26.08.2026 | 06:48
Finanzhilfe für Betroffene der schweren Unwetterschäden beantragt
Lahn-Dill-Kreis stellt in Abstimmung mit der Stadt Wetzlar und der Stadt Solms einen Antrag auf Unterstützung bei der Behebung der schweren Sturmschäden

Die Aufräumarbeiten laufen, die Schäden sind noch längst nicht überall beseitigt. Foto: Pro-Content
Die Aufräumarbeiten laufen, die Schäden sind noch längst nicht überall beseitigt: Nach dem schweren Unwetter in der Nacht zum 20. August wollen der Lahn-Dill-Kreis, die Stadt Wetzlar und die Stadt Solms den besonders betroffenen Bürgerinnen und Bürgern eine weitere Perspektive eröffnen. Der Kreis hat daher in Absprache mit den beiden Städten beim Land Hessen den fristgebundenen Antrag auf Einleitung einer Finanzhilfeaktion für die Unwettergeschädigten gestellt, die erforderliche Genehmigung des Kreistages zu dem Vorgehen ist für den 31. August vorgesehen.
Vor allem Wetzlar-Münchholzhausen und Solms-Oberndorf waren von den schweren Sturm- und Tornadoerscheinungen getroffen worden. Dächer wurden abgedeckt, Fassaden und Fenster beschädigt, Bäume stürzten auf Gebäude und Grundstücke. In einzelnen Fällen sind Häuser derzeit nicht bewohnbar, teilweise besteht sogar Einsturzgefahr.
Wie groß der Gesamtschaden ist, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beziffern. Die Kommunen erfassen weiterhin die Schäden, auch Versicherungen und andere Stellen sind mit der Aufnahme beschäftigt. Nach den bisherigen Erkenntnissen sind jedoch zahlreiche private Haushalte erheblich betroffen.
Für die Eigentümer geht es dabei nicht nur um Sachschäden. Wo Dächer gesichert, Gebäude notdürftig repariert oder Wohnungen wieder bewohnbar gemacht werden müssen, entstehen innerhalb kürzester Zeit hohe Kosten. Hinzu kommen möglicherweise Kosten für eine vorübergehende Unterbringung. Nicht alle Schäden sind durch Versicherungen abgedeckt oder werden vollständig ersetzt.
Kreis kann Hilfen nicht selbst bewilligen
Der Lahn-Dill-Kreis will deshalb den Weg für staatliche Unterstützung durch das Land Hessen öffnen. Grundlage ist die Richtlinie für die Gewährung staatlicher Finanzhilfen bei Elementarschäden.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Der Lahn-Dill-Kreis beantragt die Finanzhilfeaktion, er entscheidet aber nicht über die Gewährung und Auszahlung der Gelder. Ob eine solche Hilfe eingerichtet wird, welche Voraussetzungen gelten, welche Betroffenen antragsberechtigt sind und wie hoch eine mögliche Unterstützung ausfällt, entscheidet das Land Hessen.
Landrat Carsten Braun sieht den Kreis dennoch in der Pflicht, die Interessen der Betroffenen gegenüber dem Land deutlich zu machen. „Für viele Menschen geht es nicht um einen kleinen Schaden, sondern um die Sicherung ihres Zuhauses und teilweise um die Frage, wie sie die nächsten Wochen und Monate finanziell bewältigen können“, sagt Braun. Eine staatliche Unterstützung könne deshalb einen wichtigen Beitrag leisten, um besonders schwere und existenzbedrohende Folgen des Unwetters abzufedern.
Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner betont zugleich die große Solidarität in der Bevölkerung: „Die Hilfsbereitschaft der Mitbürgerinnen und Mitbürger ist bewundernswert. Viele haben sofort angepackt und den Betroffenen geholfen. Aber auch diese Hilfsbereitschaft stößt irgendwann an Grenzen. Bei denjenigen, die besonders schwer getroffen wurden, sind deshalb weitergehende Hilfen erforderlich.“
Die Städte Wetzlar und Solms unterstützen den Antrag des Kreises. Beide Kommunen sind selbst mit der Aufnahme und Bewältigung der Schäden beschäftigt. Aus den Einsatztagebüchern der beteiligten Rettungskräfte wurde für beide Städte bereits eine erste Übersicht der bekannten Schadenstellen zusammengestellt.
Die Solmser Bürgermeisterin Katharina Didlapp verweist dabei auch auf die große Unterstützung unmittelbar nach dem Unwetter: „An dieser Stelle möchte ich nochmals allen Einsatzkräften sowie den vielen Bürgerinnen und Bürgern danken, die sofort mit angepackt und damit die erste Not gelindert haben. Diese Unterstützung war und ist für die Betroffenen von unschätzbarem Wert. Gleichzeitig zeigt das Ausmaß der Schäden, dass die Solidarität der Menschen allein nicht ausreichen kann und zusätzliche finanzielle Unterstützung notwendig ist.“
Schadensbilanz noch nicht abgeschlossen
Noch ist offen, wie viele Haushalte letztlich von einer möglichen Finanzhilfe profitieren könnten. Auch über die konkrete Höhe möglicher Zahlungen gibt es bislang keine Aussagen. Letztlich liegt der Ball beim Land Hessen.
Für die Betroffenen bedeutet der Antrag zunächst noch keine bewilligte finanzielle Unterstützung. Vielmehr soll er – vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistages – die Voraussetzung dafür schaffen, dass das Land Hessen eine Finanzhilfeaktion für die vom Unwetter besonders schwer betroffenen Menschen im Lahn-Dill-Kreis einleiten kann.
Kreis, Wetzlar und Solms hoffen angesichts der außergewöhnlichen Schadenslage auf eine schnelle Entscheidung. Denn während die politische Entscheidung noch aussteht, müssen viele Betroffene längst handeln: Dächer müssen gesichert, Schäden beseitigt und beschädigte Häuser wieder bewohnbar gemacht werden.

