12.03.2026 | 11:52
400 Jahre Zukunft: Glocken- und Kunstgießerei Rincker verbindet Tradition und Transformation
Wirtschaftsdelegation des Lahn-Dill-Kreises besucht Familienunternehmen in Sinn – älteste Glockengießerei Europas setzt auf Innovation, Nachwuchs und internationale Märkte

Die Kreis-Wirtschaftsdelegation bestaunte die Handwerkskunst des 400 Jahre alten Traditionsunternehmens. V. l. n. r.: Andreas Haberl, Geschäftsführer Handwerkskammer Wiesbaden; Prof. Dr. Harald Danne, Leitung Geschäftsbereich Transformation und strategische Entwicklung; Jessica Crone, Geschäftsführerin Operativ Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar; Johannes Volkmann,Kreistagsvorsitzender;Fritz Georg Rincker, Geschäftsführer Glocken- und Kunstgießerei Rincker GmbH & Co. KG; Carsten Braun, Landrat; Steffen Thiel, Justiziar Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill; Saskia Kuhl, Bereichsleiterin Standortpolitik Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill; Michael Krenos, Bürgermeister Gemeinde Sinn; Kim Marie Dern, Fachbereichsleitung Wirtschaftsförderung und Tourismus. Foto: Silas Koch Fotografie
Handwerk mit jahrhundertealter Tradition und gleichzeitigem Blick nach vorn: Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn hat bei einem Besuch der Wirtschaftsdelegation des Lahn-Dill-Kreises eindrucksvoll gezeigt, wie sich das Familienunternehmen über Generationen hinweg immer wieder neu erfindet. Landrat Carsten Braun und Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung erhielten dabei Einblicke in die Arbeit eines der traditionsreichsten Handwerksbetriebe Deutschlands.
Die Glocken- und Kunstgießerei befindet sich seit mindestens 1590 in Familienbesitz und gilt als ältestes Unternehmen seiner Art in Europa. Heute wird der Betrieb in der 13. Generation geführt. Gleichzeitig steht bereits die nächste Generation bereit: Zwei Kinder von Geschäftsführer Fritz Georg Rincker sind bereits im Unternehmen tätig und bereiten den Übergang in die 14. Generation der Glockengießerfamilie vor.
Vom Modellbau bis zur Montage
Während eines Rundgangs durch die Produktionsbereiche stellte das Unternehmen seine gesamte Wertschöpfungskette vor – vom Modellbau über den Bronzeguss bis hin zur Montage von Glocken, Glockenspielen, Turmuhren und moderner Läutetechnik. Ergänzt wird das Portfolio durch Kunstgussarbeiten in verschiedenen Metallen, Restaurierungen historischer Anlagen sowie den Einsatz moderner Technologien wie 3D-Druck im Modellbau für komplexe Formen.
Besonders beeindruckte die Delegation die Verbindung aus jahrhundertealten Verfahren und moderner Technologie. Der eigentliche Glockenguss basiert auf einem über tausend Jahre alten Verfahren, das bis heute als qualitativ beste Methode gilt. Gleichzeitig setzt das Unternehmen digitale Modellierungsverfahren, moderne Messtechnik und innovative Fertigungsschritte ein.
„Unser Handwerk lebt von Erfahrung – aber auch davon, offen für Neues zu bleiben“, erläuterte Geschäftsführer Fritz Georg Rincker. „Seit Generationen geben wir unser Wissen in der Familie weiter. Dass nun bereits die nächste Generation Verantwortung übernimmt, ist für uns ein starkes Signal. Der Beruf hat schließlich immer auch etwas mit Berufung zu tun.“
Branche steht vor strukturellen Herausforderungen
Trotz ihrer außergewöhnlichen Tradition steht die Branche vor strukturellen Herausforderungen. Die Zahl der Mitbewerber nimmt seit Jahren ab, der Markt ist insgesamt klein und langlebige Produkte wie Glocken sorgen naturgemäß für eine begrenzte Nachfrage. Zusätzlich wirken sich die demografische Entwicklung sowie der zunehmende Mangel an qualifizierten Fachkräften aus, die das Unternehmen vor wachsende personelle Herausforderungen stellen. Gleichzeitig steigen Anforderungen durch Energiepreise, regulatorische Rahmenbedingungen und globale Lieferketten.
Rincker begegnet diesen Entwicklungen mit einem breiten Leistungsportfolio und einem starken Servicebereich. Mehr als 3.500 Wartungsverträge für Glockenanlagen, Turmuhren und technische Einrichtungen bilden inzwischen ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des Unternehmens. Zudem investiert der Betrieb gezielt in Ausbildung und Fachkräfteentwicklung.
„Es gibt keine Probleme, sondern nur Aufgaben verschiedener Schwierigkeitsgrade“, betonte Rincker. „Gerade in Zeiten wachsender regulatorischer Anforderungen und steigender Energiekosten ist es wichtig, dass Politik und Wirtschaft Herausforderungen offen ansprechen und gemeinsam Lösungen entwickeln.“
Landrat Carsten Braun würdigte das Unternehmen als herausragendes Beispiel für die wirtschaftliche Stärke und die traditionsreiche Handwerkskultur des Lahn-Dill-Kreises. „Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker zeigt eindrucksvoll, wie über Generationen hinweg Werte, Wissen und Verantwortung weitergegeben werden“, betonte Braun. „Dass ein Familienunternehmen seit mehr als vier Jahrhunderten besteht und zugleich bereits die nächste Generation Verantwortung übernimmt, ist ein starkes Zeichen für unternehmerische Kontinuität und die besondere Qualität unseres Wirtschaftsstandorts.“
Prof. Dr. Harald Danne, Leiter des Geschäftsbereichs Transformation und strategische Entwicklung des Lahn-Dill-Kreises, hob vor allem die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens hervor. „Rincker steht exemplarisch für gelebte Transformation. Die Fähigkeit, traditionelle Handwerkskunst mit neuen Technologien und veränderten Marktanforderungen zu verbinden, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.“
Familienunternehmen erfolgreich in einem globalen Markt
Mit aktuell 22 Mitarbeitenden, internationalen Projekten und einer starken handwerklichen Spezialisierung behauptet sich das Familienunternehmen erfolgreich in einem globalen Markt. Glocken aus Sinn sind weltweit im Einsatz – in Europa ebenso wie in Asien, Afrika oder Amerika.
Für die Wirtschaftsdelegation des Lahn-Dill-Kreises war der Besuch damit nicht nur ein Blick in die Geschichte des Handwerks, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Transformation über Generationen hinweg gelebt werden kann. Oder, wie es Geschäftsführer Fritz Georg Rincker formulierte: „Wir arbeiten mit einem Verfahren, das über tausend Jahre alt ist – und entwickeln unser Unternehmen trotzdem jeden Tag weiter.“





