19.05.2026 | 15:09
Wie individuelle Unterstützung neue berufliche Perspektiven schafft: Vom Wohnzimmerbetrieb zum inklusiven Arbeitgeber
Teilhabechampion des Monats April: Marcus Krämer ITK-Systeme aus Solms für gelebte Inklusion ausgezeichnet

Im April bekam die Jury des Teilhabechampions vor Ort einen Einblick in das Unternehmen und überreichte die Auszeichnung. v. l. n. r.: Jessica Schaaf (Wirtschaftsförderung Lahn-Dill-Kreis), Jenny Truhöl (HWK), Claudia Wagner (IHK), Katharina Didlapp (Bürgermeisterin Solms), Marcus Krämer, Dirk Köhler (AA), Katrin Köpge und Monika Mundt (EAA). Foto: Lahn-Dill-Kreis
Was 2017 als Nebenerwerb im Wohnzimmer begann, ist heute ein wachsendes Unternehmen im IT und TK-Bereich mit Sitz in Solms: Geschäftsführer Marcus Krämer baute seinen Betrieb Schritt für Schritt aus und beschäftigt inzwischen drei Angestellte sowie einen Minijobber. Besonders wichtig ist ihm dabei nicht nur die fachliche Entwicklung seines Unternehmens, sondern auch ein Arbeitsumfeld, das individuelle Stärken fördert und flexible Wege ermöglicht. Für das inklusive Arbeitsumfeld wurde Marcus Krämer ITK-Systeme als Teilhabechampion im April ausgezeichnet.
Ein Beispiel für Teilhabe ist die Zusammenarbeit mit Katrin Köpge, die seit März 2025 Teil des Teams ist. Sie kam über den zweiten Bildungsweg zu Marcus Krämer ITK-Systeme. Ursprünglich studierte sie Gymnasiallehramt im Fremdsprachenbereich. Aufgrund einer chronischen Erkrankung während des Referendariats konnte Frau Köpge das 2. Staatsexamen nicht abschließen. Sie wurde daraufhin als erwerbsunfähig eingestuft und erhielt Erwerbsminderungsrente. Katrin Köpge berichtet: „Ich hatte schon immer eine große Leidenschaft für Sprachen und zugleich eine Affinität zu kreativen und gestalterischen Bereichen. Alles, was mir kreative Entfaltung ermöglicht, bereitet mir große Freude. So bin ich schließlich auf die Umschulung zur Grafikdesignerin gekommen.“
Für sie stand fest: Ich will beruflich aktiv bleiben. Köpge erzählt: „Ich wollte mit Anfang 30 nicht einfach nur zuhause sitzen. Deshalb habe ich eigeninitiativ ein Jahrespraktikum in einem Reisebüro gemacht, um herauszufinden, ob ich drei Stunden täglich arbeitsfähig bin. Das hat funktioniert. Über die Deutsche Rentenversicherung Bund und das BWHW bin ich dann während der Pandemie auf die Möglichkeit eines Fernstudiums zur Grafikdesignerin aufmerksam geworden. Mit der Unterstützung von Herrn Krämer konnte ich während meines Fernstudiums praktische Erfahrungen im Betrieb sammeln. Auch die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter der Institutionen haben mich begleitet und unterstützt. Dadurch konnte ich mein Bachelorstudium im März 2025 erfolgreich abschließen.“
Marcus Krämer betont: „Es ist schön, dass es Möglichkeiten für Umwege im Berufsleben gibt und dass diese mit Unterstützung der Institutionen gegangen werden können. Ich bin sehr dankbar, dass wir Frau Köpge für unseren Betrieb gewinnen konnten. Durch ihre Expertise können wir nun unter anderem die Erstellung von Corporate Designs sowie Print- und Webdesign anbieten und so unser Angebot deutlich erweitern.“ Darüber hinaus begleitet Katrin Köpge Schülerpraktikantinnen und -praktikanten im Betrieb.
Im Unternehmen legt der Geschäftsführer großen Wert auf ein harmonisches Arbeitsklima sowie darauf, die individuellen Stärken der Mitarbeitenden zu fördern. Deshalb besteht die Möglichkeit einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Für Katrin Köpge eine echte Arbeitsentlastung im Alltag: „Am Anfang der Woche merke ich oft, dass ich sehr viel Energie habe, die aber mit der Zeit nachlässt. Deshalb hilft es mir sehr, meine Arbeitszeit flexibel gestalten zu können. Wenn es mir einmal nicht so gut geht, kann ich im Homeoffice arbeiten. Herr Krämer unterstützt mich außerdem dabei, meinen Sport wahrzunehmen. Die Zeit kann ich entsprechend nacharbeiten.“
Die Solmser Bürgermeisterin Katharina Didlapp ergänzte abschließend: „Gerade diese Berufe brauchen mehr Sichtbarkeit – besonders für junge Frauen, die vielleicht nicht sofort an Grafikdesign oder die IT-Branche denken. Deshalb ist es wertvoll, dass Sie hier einen Beitrag leisten.“

