08.06.2026 | 14:10

„In Solms wird deutlich: Vor-Ort-Apotheken stehen unter Druck und bleiben dennoch unverzichtbar“

Beim Besuch der Kreis-Wirtschaftsdelegation in der Lahntal-Apotheke standen Fachkräftemangel, Wettbewerbsbedingungen und die Zukunft der wohnortnahen Gesundheitsversorgung im Mittelpunkt

Jessica Schaaf (Kreis-Wirtschaftsförderung), Harald Dann, Katharina Didlapp und Carsten Braun tauschen sich mit Anke Senzel aus. Foto: Philip Gerhardt

Jessica Schaaf (Kreis-Wirtschaftsförderung), Harald Dann, Katharina Didlapp und Carsten Braun tauschen sich mit Anke Senzel aus. Foto: Philip Gerhardt

Versorgungssicherheit im ländlichen Raum: Besuch in der Lahntal-Apotheke Solms. Welche Herausforderungen die Apotheken vor Ort derzeit bewegen, stand im Mittelpunkt eines Unternehmensbesuchs in der Lahntal-Apotheke in Solms. Gemeinsam mit Solms‘ Bürgermeisterin Katharina Didlapp, Landrat Carsten Braun, Prof. Dr. Harald Danne, Leiter des Geschäftsbereichs Transformation und strategische Entwicklung des Lahn-Dill-Kreises, sowie der Kreis-Wirtschaftsförderung tauschte sich Inhaberin Anke Senzel über die aktuelle Situation der Branche aus.

Die Lahntal-Apotheke beschäftigt 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung in der Region. Im Gespräch wurde deutlich, dass Apotheken weit mehr als reine Ausgabestellen für Medikamente sind. Neben der Arzneimittelversorgung übernehmen sie wichtige Beratungsaufgaben und stehen den Menschen häufig als erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen zur Verfügung.

Ein besonderer Vorteil der Vor-Ort-Apotheken sei die schnelle Verfügbarkeit von Medikamenten. Wie Anke Senzel erläuterte, wird die Apotheke täglich fünfmal beliefert. Dadurch könnten benötigte Arzneimittel oftmals noch am selben Tag bereitgestellt werden. Gerade im ländlichen Raum ist dies ein wichtiger Vorteil gegenüber Versandapotheken.

„Die wohnortnahe Arzneimittelversorgung ist ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge. Apotheken sorgen dafür, dass Menschen schnell und zuverlässig die Medikamente erhalten, die sie benötigen. Dieser persönliche Service kann durch digitale Angebote allein nicht ersetzt werden“, betonte Landrat Carsten Braun.

Kritisch äußerte sich Senzel zur Wettbewerbssituation mit Versandapotheken. Ein Problem sei die fehlende Preisbindung bei einigen Anbietern mit Sitz im europäischen Ausland. Dadurch entstünden Wettbewerbsnachteile für die stationären Apotheken in Deutschland. „In Solms wird deutlich: Vor-Ort-Apotheken stehen unter Druck und bleiben dennoch unverzichtbar“, fährt Braun fort.

Raum nahm auch die Fachkräftesituation ein. Seit Jahren falle es zunehmend schwer, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Als Ursachen nannte Senzel unter anderem die begrenzte Zahl an Studienplätzen und die hohen Zulassungshürden. Die Zulassungsvoraussetzungen stellen für viele Interessierte eine kaum überwindbare Hürde dar. Stattdessen könne ein längeres Praktikum in einer medizinischen Einrichtung dabei helfen, Motivation und Eignung besser zu beurteilen. Zudem müssten ausländische Fachkräfte schneller und unbürokratischer in den Arbeitsmarkt integriert werden.

„Wir müssen in unseren Strukturen offener werden und Wege finden, qualifizierte Menschen schneller in Beschäftigung zu bringen. Gerade im Gesundheitswesen können wir es uns nicht leisten, vorhandene Potenziale ungenutzt zu lassen“, erklärte Landrat Braun.

Bürgermeisterin Katharina Didlapp unterstrich die Bedeutung der Apotheke für die Stadt Solms: „Die Lahntal-Apotheke ist ein wichtiger Bestandteil unserer örtlichen Infrastruktur. Solche Einrichtungen tragen wesentlich zur Lebensqualität und Attraktivität unserer Kommunen bei.“ Prof. Dr. Harald Danne erläuterte die enorme Bedeutung für die Wirtschaft: „Eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung ist ein wichtiger Standortfaktor. Unternehmen, Fachkräfte und Familien erwarten eine verlässliche medizinische Infrastruktur. Deshalb nehmen wir die Herausforderungen der Brache ernst.“

Mit Blick auf die jüngst vom Bundestag beschlossene Apothekenreform äußerte Anke Senzel den Wunsch, den Apotheken bei der Umsetzung der vorgesehenen Neuerungen ausreichend Handlungsspielräume einzuräumen. Aus ihrer Sicht sollten die Betriebe selbst entscheiden können, ob und in welchem Umfang einzelne Maßnahmen umgesetzt werden. Ihrer Meinung nach würde es allen Apotheken helfen, wenn die im Koalitionsvertrag bereits versprochene und bisher nicht umgesetzte Anhebung der Vergütung ihrer Kernaufgabe, nämlich der ordnungsgemäßen  Abgabe von insbesondere verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, welche seit 12 Jahren nicht angepasst wurde, endlich der heutigen wirtschaftlichen Situation entsprechend angepasst würde. „Denn auch Apotheken kämpfen mit gestiegenen Kosten, zum Beispiel für Personal und Energie. Und engagiertes und damit auch zu Recht gut bezahltes Personal sind der Schlüssel zu einer guten Dienstleistung am Kunden“, davon ist Anke Senzel überzeugt.

Der Unternehmensbesuch verdeutlichte einmal mehr die zentrale Bedeutung der Apotheken für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Gleichzeitig wurde deutlich, dass insbesondere bei der Fachkräftegewinnung und den regulatorischen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf besteht, um die wohnortnahe Versorgung auch künftig sicherzustellen. Mit engagierten Unternehmerinnen wie Anke Senzel und einem starken Team vor Ort ist die Lahntal-Apotheke jedoch ein gutes Beispiel dafür, wie Gesundheitsversorgung auch in Zukunft erfolgreich gestaltet werden kann.