10.03.2026 | 17:31
Naturschutz zum Anfassen: „Goldammereck“ in Kölschhausen offiziell eingeweiht
Naturschutzring Ehringshausen und Vogel- und Naturschutzfreunde Kölschhausen schaffen vielfältige Lebensräume für Insekten, Vögel und Reptilien

Tim Bernhard (Vorsitzender Vogel- und Naturschutzfreunde Kölschhausen e.V.), Dr. Dorothea Gillert-Marien, Frank Inderthal, Helmut Weller, Horst Zeidl, Jürgen Mock und Carmen Schäfer (Vorsitzende Vogel- und Naturschutzfreunde Kölschhausen e.V.). Foto: Lahn-Dill-Kreis
Noch liegt ein kühler Hauch über der Landschaft, während zwischen den Gehölzen erste Vögel ihre Reviere markieren. Sonnenstrahlen fallen auf Sandflächen, Totholzstapel und einen frisch aufgeschichteten Lesesteinhaufen – Strukturen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, bei genauerem Hinsehen jedoch wertvolle Lebensräume offenbaren. Inmitten dieser gewachsenen Vielfalt ist am vergangenen Donnerstag das Naturschutzmustergrundstück „Goldammereck“ in Kölschhausen offiziell eingeweiht worden. Mehr als 30 Akteurinnen und Akteure aus dem Naturschutz waren gekommen.
Initiiert wurde das Projekt vom Naturschutzring Ehringshausen e. V. (NRE), unterstützt von den Vogel- und Naturschutzfreunde Kölschhausen e. V. sowie gefördert durch den Lahn-Dill-Kreis aus naturschutzrechtlichen Ausgleichsmitteln, sogenannten Ersatzgeldern.
Seit mehreren Jahrzehnten setzen sich die beiden Vereine für den Erhalt und die Entwicklung kleiner Landschaftsbiotope in den Gemarkungen der Gemeinde Ehringshausen ein. Mit der Übernahme der Patenschaft für ein Gemeindegrundstück in der Feldflur von Ehringshausen-Kölschhausen durch den NRE entstand die Idee, dort beispielhafte und vergleichsweise einfach umsetzbare Naturschutzmaßnahmen zu bündeln – als konkrete Hilfe für Flora und Fauna und zugleich als anschauliches Informationsangebot für Besucherinnen und Besucher.
Das Grundstück eignet sich in besonderer Weise als Modellfläche: Es liegt unmittelbar neben dem Grill- und Zeltplatz von Kölschhausen. Auch die Waldgruppe der Kita Mullewapp, deren Domizil sich am Rand des Zeltplatzes befindet, kann das Gelände künftig regelmäßig nutzen. Kinder erhalten so die Möglichkeit, Kleinstbiotope hautnah zu erleben und ökologische Zusammenhänge unmittelbar kennenzulernen.
Im Juni 2025 wurde bei der Unteren Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises ein Förderantrag gestellt, dem zügig entsprochen wurde. Mit den bereitgestellten Mitteln konnten ein Lesesteinhaufen als Lebensraum insbesondere für Reptilien, ein Sandarium als Nisthilfe für Wildbienen, eine Insektenhilfswand sowie eine Informationstafel mit Holzgestell realisiert werden. Die Umsetzung erfolgte im zweiten Halbjahr 2025 und zu Beginn des Jahres 2026.
Darüber hinaus brachten die beteiligten Vereine – teils bereits vor Durchführung der aktuellen Arbeiten und teilweise durch Spenden finanziert – zahlreiche weitere Maßnahmen auf den Weg: Gepflanzt wurden klimaresiliente Gehölze und Bäume, die durch Blüten und Früchte zusätzliche Nahrungsquellen bieten. Es entstand ein umfangreiches Angebot an Nisthilfen für Vögel, ergänzt durch Totholz- und Reisighaufen, die von der Kinder- und Jugendgruppe „Die Wiesel“ des NRE angelegt wurden. Hinzu kommen Vogelfütterungsanlagen, darunter spezielle Bodenfütterungen für Goldammern und andere Arten, kleine „Käferkeller“, Ohrwurmhilfen sowie demonstrierte Schutzmaßnahmen gegen Waschbären an Vogelbrutbäumen. Eine spendenfinanzierte Tisch- und Bankgruppe am Rand des Grundstücks lädt Besucherinnen und Besucher zum Verweilen ein.
„Das Grundstück dient als Modellfläche für praktischen Artenschutz und soll zeigen, wie mit vergleichsweise einfachen Mitteln wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Arten geschaffen werden können“, betonte Helmut Weller vom Naturschutzring Ehringshausen e. V., der maßgeblich an Konzeption und Umsetzung beteiligt war. Weller hob zudem hervor, dass das Projekt nur als gemeinschaftliche Aktion der Akteurinnen und Akteure vor Ort ermöglicht werden konnte.
Auch Umweltdezernent Frank Inderthal würdigte das Engagement der Ehrenamtlichen und hob die Bedeutung solcher Projekte für die biologische Vielfalt im Kreis hervor. Dr. Dorothea Gillert-Marien von der Unteren Naturschutzbehörde unterstrich die fachliche Zielsetzung: Gerade in intensiv genutzten Feldfluren seien strukturreiche Kleinbiotope wichtige Trittsteine für zahlreiche Arten. Bürgermeister Jürgen Mock bekräftigte, dass Ehringshausen die Aktivitäten zugunsten der Natur weiterhin unterstützend begleiten möchte.
Mit der Entwicklung der Anlage wurde auch ein passender Name gefunden: Aufgrund des noch vergleichsweise häufigen Vorkommens der als typische Vogelart der Feldgemarkung geltenden Goldammer trägt das Eckgrundstück nun den Namen „Goldammereck“. Es steht sinnbildlich für das Anliegen des Projekts – den Erhalt und die Förderung charakteristischer Arten der heimischen Kulturlandschaft.
Weitere Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung sind bereits geplant und sollen das „Goldammereck“ in den kommenden Jahren Schritt für Schritt ergänzen.

