12.05.2026 | 07:22
Kreisspitze informiert über Finanzen, Investitionen und Zukunftsthemen im Lahn-Dill-Kreis
Landrat Braun und Kreisbeigeordnete berichten über kommunale Haushalte, Schulprojekte, Wirtschaftsförderung und aktuelle Entwicklungen in der Region

In der Ersten Sitzung des neu gewählten Kreistags berichtete die Kreisspitze über kommunale Haushalte, Schulprojekte, Wirtschaftsförderung und aktuelle Entwicklungen in der Region. Foto: Lahn-Dill-Kreis
Im Rahmen der konstituierenden Kreistagssitzung am 11. Mai 2026 informierten Landrat Carsten Braun, der Erste Kreisbeigeordneter Frank Inderthal sowie die Hauptamtliche Kreisbeigeordnete Dr. Rebecca Neuburger-Hees über aktuelle Entwicklungen im Lahn-Dill-Kreis.
Im Mittelpunkt der Ausführungen von Carsten Braun standen die Entwicklungen der kommunalen Finanzlage in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verzeichneten die kommunalen Kern- und Extrahaushalte im Jahr 2025 ein Rekorddefizit von 31,9 Milliarden Euro, der höchste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung. Die Ausgaben der Kommunen seien erneut deutlich stärker gestiegen als die Einnahmen. Besonders hohe Belastungen entstehen durch steigende Personalausgaben wegen Tariferhöhungen und Personalaufbau sowie Sozialausgaben unter anderem für Eingliederungshilfen und Kinder- und Jugendhilfen.
Braun machte deutlich, dass sich diese Entwicklung zunehmend auch im Lahn-Dill-Kreis bemerkbar mache. Bereits ab 2026 könne unter anderem die Oranienstadt Dillenburg ihren Ergebnishaushalt nicht mehr durch Rücklagen ausgleichen. Vergleichbare Entwicklungen zeichneten sich auch in anderen Kommunen des Kreises ab. Ohne strukturelle Veränderungen werde das Haushaltsdefizit im kommunalen Bereich weiter steigen.
Zwischen den Kreistagssitzungen wurden im Kreisausschuss zudem zahlreiche Investitions- und Bauprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 24,9 Millionen Euro beschlossen beziehungsweise fortgeführt. Einen Schwerpunkt bildeten dabei Schulbau- und Sanierungsmaßnahmen im gesamten Kreisgebiet. Zu den größten Projekten zählen der Ersatzneubau an der Friedrich-Fröbel-Schule in Wetzlar mit Auftragsvergaben und Erweiterungen von insgesamt mehr als 21 Millionen Euro sowie umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an der Gewerblichen Schule Dillenburg, der Johann-von-Nassau-Schule in Dillenburg, der Lahntalschule in Lahnau-Atzbach und der Wetzbachtalschule in Wetzlar-Nauborn. Darüber hinaus wurden Mittel für die Erweiterung der Schadstoffsanierung und Abbrucharbeiten am ehemaligen Schulzentrum Theodor-Heuss-/Käthe-Kollwitz-Schule in Wetzlar sowie für die Schulhoferweiterung an der Grundschule Burgsolms bereitgestellt. Auch die Weiterleitung eines Darlehens aus dem Hessischen Investitionsfonds an die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Schule in freier Trägerschaft wurde beschlossen.
Neben den finanziellen Herausforderungen berichtete Braun aus dem Bereich der Wirtschaftsförderung. Hervorgehoben wurden unter anderem Unternehmensbesuche bei der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn sowie beim Unternehmen Eiszeit in Herborn-Uckersdorf. Beide Betriebe stünden beispielhaft für Innovationskraft, unternehmerischen Mut, erfolgreiche Weiterentwicklung im Lahn-Dill-Kreis und die notwendige Transformation.
Zudem klärte der Landrat über neue Initiativen zur Fachkräftesicherung auf. Mit dem erstmals durchgeführten „Zukunftsbus“ erhielten Ausbildungssuchende direkte Einblicke in regionale Unternehmen und Einrichtungen. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer sowie weiteren Partnern arbeite der Kreis intensiv daran, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts langfristig zu stärken.
Auch der Tourismus spielte in den Berichten eine wichtige Rolle. Mit einem neuen Beratungsformat für Tourismusbetriebe sowie dem „Runden Tisch Tourismus Lahn“ sollen die touristische Entwicklung des Lahntals und die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Naturschutz und Wirtschaft weiter vorangebracht werden.
Erster Kreisbeigeordneter Frank Inderthal berichtete über die erfolgreiche Kreditaufnahme des Kreises in Höhe von rund 42,9 Millionen Euro. Die Darlehen wurden bei der Investitionsbank Berlin mit Laufzeiten von fünf beziehungsweise zehn Jahren abgeschlossen. Ziel sei eine ausgewogene Verteilung des Zinsänderungsrisikos.
Darüber hinaus zog Inderthal eine positive Zwischenbilanz zur neuen Nutzungsordnung der kreiseigenen Sporthallen. Besonders die erweiterten Nutzungszeiten in den Ferien würden von Vereinen und Nutzern sehr gut angenommen. Auch die erstmals angebotenen Infektionsschutzbelehrungen für Ehrenamtliche seien auf große Resonanz gestoßen und innerhalb kürzester Zeit ausgebucht gewesen.
Im Gesundheitsbereich kündigte Inderthal die Gesundheitskonferenz am 9. Juni 2026 im Johanneum-Gymnasium in Herborn an. Unter dem Motto „Aktiv und gesund älter werden – miteinander für mehr soziale Teilhabe im Lahn-Dill-Kreis“ sollen hier Strategien für gesundes Altern und gesellschaftliche Teilhabe diskutiert werden.
Weiterhin berichtete er über das Projekt „LiLa – Living Lahn“. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung in Solms-Burgsolms wurden landwirtschaftliche Betriebe über mögliche Renaturierungsmaßnahmen entlang der Lahn informiert. Vertreter des Landes betonten dabei, dass sich die bisherigen Planungen noch in einem konzeptionellen Stadium befänden.
Im Bereich der Flüchtlingsunterbringung unterrichtete Dr. Rebecca Neuburger-Hees über die aktuelle Situation im Kreis. Ende April waren im Lahn-Dill-Kreis insgesamt 2.352 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, darunter 622 Personen aus der Ukraine. Zudem berichtete sie über den geplanten Rechtskreiswechsel ukrainischer Geflüchteter sowie über die Reform des Bürgergeldes, das künftig unter der Bezeichnung „Grundsicherungsgeld“ geführt werden soll. Zur Bekämpfung von Leistungsmissbrauch werde das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill ab Juli 2026 ein eigenes Team einsetzen, das Aufgaben und Ressourcen in diesem Bereich bündelt.

