11.02.2026 | 20:09

Versorgung im Lahn-Dill-Kreis langfristig sichern

Pressemitteilung der Lahn-Dill-Kliniken: Zukunft der Klinik Falkeneck in Braunfels

Das Standortkonzept der Lahn-Dill-Kliniken sieht langfristig eine Bündelung der geriatrischen Versorgung am Standort Wetzlar vor. Ziel bleibt eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung – im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Mitarbeitenden und der Region. Foto: Lahn-Dill-Kliniken

Das Standortkonzept der Lahn-Dill-Kliniken sieht langfristig eine Bündelung der geriatrischen Versorgung am Standort Wetzlar vor. Ziel bleibt eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung – im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Mitarbeitenden und der Region. Foto: Lahn-Dill-Kliniken

Braunfels/Wetzlar, 11. Februar 2026 – Die Geschäftsleitung, der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung der Lahn-Dill-Kliniken stellen die Weichen für eine zukunftsfähige Krankenhaus- und Gesundheitsversorgung im Landkreis. Ziel aller strategischen Entscheidungen ist es, die medizinische Versorgung der Bevölkerung des Lahn-Dill-Kreises langfristig sicherzustellen, die Qualität weiterzuentwickeln und zugleich tragfähige wirtschaftliche Strukturen zu schaffen – im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Beschäftigten und der Region insgesamt.

Tiefgreifende Veränderungen erfordern aktives Gestalten

Die Krankenhauslandschaft in Deutschland befindet sich in einem grundlegenden Umbruch. Neue gesetzliche und krankenhausplanerische Vorgaben, veränderte Finanzierungs­bedingungen, der demografische Wandel sowie ein zunehmender Fachkräftemangel – insbesondere im ärztlichen Dienst – stellen alle Krankenhausträger vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, bestehende Strukturen kritisch zu überprüfen und aktiv weiterzuentwickeln.

„Es geht uns um die Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung für die Menschen im Lahn-Dill-Kreis – heute und in Zukunft. Dafür müssen wir Veränderungen zulassen und vorausschauend gestalten, wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend wandeln“, betont Landrat Carsten Braun. Entscheidend sei dabei, den Wandel transparent, verantwortungsvoll und mit Augenmaß umzusetzen – mit Blick auf die Patientinnen und Patienten, die Beschäftigten sowie die langfristige Stabilität der Gesundheitsversorgung im gesamten Kreisgebiet

Standort Braunfels vor besonderen strukturellen Herausforderungen

Der Standort Falkeneck in Braunfels ist als kleinster Klinikstandort der Lahn-Dill-Kliniken von diesen Entwicklungen in besonderer Weise betroffen. Trotz erheblicher Investitionen in den vergangenen Jahren ist es zunehmend schwierig geworden, dauerhaft ausreichend ärztliches Personal zu gewinnen. Gleichzeitig verschärfen neue gesetzliche Rahmenbedingungen die Voraussetzungen für den Weiterbetrieb einzelner Fachbereiche.

Mit der Krankenhausreform gelten ab dem 1. Januar 2027 zusätzliche medizinische Qualitätsanforderungen. Für den Fortbestand der Geriatrie ist dann ein spezieller Fachklinikstatus erforderlich. Weitere akutstationäre Fachabteilungen können am Standort Braunfels unter den neuen krankenhausplanerischen Vorgaben nicht mehr vorgehalten werden. In der Folge könnten künftig nur noch rund 40 Prozent der vorhandenen Betten ausgelastet werden. Ein dauerhafter wirtschaftlicher und organisatorisch tragfähiger Betrieb der Geriatrie am Standort Braunfels ist unter diesen Bedingungen langfristig nicht mehr darstellbar und würde perspektivisch die Stabilität der Lahn-Dill-Kliniken insgesamt gefährden.

Bündelung der Geriatrie in Wetzlar – medizinisch sinnvoll und zukunftsfähig

Vor diesem Hintergrund sieht das Standortkonzept der Lahn-Dill-Kliniken langfristig eine Bündelung der geriatrischen Versorgung am Standort Wetzlar vor. Dort ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen relevanten Fachdisziplinen eines leistungsfähigen Klinikums möglich. Für geriatrische Patientinnen und Patienten bedeutet dies kurze Wege, eine unmittelbare Akutversorgung sowie eine umfassende medizinische Betreuung, insbesondere bei komplexen Krankheitsbildern und Mehrfacherkrankungen.

„Wichtig ist uns dabei ein geordneter und verantwortungsvoller Übergang. Die Geriatrie wird erst dann endgültig verlagert, wenn in Wetzlar ausreichend geriatrische Betten und die erforderlichen Strukturen bereitstehen“, erklärt Tobias Gottschalk, Sprecher der Geschäftsführung der Lahn-Dill-Kliniken.

Am Standort Wetzlar ist der Neubau eines eigenständigen geriatrischen Bereichs mit direkter Anbindung an das Haupthaus geplant. Das Bauvorhaben soll maßgeblich mit Hilfe von Fördermitteln realisiert werden. Geplant ist unter anderem die Aufstockung des bestehenden Konferenzgebäudes um zwei weitere Geschosse. Die stationären, tagesklinischen und therapeutischen Angebote der Geriatrie werden in einem räumlich eigenständigen Bereich untergebracht, der zugleich eine unmittelbare interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht.

Behandlung und Pflege werden dort künftig unter zeitgemäßen, modernen und patientengerechten Rahmenbedingungen stattfinden. Dies stellt sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für die Beschäftigten einen deutlichen qualitativen Fortschritt dar und stärkt die Attraktivität der Geriatrie als Arbeits- und Versorgungsbereich nachhaltig.

Aufgrund der erforderlichen Planungs- und Bauzeit wird der Betrieb der Geriatrie am Standort Braunfels baubedingt voraussichtlich noch bis ins Jahr 2028 fortgeführt. Die Versorgungssicherheit ist zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.

Klare Zusage an die Beschäftigten

Ein zentraler Bestandteil des gesamten Prozesses ist die soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten. Kein Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin der Geriatrie in Braunfels muss Sorge um den eigenen Arbeitsplatz haben. Alle Arbeitsverhältnisse bleiben erhalten. Der Veränderungsprozess erfolgt transparent, schrittweise und im engen Dialog mit den Beschäftigten, den Interessenvertretungen sowie den politischen Gremien.

Nachnutzung Falkeneck und Stärkung des Gesundheitsstandorts Braunfels

Die perspektivische Verlagerung der Geriatrie stellt ausdrücklich keine Abkehr vom Standort Braunfels dar. Im Gegenteil: Sowohl die Lahn-Dill-Kliniken als auch der Lahn-Dill-Kreis und die Stadt Braunfels verfolgen das gemeinsame Ziel, den Gesundheitsstandort Braunfels langfristig zu stärken und die Liegenschaft Falkeneck kapazitativ auszulasten.

Aktuell arbeitet die Geschäftsführung der Lahn-Dill-Kliniken an einem tragfähigen Nachnutzungskonzept. Geplant ist ab Ende 2026 die schrittweise Vermietung derzeit ungenutzter Flächen an einen bundesweit tätigen neurologischen Reha-Klinik-Betreiber. Ziel ist der Aufbau einer Rehabilitationsklinik mit stationären Angeboten der Versorgungsstufen C und D.

Der demografische Wandel führt zu einem deutlich steigenden Bedarf an Rehabilitationsleistungen dieser Phasen. Die Ansiedlung einer weiteren Reha-Einrichtung ergänzt bestehende Angebote sinnvoll, stärkt die Versorgungskette von der Akutbehandlung bis zur Rehabilitation und trägt zur Bildung eines Gesundheitsclusters mit mehreren Akteuren bei. Dies verbessert erfahrungsgemäß die Versorgungsqualität, Innovationskraft und Attraktivität für Fachkräfte.

Künftig können über 100 Reha-Patientinnen und -Patienten am Standort Braunfels versorgt werden. Dies hat auch eine wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Braunfels – durch Arbeitsplätze, zusätzliche Kaufkraft und eine nachhaltige Belebung des Standorts.

Weitere strukturelle Anpassungen im Landkreis

Die derzeit in Braunfels angesiedelte Schmerztherapie kann aufgrund der kranken­hausplanerischen Qualitätsvorgaben ab 2027 nicht mehr isoliert betrieben werden. Sie wird daher nach Dillenburg verlagert, wo die strukturellen Voraussetzungen – insbesondere durch vorhandene Fachabteilungen – gegeben sind. Dort ist ein Ausbau auf 16 bis 20 stationäre Betten geplant, um die schmerztherapeutische Versorgung im Lahn-Dill-Kreis langfristig zu sichern und den Standort Dillenburg weiter zu stärken.

Wirtschaftliche Verantwortung für das Gesamtunternehmen

Auch aus unternehmerischer Sicht sind die getroffenen Entscheidungen notwendig und verantwortungsvoll. Der derzeitige Leerstand von rund zwei Dritteln der Flächen am Standort Falkeneck ist unwirtschaftlich. Eine durch Vermietung erreichte Auslastung des Standorts leistet einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Stabilität der Lahn-Dill-Kliniken insgesamt. Dies ist eine zentrale Voraussetzung, um auch künftig eine leistungsfähige und qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung im gesamten Lahn-Dill-Kreis sicherzustellen.

Transparenz und Dialog

Die Geschäftsleitung, der Aufsichtsrat, die Gesellschafterversammlung der Lahn-Dill-Kliniken sowie der Lahn-Dill-Kreis sind sich bewusst, dass die anstehenden Veränderungen Fragen aufwerfen. Wir setzen daher weiterhin auf größtmögliche Transparenz und einen offenen, konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten.

Ziel bleibt eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung – im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Mitarbeitenden und der Region.