Foto (Lahn-Dill-Kreis /Judith Muhlberg): Ein Rückblick auf ein unvergleichbares Jahr: Am 27. Februar 2020 bricht das Corona-Virus im Lahn-Dill-Kreis aus

Ein Rückblick auf ein unvergleichbares Jahr

Am 27. Februar 2020 bricht das Corona-Virus im Lahn-Dill-Kreis aus

Wetzlar/Herborn/Dillenburg (ldk). Seit einem Jahr ist das Corona-Virus nun Teil des Alltags im Lahn-Dill-Kreis. Ein Rückblick auf dieses unvergleichbare Jahr fasst Herausforderungen, Rückschläge und Erfolge zusammen.

Am Abend des 27. Februar 2020 lag das Testergebnis vor. Positiv. Es war der erste Corona-Fall im Lahn-Dill-Kreis und auch der erste Fall in ganz Hessen. Danach ging alles ganz schnell. Für den Morgen des 28. Februar 2020 lud die Kreisverwaltung zu einer Pressekonferenz ein. Der große Sitzungssaal in der Kreisverwaltung am Karl-Kellner-Ring in Wetzlar wurde zum Medienzentrum. Videokameras, Fotoapparate und Mikrofone wurden aufgebaut. Presse- und Medienvertreter aus ganz Hessen und weit über die Landesgrenzen hinaus sind nach Wetzlar gekommen. Wie würde es jetzt weitergehen? Frage und Antwort standen damals:  

Wolfgang Schuster, Landrat Lahn-Dill-Kreis

Kai Klose, Hessischer Gesundheitsminister

Tobias Gottschalk, Geschäftsführer der Lahn-Dill-Kliniken GmbH

Dr. Gisela Ballmann, Leiterin Gesundheitsamt Lahn-Dill-Kreis

Ute Hiller, Leitende Ärztin Krankenhaushygiene der Lahn-Dill-Kliniken GmbH

Prof. Dr. Stephan Becker, Institut für Virologie, Philips-Universität Marburg.

„Da sich das Corona-Virus zunehmend in Europa ausgebreitet hat, haben wir im Lahn-Dill-Kreis auch im Vorfeld bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir wirksam, schnell und zeitnah helfen können“, sagte Landrat Wolfgang Schuster damals. Wichtig sei nun, die Infektionsketten nachzuverfolgen, um die Verbreitung des Virus zu einzudämmen.

Zwei Tage später wurde die zweite Corona-Erkrankung im Lahn-Dill-Kreis festgestellt, eine Woche später folgten Fall drei und vier. Am 6. März musste eine Schulklasse vorsorglich in Quarantäne geschickt werden, nachdem sie aus Südtirol, das während ihres Aufenthalts zum Risikogebiet erklärt wurde, zurückkehrte. Darauffolgende Corona-Tests erwiesen sich als negativ.

Am 11. März 2020 war der Lahn-Dill-Kreis als Schulträger zur ersten Schulschließung im Rahmen der Corona-Maßnahmen gezwungen: In einer Kindertagesstätte und in einer Grundschule in Dutenhofen hatten zwei Personen Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall.

Auch Veranstaltungen mit über 1.000 Besuchern waren ab diesem Tag verboten. Kurz darauf stufte die Weltgesundheitsorganisation die Verbreitung des Corona-Virus als Pandemie ein. Als Reaktion darauf wurden die Kreistagssitzung am 30. März 2020 sowie alle Sitzungen der Fachausschüsse in der 12. und 13. Kalenderwoche abgesagt. Die Mitglieder der Kreisgremien wollten mit gutem Beispiel vorangehen und auf diese Weise zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger beitragen.

Am 13. März verzeichnete der Lahn-Dill-Kreis seinen fünften Corona-Fall. Parallel wurde bekanntgeben, dass Schulen hessenweit vorerst schließen. Durch das Konzept des „Digitalen Klassenzimmers“ war der Lahn-Dill-Kreis darauf gut vorbereitet. Das Schul-Kommunikationssystem I-Serv machte den Unterricht von zu Hause möglich. Außerdem gab es ein Betreuungskonzept für Schulkinder.

Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister einigten sich darauf, alle Veranstaltungen im Landkreis vorerst abzusagen. In dieser Zeit appellierte Landrat Wolfgang Schuster an die Bürgerinnen und Bürger des Lahn-Dill-Kreises: „Es geht um unser aller Gesundheit. In dieser Situation, wie wir sie alle zuvor noch nicht erlebt haben, ist der Zusammenhalt immens wichtig. Deshalb meine dringliche Aufforderung und Bitte: Versucht den Kontakt zu anderen so gut es geht zu vermeiden. Denkt an eure Mitmenschen. Wir alle müssen uns jetzt solidarisch zeigen.“

Zu diesem Zeitpunkt wurde der Lahn-Dill-Kreis zusätzlich mit einer eher unerwarteten Begebenheit konfrontiert: Da aufgrund der Corona-Lage immer mehr Menschen zuhause geblieben sind und auch von dort aus arbeiteten, waren die Abwasserpumpen einer neuen Belastung ausgesetzt. Immer wieder fielen einzelne Pumpen aus und das Abwasser konnte nicht mehr ungehindert abfließen – es kam zu verstopften Kläranlagen. Es wurde deutlich, dass viele Dinge über die Toilettenspülung entsorgt wurden, die dort eigentlich nichts verloren haben. Ein Aufruf der Kreisverwaltung über die Sozialen Medien löste Erstaunen in der Bevölkerung aus – und letztendlich auch die Verstopfung der Rohre.

Erstes Altenheim betroffen
Mit dem DRK-Heim in Haiger war am 20. März 2020 das erste Altenheim im Landkreis betroffen. Mehrere Menschen wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Das Heim stand daraufhin unter Quarantäne. Sechs Tage später überschritten die Fallzahlen die Hundertermarke: Der Lahn-Dill-Kreis verzeichnete 103 Infizierte.

Das Infektionsgeschehen wurde in diesem Zeitraum immer drastischer. In Rund zehn Tagen hat sich die Zahl der Infizierten beinahe verdoppelt. Landrat Wolfgang Schuster informierte darüber, dass der „Verwaltungsstab Corona“ auf Hochtouren arbeite. Dieser Stab ist ein Kriseninstrument zur Bewältigung der Pandemie. Er wurde bereits mit dem Ausbruch des Virus' im Landkreis Ende Februar 2020 einberufen. Der Stab besteht bis heute und umfasst Vertreterinnen und Vertreter aus Gesundheitsamt, Sozialamt, Jugendamt, Personalabteilung, IT, Schulabteilung, Kreisordnungsbehörden, Gefahrenabwehr, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Lahn-Dill-Kliniken, des Staatlichen Schulamtes, der Verkehrsbetriebe (VLDW), der Polizei sowie der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landkreises. „Unser ‚Verwaltungsstab Corona‘ trifft sich, je nach Lage, ein- bis dreimal pro Woche. Die Entwicklungen der Corona-Krise werden ständig beobachtet, sodass wir schnell reagieren können“, erklärte der Landrat damals. „Wir tauschen uns aus und treffen Entscheidungen. Damit bleibt die Kreisverwaltung auch in dieser Krise nah an den Bürgerinnen und Bürgern.“

Erster Lockdown
Am 22. März 2020 folgte der erste bundesweite Corona-Lockdown und mit ihm das   Kontaktverbot. Dieses sollte ursprünglich auf zwei Wochen beschränkt sein, wurde letztendlich aber bis Mai verlängert. Die Gastronomie und weitere Dienstleistungsbetriebe und der Einzelhandel mussten bis auf einige Ausnahmen für den täglichen Bedarf vorerst schließen– das betraf auch die Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises. Sie schloss für den Publikumsverkehr. Die Erreichbarkeit für die Bürgerinnen und Bürger wurde aufrechterhalten: Verwaltungsangelegenheiten konnten trotzdem per E-Mail oder telefonisch abgewickelt werden. Präsenztreffen waren mit vorher vereinbarten Terminen weiterhin möglich. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Landkreis 21 Corona-Fälle. Wegen der geschlossenen Kindertagesstätten und Schulen stellte der Landkreis eine Sofortbetreuung für Kinder und Jugendliche sicher.

Um in der stetig ernster werdenden Situation die bestmögliche Unterstützung für Bürgerinnen und Bürger bieten zu können, optimierte der Lahn-Dill-Kreis stets seine Kommunikationsmaßnahmen. So wurde zum Beispiel die Corona-Hotline des Gesundheitsamtes weiter ausgebaut. Die Online-Community des Facebook-Kanals der Kreisverwaltung ist zudem stetig gewachsen und hat sich im Laufe des Pandemie-Jahres nahezu verdoppelt. Die Facebook-Seite des Lahn-Dill-Kreises entwickelte sich zu einer wichtigen Kommunikationsplattform, die mit ihren Beiträgen durchschnittlich 50.000 bis 100.000 User erreicht. Wegen Infektionen innerhalb der Lahn-Dill-Kliniken wurde von Ende März bis Anfang Februar 2020 ein temporärer Aufnahmestopp für Patienten verhängt.

Erster Corona-Todesfall im Lahn-Dill-Kreis
Der 2. April 2020 war ein einschneidender Tag während der Bekämpfung der Pandemie. Mit großem Bedauern musste der Lahn-Dill-Kreis seinen ersten Corona-Todesfall verzeichnen. Innerhalb von vier Tagen verstarben drei weitere Menschen an dem Virus. Zum Stand des 6. April 2020 gab es 266 aktive Corona-Fälle im Landkreis. Am 7. April erhielt der Landkreis Schutzausrüstung vom Land in Form von 69.000 Masken. Eine Woche später traf die Schutzausrüstung der chinesischen Partnerregion des Lahn-Dill-Kreises ein.

Maskenpflicht, Abstand halten – Die Zahlen sinken
Mit der neuen Schutzausrüstung und den Masken wurde am 27. April 2020 die Maskenpflicht für Geschäfte und Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Ab dem 15. Mai 2020 gibt es die Regel, zu Mitmenschen einen Abstand von 1,5 Metern zu halten. Durch die vorbildliche Einhaltung der Corona-Regeln im Lahn-Dill-Kreis konnten nach kurzer Zeit Lockerungen der Corona-Maßnahmen vollzogen werden: Geschäfte und der Einzelhandel öffneten wieder. Die Maskenpflicht blieb bestehen.

Aufgrund der weiterhin sinkenden Zahlen konnte ab dem 15. Mai auch die Gastronomie unter Einhaltung von Hygieneregelungen wieder öffnen. Die Infektionszahlen gingen über den Sommer so stark zurück, dass der Lahn-Dill-Kreis zwischenzeitlich sogar einen Inzidenzwert von 0 verzeichnen konnte. Das war im Juli 2020. So konnten im Sommer auch zahlreiche Veranstaltungen, mit zum Teil mehreren hunderten Teilnehmern, wie z. B. Spiele der HSG-Wetzlar in der Ritta-Arena oder des TSV-Steinbach in Haiger sowie Freiluft- und Autokinoveranstaltungen in Herborn oder die Lebensartmesse in Dillenburg stattfinden. Grundlage dafür war die enge Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und den Veranstaltern, die gut vorbereitete Hygienekonzepte vorlegt haben.

Mit Ende der Sommerferien und Wiederöffnung der Schulen stiegen aber auch die Infektionszahlen im Kreis wieder an. Am 24. August 2020 musste eine Schulklasse unter Quarantäne gestellt werden, es gab zu diesem Zeitpunkt 35 aktive Fälle im Lahn-Dill-Kreis. Zwei Tage später wurden zwei weitere Klassen in Quarantäne geschickt.

Lahn-Dill-Kreis erreicht fünfte Eskalationsstufe und Lockdown light
Im Oktober spitzte sich die Lage weiter zu. Innerhalb von 16 Tagen stieg der Lahn-Dill-Kreis von der zweiten in die fünfte Stufe des Eskalationskonzeptes des Landes Hessen auf. Die Folge: Am 22. Oktober mussten wieder Kontakteinschränkungen eingeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Kreis fast 300 aktive Corona-Fälle.

Am 2. November folgte schließlich der bundesweite „Lockdown light“. Das bedeutete, dass die Gastronomie, sowie Dienstleistungen im Bereich der Körperpflege wieder schließen mussten. Der Einzelhandel blieb unter Hygieneauflagen geöffnet. Die Bürgerinnen und Bürger sollten Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit war nur mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet, höchstens jedoch mit 10 Personen.

Erstes Testzentrum im Eigenbetrieb durch den Landkreis
Kurz darauf eröffnete am 6. November 2020 das neue Corona-Testzentrum des Lahn-Dill-Kreises in Aßlar-Bechlingen. Die ersten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr kamen in den Landkreis, um das Gesundheitsamt beim Testen zu unterstützen und die Verfolgung der Kontaktpersonen aufrecht zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt sind durchschnittlich knapp 600 Menschen im Landkreis infiziert. Es gilt, rund 7.000 bis 8.000 Kontakte nachzuverfolgen.

Dem Landkreis war und ist es sehr wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern während der Pandemie so gut wie möglich unter die Arme zu greifen. Deswegen wurden unter anderem auch immer wieder Angebote zur psychischen Unterstützung beworben.

Zweiter Lockdown
Die ursprünglichen Regelungen des „Lockdown light“ wurden am 16. Dezember verschärft – Deutschland war im zweiten Lockdown. Seitdem galten wieder die Regelungen aus dem ersten Lockdown. Dienstleistungen und Geschäfte mussten größtenteils wieder schließen und die Kontaktbeschränkungen wurden erneut verschärft.

Impfzentrum wird aufgebaut
Am 18. Dezember folgte ein toller Erfolg im Kampf gegen die Pandemie: Nur 23 Tage nach Eingang des Einsatzbefehls der Landesregierung konnte der umfangreiche Vertrag zum Betreiben des Impfzentrums in Lahnau-Waldgirmes zwischen dem Landkreis und dem DRK Kreisverband Dillkreis e.V. unterzeichnet werden. Drei Tage später wurde auch der Biontech-Impfstoff in der Europäischen Union zugelassen. Innerhalb von nur zwei Wochen wurde das Impfzentrum aufgebaut und am 27. Dezember folgte die erste Impfstofflieferung an den Lahn-Dill-Kreis. So konnte am 28. Dezember der Impfstart in den Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis mit mobilen Impfteams beginnen. „Wir sind froh, dass es losgeht. Unsere Impfteams leisten eine tolle Arbeit in den Einrichtungen. Der Impfstart gibt uns Hoffnung. Man sieht Licht am Ende des Tunnels“, äußerte sich Landrat Wolfgang Schuster damals. Am 4. Januar 2021 starteten die Impfungen an den Lahn-Dill-Kliniken mit dem Ziel, das medizinische Personal bis Ende März zu impfen.

Seit Dienstag, den 12. Januar 2021 können sich Hessinnen und Hessen, die der höchsten Priorisierungsstufe angehören, online oder telefonisch zur Corona-Schutzimpfung anmelden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Frauen und Männer, die 80 Jahre und älter sind sowie Personal in Altenpflege- und Pflegeeinrichtungen, ambulanten Pflegediensten, Rettungsdienste sowie weiteren medizinischen Einrichtungen.

Todesfall nach Impfung
Die Hoffnung rund um das Impfen war groß, musste am 19. Januar 2021 allerdings einen Rückschlag erfahren: Eine 91-jährige Frau ist in einem Altenpflegeheim in Wetzlar nach ihrer ersten Corona-Impfung verstorben. Die Betroffenheit war groß. Medial hat der Fall für viel Aufsehen gesorgt. Der Tod der Betroffenen konnte im Nachhinein aufgeklärt werden. Er stand nicht in Verbindung mit der Corona-Impfung.  

Impfzentrum ist einsatzbereit
Anfang Februar 2021 gab der Landkreis bekannt, dass das Impfzentrum in Lahnau ab dem 9. Februar 2021 öffnet. Prozessprüfungen und Optimierungen konnten erfolgen, sodass das Impfzentrum pünktlich einsatzbereit war. Das Personal wurde seit Ende Dezember 2020 geschult.

Personen, die der höchsten Priorisierungsgruppe angehören, können seit dem 3. Februar Termine zur Impfung vereinbaren. Um die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises umfangreich beratend unterstützen zu können, hat der Lahn-Dill-Kreis im selben Zuge seine Corona-Hotline erweitert.

Das Impfzentrum des Lahn-Dill-Kreises ist mit insgesamt sieben Impfstraßen, einem großen Wartebereich für rund 35 Personen sowie einer geräumigen Ruhezone für die Wartezeit nach der Impfung, ausgestattet. Bei voller Termin- und Impfstraßenbelegung können hier täglich an sieben Tagen in der Woche rund 1.000 Menschen geimpft werden.

Ab dem 9. Februar werden zunächst zwei bis drei Impfstraßen in Betrieb genommen. Täglich können bis zu circa 150 Menschen geimpft werden. Das geben die aktuell zur Verfügung stehenden Impfstoffmengen her. Zunächst wird das Zentrum für neun Stunden täglich geöffnet. Sollten sich die Impfstoffkapazitäten erhöhen, ist der Landkreis jederzeit in der Lage, den Durchlauf im Impfzentrum zu erhöhen.

Erneuter Aufnahmestopp in den Kliniken und britische Virusvariante
Von Ende Januar bis Anfang Februar 2021 wurde aufgrund steigender Infektionen ein erneuter Aufnahmestopp in den Lahn-Dill-Kliniken verhängt.

Parallel gab es vermehrt Hinweise auf eine flächendeckende Verbreitung von Coronavirus-Mutationen im Lahn-Dill-Kreis. Zwar gab es keine Anzeichen für veränderte Krankheitsverläufe, allerdings war und ist von einer höheren Ansteckungsfähigkeit, beziehungsweise einer leichteren Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch auszugehen. Der Landkreis appelliert an seine Bürgerinnen und Bürger, besonders achtsam zu sein und sich genau an die geltenden Corona-Regeln zu halten.

Impfzentrum öffnet
Am Dienstag, den 9. Februar 2021, konnte der offizielle Betrieb im Impfzentrum des Lahn-Dill-Kreises in Lahnau-Waldgirmes erfolgreich aufgenommen werden. 227 Injektionen gegen das Corona-Virus wurden an diesem Tag verabreicht. Bis heute läuft der Impfbetrieb nahezu reibungslos. Die Mitarbeitenden im Impfzentrum sind motiviert. Rückmeldungen der geimpften Menschen fallen durchweg positiv aus.

Einen Schatten auf den erfolgreichen Start in Lahnau warf die Berichterstattung der lokalen Presse in derselben Woche. Während der Testläufe im Impfzentrum haben auch nicht priorisierte Impfungen stattgefunden, lautete der Vorwurf. Landrat Wolfgang Schuster bestätigte dies nach Klärung, entschuldigte sich und gesteht Fehler ein. Auf den Vorfall hin hat der Lahn-Dill-Kreis nun eine „Ethik-Kommission Impfen“ eingesetzt, die künftig medizinisch-ethische Fragestellungen beraten wird und durch ihre Empfehlungen die Transparenz von Entscheidungen fördern und in schwierigen Konstellationen beraten kann.    

Situation heute
Zuletzt hatte der Lahn-Dill-Kreis damit zu kämpfen, dass die 7-Tage-Inzidenz bei einem Wert zwischen 120 und 150 stagnierte – eine Geduldsprobe für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, denn Lockerungen der Maßnahmen wurden durch das Land Hessen für Inzidenzwerte unter 50 bzw. unter 35 angekündigt.

Zu diesem Zeitpunkt waren viele Pflegeeinrichtungen und das Klinikum in Wetzlar stark betroffen. Aber nicht nur die lokalen Ausbruchsgeschehen dort, sondern auch kleine Virus-Cluster im privaten Bereich, verteilt auf den gesamten Landkreis, waren und sind ein nicht zu unterschätzender Faktor. „Wir haben die viel zu hohe Betroffenheit der Alten- und Pflegeheime im Auge“, so Landrat Wolfgang Schuster Anfang Februar. „Ich bitte Sie innigst: Halten Sie sich zurück, halten Sie Abstand! Vermeiden Sie unnötige soziale Kontakte, sonst werden wir dauerhaft diese hohen Werte haben.“

Heute, am 26. Februar 2021, gehen Experten davon aus, dass Deutschland vor der dritten Infektionswelle steht. Bis zum heutigen Tag haben bereits 12.937 Menschen im Landkreis ihre Erstimpfung gegen das Corona-Virus erhalten, 4.246 von ihnen konnten bereits zum zweiten mal geimpft werden. Die 7-Tage-Inzidenz, also der Wert, der aussagt, wie viele Menschen sich innerhalb einer Woche nachweislich mit dem Virus infizieren, liegt seit über einer Woche stabil zwischen 80 und 90. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr 26.790 Menschen aus dem Lahn-Dill-Kreis in Quarantäne befunden. Nachweislich infiziert waren insgesamt 7.143. Davon sind 163 Menschen verstorben. Aktuell infiziert sind 519 Personen, 568 Kontaktpersonen befinden sich in Quarantäne.

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