir die anfängliche ‚Sprachlosigkeit‘ längst überwunden haben und die unterschiedlichen Stärken Gießens und Wetzlars sowie unserer Landkreise einbringen, um das Profil Mittelhessens zu schärfen. Schließlich gilt es immer wieder gegenüber dem Land deutlich zu machen, dass unser Raum vielfältige Potentiale hat und Hessen deutlich mehr ist als der Ballungsraum Rhein-Main.“

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