18.03.2026 | 10:18
Blumen ja, Torf nein – wie nachhaltiges Gärtnern Moore schützt
Untere Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises empfiehlt torffreie Blumenerde und klärt über Auswirkungen auf Natur und Klima auf

Die Untere Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises empfiehlt beim Gärtnern auf torffreie Blumenerde zu setzen. Foto: Lahn-Dill-Kreis
Mit den ersten warmen Tagen beginnt für viele Menschen im Lahn-Dill-Kreis die Gartensaison. Balkone werden bepflanzt, Blumenkästen neugestaltet und Kübel mit frischer Erde gefüllt. Doch was dabei oft übersehen wird: Die Wahl der Blumenerde hat nicht nur Einfluss auf das Pflanzenwachstum, sondern auch auf Umwelt und Klima.
Die Untere Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises (UNB) empfiehlt daher, beim Gärtnern möglichst auf torffreie Blumenerde zu setzen. Viele handelsübliche Blumenerden enthalten einen erheblichen Anteil an Torf. Dieser wird aus Mooren gewonnen, die dafür trockengelegt und abgebaut werden. Dadurch verlieren diese besonderen Landschaften ihre wichtige Funktion – sowohl als natürlicher Kohlenstoffspeicher als auch als Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.
„Moore zählen zu den effektivsten Kohlenstoffspeichern der Erde. Auf einem Hektar können sie rund 700 Tonnen Kohlenstoff binden – etwa sechsmal so viel wie Wälder“, erklärt Dr. Dorothea Gillert-Marien von der UNB. Obwohl Moore weltweit nur etwa drei Prozent der Landfläche bedecken, speichern sie rund ein Drittel des gesamten im Boden gebundenen Kohlenstoffs. Wird Torf abgebaut, werde ein großer Teil dieses Kohlenstoffs als Treibhausgas freigesetzt und trage zur Erwärmung der Atmosphäre bei. „Gleichzeitig gehen wertvolle Lebensräume verloren. Viele seltene Arten sind auf Moore angewiesen, darunter der Sonnentau, der Moorfrosch, die Bekassine oder das Birkhuhn“, so Gillert-Marien weiter.
Auch in Deutschland seien die Folgen deutlich sichtbar: Rund 95 Prozent der Moore gelten inzwischen als geschädigt. Statt Kohlenstoff zu speichern, geben diese Flächen heute Treibhausgase an die Atmosphäre ab.
Nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises kann bereits eine kleine Veränderung im Alltag helfen, diese Entwicklung zu bremsen: Beim Einkauf sollte gezielt auf torffreie Blumenerde geachtet werden. Ein genauer Blick auf die Verpackung lohnt sich dabei. Nur wenn dort eindeutig „torffrei“ angegeben ist, enthält die Erde keinen Torf. Begriffe wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ bedeuten hingegen, dass weiterhin Torf enthalten ist.
Wer einen eigenen Garten hat, kann außerdem selbst erzeugten Kompost als Bestandteil von Blumenerde nutzen. Das spart Ressourcen und unterstützt einen nachhaltigen Nährstoffkreislauf.
„Mit dem Verzicht auf Torf im eigenen Blumenkasten kann jede Bürgerin und jeder Bürger einen Beitrag zum Schutz unserer Lebensbedingungen leisten“, erklärt Naturschutzdezernent und Vize-Landrat Frank Inderthal. „Schon kleine Entscheidungen im Alltag helfen dabei, wertvolle Moorlandschaften zu bewahren und den ökologischen Fußabdruck zu verringern.“ Der Griff zu torffreier Blumenerde sei damit ein einfacher Schritt, mit dem Natur- und Klimaschutz direkt vor der eigenen Haustür zu beginnen.

