Gemeinsam mit betroffenen Akteuren sowie den Städten und Gemeinden hat der Landkreis ein Maßnahmenpaket entwickelt, um der drohenden Gasmangellage entgegenzuwirken. Foto: Pakhnyushchyy/Getty Images via www.canva.com

„Was, wenn uns im Winter wirklich das Gas ausgeht?“

Landkreis entwickelt gemeinsam mit Kommunen und weiteren Akteuren Maßnahmenpaket zur drohenden Gasmangellage im Winter

Wetzlar/Dillenburg/Herborn (ldk): „Wir sprechen hier von einer Sache, die wir in dieser Dimension noch nicht erlebt haben. Das, was wir gerade vorbereiten, zeigt eine große und wichtige interkommunale Solidarität“, erklärt Landrat Wolfgang Schuster am Freitagnachmittag. Man müsse jetzt eng zusammen- und in einem regelmäßigen Austausch stehen, um einem möglicherweise im Winter bevorstehenden Mangel an Gas effektiv und rasch entgegenwirken zu können. „Der Schutz und die Versorgung der Bevölkerung im Lahn-Dill-Kreis sind dabei unsere primären Aufgaben“, ergänzt Schuster.

Der Lahn-Dill-Kreis hat aus diesem Grund im August Gespräche mit allen betroffenen Akteuren geführt, um sich einen umfangreichen Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen. Denn ein Gasmangel im Winter bedeutet für viele Haushalte im Lahn-Dill-Kreis: keine Heizung und kein warmes Wasser. Was dann? Dazu im Austausch stehen: die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Kommunen des Lahn-Dill-Kreises, die Stadtwerke Herborn und Haiger, die Netzbetreiber enwag und EAM, die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft, die Lahn-Dill-Kliniken, die Innungsobermeister für Elektro- und Informationstechnik sowie für Sanitär- und Heizungstechnik Dillenburg und Wetzlar, der Obermeister der Bezirksschornsteinfeger sowie das Team des Energie- und Klimaschutzmanagements des Lahn-Dill-Kreises. Die Erkenntnisse dieser Gespräche führten zu einem ersten „Maßnahmenplan zur Energieeinsparung und Notfallmaßnahmen bei einer Gasmangellage für die Liegenschaften des Lahn-Dill-Kreises“. Der Kreisausschuss hat dem Plan in dieser Woche zugestimmt. Er wird nun so schnell wie möglich umgesetzt.

„Transparenz statt Panik – das ist unser Kredo. Und natürlich denken wir in diesem Zuge darüber nach, wo wir den Menschen hier im Landkreis Wärmeräume anbieten können. Denn die vermeintlich gute Lösung, beispielsweise auf elektronische Heizlüfter umzusteigen, falls die Gasheizung im Winter nicht mehr heizt, stellt schnell neue Herausforderungen dar. Das Stromnetz wird laut Experten nicht stabil genug sein und einer Überlastung vermutlich nicht standhalten“, führt der Landrat fort. „Ich bin froh über diesen intensiven und sehr fachlichen Austausch. Eine derartige Krise ist für uns alle neu. Dass wir nun gemeinsam alle Eventualitäten besprechen und dass das Maßnahmenpaket steht, ist beruhigend“, ergänzt Frank Inderthal, Bürgermeister der Stadt Solms und Sprecher für alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Lahn-Dill-Kreis.

Aus Sicht der Expertinnen und Experten aus den Reihen der Versorger und Netzbetreiber sei nicht der Winter 2022/23 das Hauptproblem, sondern der nächste Winter, also 2023/24. Derzeit seien die Speicher noch gefüllt. „Darauf dürfen wir uns aber auf keinen Fall ausruhen! Sparen ist auch jetzt schon das Wichtigste, was wir alle für uns selbst und dann letztlich für die Gemeinschaft tun können, um die Vorräte nicht komplett herunterzuwirtschaften“, betont Wolfgang Schuster. „Wir müssen heute schon für den Winter in anderthalb Jahren sparen. Und natürlich sind wir diesbezüglich auch auf die Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen“, führt er fort.

Das nächste energiepolitische Gespräch ist für Anfang November anberaumt.

Was besagt der „Maßnahmenplan zur Energieeinsparung und Notfallmaßnahmen bei einer Gasmangellage für die Liegenschaften des Lahn-Dill-Kreises“?

Der Maßnahmenplan besteht aus zwei Stufen. Die erste Stufe beschreibt die beschlossenen Sofortmaßnahmen zur Einsparung von Erdgas und Strom, die zeitnah umgesetzt werden. Dabei geht es um gebäudebezogene Energiesparmaßnahmen, wie beispielsweise das Anpassen der Temperatur in Büros der Kreisverwaltung sowie in Klassenräumen und Sporthallen. Außerdem wird das warme Wasser in Bereichen, die es zulassen, abgeschaltet. Zwei weitere wichtige Punkte sind das Lüften und Kühlen: Anlagen werden überprüft, gereinigt, gegebenenfalls abgeschaltet bzw. die  Betriebszeiten angepasst. Auch die Themen Beleuchtung und allgemeiner Stromverbrauch sind im Plan verortet. So werden zum Beispiel nicht sicherheitsrelevante Außenbeleuchtungen abgeschaltet. Mittelfristig soll dort, wo noch nicht geschehen, der Umstieg von konventionellen Leuchtmitteln auf LED stattfinden. Zur Begleitung und Umsetzung der Maßnahmen hat der Lahn-Dill-Kreis intern die Taskforce Energie gegründet. Die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überwachen die Situation engmaschig und bewerten die Lage regelmäßig neu, um die Nachhaltigkeit sicherzustellen. Die zweite Stufe des Plans befasst sich mit Notfallmaßnahmen, sollte die Lage akut werden und es zu (teilweisen) Ausfällen der Gasversorgung kommen. Relevante Themen in diesem Bereich sind die Aufrechterhaltung der Stromversorgung und der Brandschutz. Auch der Umgang mit dem Schulunterricht wird in dieser Stufe des Plans geregelt.

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