29.04.2026 | 09:13
Zukunft der Lahnauen im Dialog gestalten
Informationsveranstaltung in Solms bringt Landwirtschaft, Verwaltung und Naturschutz an einen Tisch – Projekt „LiLa – Living Lahn“ setzt auf gemeinsame Lösungen für die Region

Visualisierte Skizzierung einer möglichen Umsetzung. Foto: Lahn-Dill-Kreis
Wie kann die Lahn ökologisch aufgewertet werden, ohne die wirtschaftliche Grundlage landwirtschaftlicher Betriebe zu gefährden? Diese Frage prägte am Dienstagabend (21. April 2026) eine Informationsveranstaltung in der Taunushalle in Burgsolms.
Mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – darunter zahlreiche Landwirte aus dem Lahn-Dill-Kreis und dem Landkreis Gießen – folgten der Einladung des Lahn-Dill-Kreises und nutzten die Gelegenheit zum Austausch.
Im Mittelpunkt stand das Projekt „LiLa – Living Lahn“, das als Modellvorhaben für die Renaturierung von Fluss- und Auenlandschaften gilt. Ziel ist es, im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ die ökologische Qualität der Lahn zu verbessern, Biotopverbünde zu schaffen und zugleich die Nutzung als Erholungsraum zu stärken.
Der Erste Kreisbeigeordnete Frank Inderthal eröffnete die Veranstaltung und ordnete die Dimension des Vorhabens ein: „Die Entwicklung der Lahn ist ein Generationenprojekt, das nur im offenen Dialog mit allen Beteiligten gelingen kann.“ Transparenz und Beteiligung seien dabei zentrale Voraussetzungen.
Vertreterinnen und Vertreter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Mosel-Saar-Lahn, des hessischen Landwirtschafts- und Umweltministeriums sowie des beauftragten Planungsbüros stellten den aktuellen Arbeitsstand vor.
Demnach wird die Lahn abschnittsweise betrachtet. Für jeden Abschnitt werden verschiedene Renaturierungsszenarien entwickelt, miteinander verglichen und auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet. Aspekte wie Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Naturschutz sowie Freizeit und Tourismus fließen gleichberechtigt in die Abwägung ein.
In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere aus den Reihen der Landwirtschaft deutliche Bedenken geäußert. Viele Betriebe sehen durch mögliche Maßnahmen einen Verlust wertvoller Auenflächen. Diese Flächen gelten als besonders ertragreich und sind für die Futterversorgung von großer Bedeutung.
Die Projektverantwortlichen betonten, dass sich die Planungen derzeit noch in einem frühen Stadium befinden. Es handele sich ausdrücklich um mögliche Varianten und nicht um verbindliche Festlegungen. Konkrete Entscheidungen würden erst in späteren Planfeststellungsverfahren getroffen, in denen die betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer umfassend beteiligt werden.
Ein weiterer Meilenstein ist bereits geplant: Im November 2026 soll in Limburg an der Lahn ein Gesamtkonzept vorgestellt werden, das sogenannte „Lahnkonzept“. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen „Lahn-Deklaration“ durch Bund und Länder soll anschließend der politische Startschuss für die Umsetzung erfolgen.
Bis zur Realisierung konkreter Maßnahmen wird jedoch noch Zeit vergehen. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen erstreckt sich der Umsetzungsprozess über mehrere Jahrzehnte – ein Zeitraum von 50 bis 70 Jahren wird veranschlagt.
Die Veranstaltung in Solms machte deutlich, dass die Entwicklung der Lahnauen ein langfristiger Prozess ist, der nur im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen gelingen kann. Der Dialog zwischen Landwirtschaft, Verwaltung und Naturschutz dürfte dabei auch künftig eine zentrale Rolle spielen.

