Lahn-Dill-Kreis erprobt Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in großangelegter Übung mit über 120 Teilnehmern (Fotos: Lahn-Dill-Kreis)

Wenn die Pest auf unsere Schweine trifft…

Lahn-Dill-Kreis erprobt Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in großangelegter Übung mit über 120 Teilnehmern

Es stellt sich nicht die Frage, ob die Afrikanische Schweinepest (kurz: ASP) nach Deutschland kommt, sondern wann. Was man dagegen tun kann? Gut vorbereitet sein. Denn eine Impfung gibt es nicht. Aus diesem Grund hat der Lahn-Dill-Kreis rund fünf Monate lang eine zweitägige Großübung zur ASP auf die Beine gestellt. Die Erprobung einzelner Faktoren, die ein Ausbruch mit sich bringen würde, sowie deren Aus- und Bewertung sind entscheidend, um im Ernstfall richtig zu handeln. Über 100 Interessierte aus Ministerien, Landkreisen und Verbänden treffen sich in Aßlar. Neben einer Einheit von Fachvorträgen, werden die Bergung, der Abtransport sowie die Entsorgung eines Wildschweinkadavers erprobt. Auch das Thema Dekontamination spielt eine wichtige Rolle.

Der Lahn-Dill-Kreis ist laut Angaben des Deutschen Jagdverbandes der wildschweinreichste Landkreis in Deutschland. Gleichzeitig ist das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt, momentan so hoch wie nie zuvor: Aktuell wütet die Tierseuche, die für den Menschen ungefährlich ist, und sich unter Wild-, Haus- und anderen Schweinearten ausbreitet, in einigen osteuropäischen Ländern. In Belgien ist die ASP bereits bis auf zwei Kilometer vor die Grenze zu Frankreich gerückt und nur noch einen Kilometer von Luxemburg entfernt. Die Auslöschung der Krankheit ist bisher nur in Tschechien gelungen.

Im Lahn-Dill-Kreis gibt es insgesamt 160 schweinehaltende Betriebe; davon 150 Mast- und 10 Zuchtbetriebe. Insgesamt ergibt sich eine Anzahl von rund 2.400 Hausschweinen. Die Zahl der im Lahn-Dill-Kreis lebenden Wildschweine beläuft sich Schätzungen zufolge auf 22.000 bis 30.000 Tiere – der bundesweite Höchstwert für einen Landkreis. Und weil die Tierseuche sehr wahrscheinlich bei den Wildschweinen ausbrechen wird und dann droht auf den Hausschweinbestand überzugehen, stellt der Lahn-Dill-Kreis ein realistisches Übungsszenario dar. Dass die Übung deshalb nicht nur auf großes Interesse in hessischen betroffenen Ministerien, Ämtern und Verbänden weckt, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus, bestätigt noch einmal mehr, wie wichtig die Erprobung des Ernstfalls ist.

Über 100 Teilnehmer werden erwartet:

  • Die Verbände und Institutionen der Jäger, Förster und Landwirte aus dem Lahn-Dill-Kreis
  • Amtstierärzte aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg
  • Die Gemeinden des Lahn-Dill-Kreises, die hessischen Regierungspräsidien, das hessische Veterinär- und Innenministerium und das Veterinärministerium aus Rheinland-Pfalz
  • Feuerwehr und die Polizei

Sollte es zu einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Lahn-Dill-Kreis kommen, dann sollen die Schweinehalter im Kreis bestmöglich vor der Bedrohung geschützt sein. Um den Schaden für die Schweinehalter so gering, wie möglich zu halten, sollen verschiede Faktoren durchgespielt und auf den Prüfstand gestellt werden:

  • Erprobung der Kommunikationswege zwischen Kreis, Land und Kommunen.
  • Erprobung und Optimierung der Zusammenarbeit aller Beteiligten.
  • Lagebeurteilung und Erarbeitung von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr.
  • Erprobung der Bergung eines Wildschweinkadavers unter realistischen Umgebungsbedingungen.
  • Aufbau eines kompletten Kadaversammelplatzes nach dem Konzept des Landes Hessen und Evaluierung der Umsetzbarkeit.
  • Weiterhin wird die Desinfektion der Fahrzeuge mit Schaum versucht (in dieser Form einmalig). Es besteht die Frage, ob somit ein erweiterter Einwirkzeitraum erreicht werden kann.
  • Durchführung einer risikoorientierten Fallwildsuche mit Erprobung von Konzepten zur Kommunikation und Organisation.
  • Weiterhin wird der erforderliche Personal und Materialeinsatz eruiert.

Hauptziel der Übung ist es, so nah wie möglich an der Realität zu üben. Aus diesem Grund soll schon die Bergung des drapierten Schweinekadavers* im Bachlauf des Holzerbachs bei Aßlar für die beteiligten Helfer eine Herausforderung darstellen, wie sie wohl auch im Ernstfall wäre: Unwegsames Gelände, Schlamm, Wasser und ein totes Wildschwein, das knapp 40 Kilo wiegt. Schutzanzug, Handschuhe und Mundschutz erschweren die Bergung zusätzlich.

Über das Virus:

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist sehr widerstandsfähig. Nicht nur frisches, sondern auch gefrorenes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch und auch Wurstwaren können für Haus- und Wildschweine über lange Zeit infektiös sein. Wurstwaren aus Ländern, die bereits von der ASP betroffen sind, und in Deutschland durch unsachgemäße Entsorgung mit Schweinen über die Nahrungsaufnahme in Berührung kommen, können die Seuche als möglicherweise einschleppen.

Was ist, wenn die ASP in Deutschland auftritt?

Bricht die Afrikanische Schweinepest in einem Hausschweinbetrieb aus – eingeschleppt über den Kontakt von einem infizierten Wild- zu einem Hausschwein – müssten alle Schweine des betroffenen Bestandes getötet und unschädlich beseitigt werden. Es würden Sperr- und Beobachtungsbezirke eingerichtet, in denen das Verbringen in und aus dem Bezirk untersagt wäre. Sowohl Schweinebestände als auch Wildschweine in diesen Zonen würden intensiv untersucht werden. Besonders wichtig wäre es dann außerdem, die betroffenen Gebiete nach Wildschweinkadavern abzusuchen, da sich an ihnen wiederum weitere Wildschweine infizieren können. Das Virus kann in einem Kadaver bis zu einem Jahr überleben. Ein weiteres wichtiges Ziel der Übung ist also außerdem, die Kommunikationswege zwischen Kommunen, dem Landkreis und dem Land zu erproben.

 

*Anmerkung: Für die Übung wurde kein Schwein getötet. Der Kadaver ist nach einem Verkehrsunfall in der Veterinärpathologie in Gießen gekühlt aufbewahrt worden.

 

Stimmen aus dem Kreishaus

"Es stellt sich nicht die Frage, ob die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt, sondern wann. Was wir mit dieser lang geplanten und gut durchdachten Übung erreichen möchten: Wir wollen vorbereitet sein. Wir wollen mögliche Schwachstellen schon jetzt aufdecken, damit wir unser Vorgehen optimieren können. Genauso wichtig ist es, herauszufinden, was schon gut funktioniert. Das gibt allen Beteiligten die nötige Sicherheit und bestätigt sie in ihrer Arbeit."

Wolfgang Schuster, Landrat des Lahn-Dill-Kreises

 

"Unser Ziel ist es, die Schweinehalter im Lahn-Dill-Kreis und darüber hinaus bestmöglich vor der drohenden Afrikanischen Schweinepest zu schützen. Es war uns deshalb besonders wichtig eine sehr realitätsnahe Übung zu organisieren. Das ist uns gelungen. Wir sind froh, dass so viele andere - Ministerien, Ämter und Verbände - davon profitieren können. Im Ernstfall ist es wichtig, auch über Landesgrenzen hinaus, an einem Strang zu ziehen."

Heinz Schreiber, Erster Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises und zuständiger Dezernent in den Bereichen der Gefahrenabwehr sowie im Bereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz

 

"Nach spätestens zehn Tagen sterben infizierte Schweine an dem Virus. Weil die ASP ein Fieber bei den Tieren verursacht, legen sich erkrankte Schweine bereits einige Tage nach der Ansteckung an kühlen Orten, wie zum Beispiel an Bachläufen oder im Wald ab, um sich Abkühlung zu verschaffen. Das Virus selbst ist sehr widerstandsfähig und kann bis zu einem Jahr im Kadaver überleben. Deshalb ist es so wichtig, Kadaver schnell zu finden, zu bergen und unschädlich zu machen."

Dr. Giuseppe Bosco, Amtstierarzt des Veterinäramtes des Lahn-Dill-Kreises und Projektleiter der Übung

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