10.09.2026 | 10:04

Den Garten zum sicheren Rückzugsort für Igel machen

Mit einfachen Maßnahmen können Gartenbesitzer Igeln Nahrung, Verstecke und sichere Wege bieten

Die Tiere stehen unter Schutz und dürfen grundsätzlich weder gefangen noch getötet werden. Foto: Pro-Content

Die Tiere stehen unter Schutz und dürfen grundsätzlich weder gefangen noch getötet werden. Foto: Pro-Content

Wenn es im Garten raschelt, muss das nicht zwangsläufig eine Maus sein. Gerade in den Abendstunden sind Igel unterwegs, auf der Suche nach Nahrung und einem geschützten Platz für den Tag. Doch geeignete Lebensräume werden für die Tiere zunehmend knapp. Private Gärten können deshalb eine wichtige Rolle spielen. Die Untere Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises gibt Tipps, wie man im eigenen Garten Igeln etwas Gutes tun kann.

Ein igelfreundlicher Garten muss keineswegs besonders aufgeräumt sein. Im Gegenteil: Laubhaufen, Totholz und Grünschnitt sind für Igel wertvolle Rückzugsorte. Gleichzeitig finden sich dort Insekten, die zu ihrer Nahrung gehören. Wer einen Laubhaufen beseitigen will, sollte deshalb zunächst genau nachsehen, ob sich darin ein Igel versteckt.

Auch Hecken, hohes Gras, Komposthaufen oder Trockensteinmauern mit Hohlräumen bieten den Tieren Schutz. Wer ihnen einen festen Unterschlupf schaffen möchte, kann ein Igelhaus aus Holz aufstellen. Entscheidend ist vor allem, dass der Garten möglichst natürliche Verstecke bietet.

Gefährlich kann dagegen manches sein, was die Gartenarbeit erleichtern soll. Mähroboter sollten nachts nicht zum Einsatz kommen. Zu dieser Zeit sind Igel aktiv und können von den Geräten verletzt werden. Auch Gifte sind eine Gefahr. Laubsauger beseitigen zudem nicht nur Blätter, sondern können Insekten töten und damit einen Teil der Nahrungsgrundlage der Igel.

Auch Gartenzäune können für die Tiere zum Problem werden. Ein Durchgang von etwa zehn mal zehn Zentimetern zwischen benachbarten Grundstücken ermöglicht es Igeln, ihre nächtlichen Streifzüge fortzusetzen. So müssen sie nicht auf der Suche nach Nahrung lange Umwege zurücklegen.

In trockenen Sommern können flache Schalen mit frischem Wasser helfen. Wird ein deutlich abgemagerter Igel beobachtet, kann zusätzlich getreidefreies Katzenfutter, ungewürztes Rührei oder getrocknete Insekten als Futter angeboten werden. Milch ist dagegen ungeeignet. Das Futter sollte möglichst so stehen, dass andere Tiere es nicht erreichen.

Nicht jeder Igel, der tagsüber im Garten unterwegs ist, braucht allerdings automatisch menschliche Hilfe. Die Tiere stehen unter Schutz und dürfen grundsätzlich weder gefangen noch getötet werden. Eine Ausnahme besteht bei kranken, hilflosen oder verletzten Tieren.

Anzeichen dafür können etwa ein ungewöhnlicher Geruch, auffällige Atemgeräusche, ein unsicherer Gang oder fehlende Bewegung sein. Doch auch dann sollte ein Igel nicht vorschnell eingefangen werden. Zunächst ist es sinnvoll, fachkundigen Rat einzuholen.

Die Igelhilfe Wetzlar Naunheim ist unter 06441/34476 erreichbar und kann einschätzen, ob ein Tier tatsächlich Hilfe benötigt. Ist das der Fall, kann ein Igel vorsichtig mit Handschuhen in einem Karton zu einer Auffangstation oder einem Tierarzt gebracht werden.

Für den Igel muss ein Garten also nicht perfekt gepflegt sein. Manchmal ist gerade ein bisschen Wildnis das, was ihm am meisten hilft.