24.08.2026 | 13:13
Handwerk, Hightech und Spitzensport aus dem Lahn-Dill-Kreis
Wirtschaftsdelegation um Landrat Carsten Braun besucht Matthias Hartmann Orthopädie + Sport GmbH in Eschenburg

Daniel Hartmann und Carsten Braun tauschen sich während des Rundgangs aus. Foto: Philip Gerhardt
Von der kleinen Werkstatt zum weltweit anerkannten Spezialisten für orthopädisches Schuhwerk: Die vor 35 Jahren gegründete Matthias Hartmann Orthopädie + Sport GmbH hat sich in den letzten Jahrzenten kontinuierlich weiterentwickelt und verbindet heute klassisches Orthopädieschuhmacher-Handwerk mit modernster Diagnostik, Sport- und Bewegungswissenschaften sowie innovativen Fertigungsprozessen.
Das Schuhmacher-Handwerk ist bereits seit mehreren Generationen in der Familie Hartmann verankert. 1991 wagte Matthias Hartmann dann den Schritt in die Selbstständigkeit und legte auf 35 Quadratmetern den Grundstein für das heutige Unternehmen. „Dass sich unsere Geschäftsfläche in den letzten 35 Jahren mehr als verhundertfacht hat, war damals nicht abzusehen, zeigt aber, zu was gute Handwerksleistung fähig ist“, berichtet Geschäftsführer Matthias Hartmann mit einem Augenzwinkern zu Beginn des Unternehmensbesuchs der Wirtschaftsdelegation des Lahn-Dill-Kreises um Landrat Carsten Braun. Mit Daniel und Lukas Hartmann ist zudem bereits die nächste Generation für die Fortführung des orthopädischen Schuhmacher-Handwerks im Unternehmen aktiv.
Vom orthopädischen Handwerk bis zum Handwerk für den Spitzensport
Das Leistungsspektrum des Unternehmens reicht von orthopädischen Maßschuhen und individuell gefertigten Einlagen über Bandagen, Orthesen und Kompressionsversorgungen bis hin zu umfangreichen individuellen Bewegungs- und Leistungsanalysen.
Insbesondere die Einlagenversorgung bildet einen wesentlichen Geschäftsbereich. Durch handwerkliche Leistung und großem Innovationsgespür hat es das Unternehmen mit dem SECOSOL-Einlagensystem unter anderem geschafft, zu einem der führenden europäischen Hersteller von Einlagen für Arbeits- und Sicherheitsschuhe zu werden. Dieses System ist berufsgenossenschaftlich zertifiziert und wird weltweit von 75 Produzenten von Arbeitsschuhwerk verwendet. Zudem bestehen vielfältige Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen, die direkt bei der Hartmann Orthopädie + Sport GmbH orthopädische Einlagen für ihre Angestellten beziehen – darunter heimische Firmen wie die Isabellenhütte aber auch andere Großbetriebe, wie zum Beispiel die Berliner Verkehrsgesellschaft.
Neben klassisch orthopädisch ausgebildeten Fachkräften arbeiten an den beiden Standorten in Dillenburg-Frohnhausen und Eschenburg-Hirzenhain unter anderem Sport- und Bewegungswissenschaftler, die in Verbindung mit dem traditionellen Schuhmacher-Handwerk eine weitere wichtige Säule des Unternehmens bedienen: die Produktion von individuell angepassten Schuhen und Einlagen für den Spitzensport. In dieser Geschäftssäule bilden traditionelles Handwerk, wissenschaftliche Erkenntnisse und modernste Herstellungs- und Analyseverfahren eine beeindruckende Symbiose, auf deren Ergebnisse Spitzensportlerinnen und Spitzensportler weltweit schwören: Sportlerinnen und Sportler wie Gesa Krause, Joshua Kimmich und Neymar Jr. sowie weitere Athleten aus der Leichtathletik erzielten sportliche Leistungen mit Hartmann-Produkten – so zum Beispiel fünf Gold-, fünf Silber- und eine Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris – sprechen für sich und brachten die Mitglieder der Wirtschaftsdelegation zum Staunen.
Ein weiteres Ausrufezeichen für die handwerkliche Spitzenqualität der Produkte ist die enge Partnerschaft mit PUMA, die sich unter anderem in der Gründung des NITRO LAB am Standort in Dillenburg-Frohnhausen ausdrückt. In diesem Labor können gezielte und feingliedrigere Analysen der Bewegungskräfte von Sportlerinnen und Sportlern durchgeführt werden, die anschließend in die Produktion von hochangepassten Schuhen beziehungsweise Einlagen münden.
Innovative Technik ergänzt handwerkliche Arbeit
Neben dem Einsatz modernster Technologie im NITRO LAB, wird auch die klassische Herstellung orthopädischer Einlagen weiterentwickelt. Gegenwärtig werden in der Produktion Testzyklen mit 3D-Druckern durchgeführt, die perspektivisch verstärkt in der Herstellung eingesetzt werden sollen. Dabei gehe es nicht um die Subsituierung von Arbeitskräften, wie Matthias Hartmann betont, sondern vielmehr darum, auch in der Produktion von Einlagen für den Nicht-Spitzensportbereich noch genauere und noch besser an das individuelle Fußbett angepasste Schuhe und Einlagen herstellen zu können. „Die Fußgesundheit unsere Kundinnen und Kunden hat für uns stets oberste Priorität“, unterstreicht Matthias Hartmann. Sein Sohn Daniel ergänzt, „wir sprechen dabei über Detailtiefen im kleinsten Millimeterbereich, bei denen uns moderne Technik unterstützen und somit zu einer noch besseren Fußunterstützung unserer Kundinnen und Kunden führen kann.“ Dass jedoch auch die modernste Technik den handwerklichen Anteil an der Herstellung der Hartmann-Produkte nicht wird ersetzen können, darin sind sich Vater und Sohn einig. Dieses Beispiel unterstreicht, dass trotz zunehmender Digitalisierung und technischen Möglichkeiten, handwerkliche Leistungen weiterhin von entsprechend ausgebildeten Fachkräften erzeugt werden müssen. Der Besuch bei der Matthias Hartmann Orthopädie + Sport GmbH steht damit sinnbildlich dafür, wie sich moderne Technik, wissenschaftliche Erkenntnisse und traditionelles Handwerk gewinnbringend vereinen lassen.
Landrat Carsten Braun zeigte sich tief beeindruckt vom Herstellungs- und Leistungsspektrum des Unternehmens. „Die Entwicklung von Hartmann Orthopädie + Sport zeigt eindrucksvoll, welches Innovationspotenzial in unserem heimischen Handwerk steckt. Hier werden jahrzehntelange Erfahrung, handwerkliche Präzision, medizinisches Wissen und moderne Technologie miteinander verbunden. Darüber hinaus steht das Unternehmen beispielhaft für gelungene Investitionen in die Zukunft – sowohl was die interne Nachfolge betrifft, als auch für das große Engagement im Bereich der Ausbildung von jungen Menschen sowie der Beschäftigung von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.“



