Gesundheitsplanung
„Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Arthur Schopenhauer
Gesundheit wird als hohes Gut bezeichnet und gleichzeitig nicht immer gut gepflegt oder als Selbstverständlichkeit gesehen. Im Krankheitsfall wird schnell deutlich wie kostbar die eigene Gesundheit ist und die damit verbundenen Fähigkeiten, zu lernen, zu arbeiten oder zu genießen.
Für ein gesundes Leben spielen verschiedenste Einflussfaktoren eine Rolle, die auch außerhalb der persönlichen Möglichkeiten und Selbstfürsorge liegen. Insbesondere die sozialen, ökonomischen und ökologischen Lebensumstände beeinflussen über welches Maß an Gesundheit einzelne Menschen verfügen. Bildung, Vermögen oder Lebensumwelt sind in unserer Gesellschaft ungleich verteilt und sorgen für ungleiche Chancen gesund zu leben. Deshalb ist Gesundheitsschutz auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Nach dem Hessische Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst besteht die Aufgabe eines Gesundheitsamtes u.a. darin, gesundheitliche Gefahren von der Bevölkerung abzuwehren sowie Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung zu veranlassen und zu koordinieren. Weiterhin haben Gesundheitsämter die Aufgabe, die gesundheitliche Situation der Bevölkerung zu beobachten, zu beschreiben und zu bewerten.
Um die Gesundheit der Menschen im Lahn-Dill-Kreis zu schützen und zu verbessern, nimmt sich das Team der Gesundheitsplanung dieser Aufgaben an und legt den Fokus insbesondere auf die Themen der kommunalen Gesundheitsstrategie, Gesundheitsberichterstattung, Prävention und Gesundheitsförderung sowie Versorgung.
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Kommunale Gesundheitsstrategie
Das Hessisches Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst verpflichtet die hessischen Gesundheitsämter eine integrierte Gesundheitsstrategie zu entwickeln, umzusetzen und zu evaluieren. An dieser Querschnittsaufgabe sind alle Politikbereiche zu beteiligen, um die Lebenswelten gesundheitsförderlicher zu gestalten und die gesundheitliche Chancengleichheit zu erhöhen.
Auch im Lahn-Dill-Kreises ist es das Ziel, eine interdisziplinäre und multisektorale Zusammenarbeit nach dem Weltgesundheitsorganisations-Ansatz „Health in All Policies“ aufzubauen und einen Gesundheitsplan als verbindliches Handlungskonzept zu entwickeln. Dadurch soll nachhaltig ein Beitrag zu Vermeidung sozial bedingter sowie geschlechterbezogener Ungleichheit von Gesundheitschancen geleistet werden. Im Fokus steht die Schaffung von gesundheitsförderlichen sowie medizinisch-pflegerischen Versorgungsstrukturen. Im Sinne der Daseinsvorsorge kommt dem Lahn-Dill-Kreis für die kommunale Gesundheitsförderung eine zentrale Informations-, Steuerungs- und Koordinierungsfunktion zu.
Durch ein gesamtstrategisches Vorgehen soll die systematische, ressort- und arbeitsfeldübergreifende Vernetzung von Gremien, freien Trägern, öffentlichen Institutionen und Gesellschaft erreicht werden, die in einen Veränderungsprozess des kommunalen Unterstützungssystems mündet. In Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren auf Kreisebene sollen Bedarfe und Bedürfnisse der Bevölkerung wie auch konkrete Angebote mittels der Gesundheitsberichterstattung analysiert und evaluiert werden.
Das Vorhaben wird durch den kommunalen Partnerprozess „Gesundheit für alle“ des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit unterstützt. Der Partnerprozess „Gesundheit für alle“ hilft den Kommunen beim Aufbau von Gesundheitsstrategien durch Vernetzung, Austausch und gemeinsames Lernen.
Gesundheitsberichterstattung
Das Ziel der Gesundheitsberichterstattung ist es, die gesundheitliche Situation der Menschen im Lahn-Dill-Kreis zu beobachten und zu beschreiben. Im Zentrum stehen dabei die Datenerhebung, -analyse und -interpretation. Bedarfe und Bedürfnisse sollen erhoben werden und als Entscheidungsgrundlage dienen, Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention sowie Gesundheitsversorgung bedarfsgerecht zu planen und durchzuführen („Daten für Taten“). Zudem spielt auch die Evaluation sämtlicher Projekte oder Maßnahmen eine Rolle. Auswertungen, Berichte oder Veröffentlichungen richten sich an verschiedenste Adressatinnen und Adressaten wie politische Entscheidungsträger, Fachkräfte oder interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Gesundheitsförderung
Ziel der Gesundheitsförderung ist es, dass alle Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre eigene Gesundheit erlangen. Insbesondere durch die Determinanten der Gesundheit kann eine Beeinflussung stattfinden, um mehr Chancengleich im Hinblick auf soziale Ungleichheit und Gesundheit, Chancengleichheit und Primäre Gesundheitsversorgung herzustellen.
Zentral für den Ansatz der Gesundheitsförderung ist die Stärkung der Gesundheitsressourcen und -potentiale. Damit wird die salutogenetische Sichtweise in den Fokus gestellt – nämlich wo und wie Gesundheit geschaffen wird. Im Sinne eines sozialen und politischen Ansatzes wird auf gesundheitsrelevante Lebensweisen und die Verbesserung von gesundheitsrelevanten Lebensbedingungen abgestellt. Das Regenbogenmodell bzw. Modell der Determinanten der Gesundheit verdeutlicht auf welchen Ebenen Gesundheitsförderung ansetzt.

Quelle: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) in Anlehnung an Dahlgreen, G. & Whitehead, M. (1991) (Poster_Regenbogenmodell_A1_RZ.indd)
Prävention

Gesundheitsförderung und Prävention als sich ergänzende Strategien.
Quelle: BIÖG – Leitbegriffe: Gesundheitsförderung 1: Grundlagen
Als ergänzende Strategie zur Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit kommt die Perspektive der Prävention hinzu. Darunter sind sämtliche Maßnahmen zu verstehen, die darauf hinwirken, eine Gesundheitsstörung zu vermeiden, abzuschwächen oder zeitlich zu verschieben. Zentral ist dabei die Kenntnis über krankheitserzeugende Mechanismen, Rahmenbedingungen und Risikofaktoren sowie ein frühzeitiges und systematisches Vorgehen, um negative Auswirkungen zu vermeiden. Präventionsmaßnahmen können sowohl individuell als auch gruppen- oder settingbezogen umgesetzt werden. Man unterscheidet zwischen Verhaltensprävention und Verhältnisprävention, die jedoch auch ineinandergreifen können. Bei der Verhaltensprävention wird auf die Veränderung des Verhaltens von Individuen abgezielt (z.B. Tabakentwöhnungskurs) und bei der Verhältnisprävention werden Verbesserung von gesundheitsschädlichen Umweltbedingungen und Lebensverhältnissen durch strukturelle Veränderungen erzielt (z.B. gesetzliches Rauchverbot).
Versorgung
Unter Gesundheitsversorgung werden alle Organisationen, Strukturen und Prozesse verstanden, die der Förderung der Gesundheit, der Vorbeugung von Krankheiten, der medizinischen und therapeutischen Behandlung, der Rehabilitation und der Pflege dienen. Die Qualität der Versorgung und die öffentliche Gesundheit wird durch diese ineinandergreifenden Leistungen des Gesundheitssystems entscheidend bestimmt.
Links rund um den ÖGD in Hessen und Deutschland
Projekte
Interprofessionelle Woche – Landarzt gesucht
Die hausärztliche Versorgung im Lahn-Dill-Kreis steht vor zunehmenden Herausforderungen, die bereits heute spürbare Auswirkungen auf die regionale Gesundheitsversorgung haben. Zahlreiche Hausarztpraxen können beispielsweise keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnehmen, da ihre Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Diese Engpässe beeinträchtigen auch die Koordination weiter-führender therapeutischer, kurativer und präventiver Maßnahmen, etwa durch eingeschränkte Ausstellung von Heilmittelverordnungen oder Überweisungen.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird unter dem Titel „Interprofessionelles Arbeiten im Lahn-Dill-Kreis“ ein neues Lehrangebot für Medizinstudierende geschaffen: eine interdisziplinäre Projektwoche. Medizinstudierende erhalten die Gelegenheit, die Strukturen und Akteure der Gesundheitsversorgung im nördlichen Lahn-Dill-Kreis kennenzulernen.
Nebolus
Das Projekt „Nebolus“ verfolgt einen integrativen Ansatz der Prävention und Gesundheitsförderung zum Themenfeld Suchtverhalten im Setting Schule. In einer Schulprojektwoche sollen Schülerinnen und Schüler auf Basis der digitalen Nebolus-Rallye durch Herborn oder Wetzlar geführt werden und dabei niedrigschwellig mit gesundheits- und suchtbezogenen Hilfs- und Unterstützungsangeboten in Kontakt kommen.
Das Projekt befindet sich in der Planungsphase. Neben der Vorbereitung der Rallye wird auch die Multiplikatorenschulung entwickelt. Eine Durchführung der Projektwochen ist für Herbst 2026 angedacht.
Gefördert durch:


Gesund und aktiv älter werden
Der Anteil älterer Bürgerinnen und Bürger und besonders der hochaltrigen Menschen nimmt immer weiter zu. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich der Anteil der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland verdoppelt. Im Lahn-Dill-Kreis wird bis zum Jahr 2030 mehr als ein Drittel der Bevölkerung 60 Jahre und älter sein, so dass Anpassungen nötig werden.
Das Älterwerden geht mit verschiedenen Veränderungen einher. Wie zum Beispiel der Übergang aus dem Berufsleben in den Ruhestand, der Umzug in ein altersgerechtes Wohnumfeld oder auch der Verlust von Menschen im nahen Umfeld. Zudem nehmen mit dem Alter chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Krebs- und Lungenerkrankungen und auch körperliche und kognitive Einschränkungen zu. Daraus resultieren gestiegene Anforderungen an die medizinische, pflegerische, soziale und alltägliche Versorgung, die sich auch in der kommunalen Daseinsvorsorge bemerkbar machen.
Der Lahn-Dill-Kreis will sich diesen Herausforderungen annehmen und eine ressortübergreifende Gesundheitsstrategie “Aktiv und gesund älter werden“ entwickeln. Es sollen Bedingungen geschaffen werden, die ein gesundes und selbstbestimmtes Leben für alle Menschen im Lahn-Dill-Kreis ermöglichen. Dabei stellen vor allem die Rahmenbedingungen von Gesundheit und Lebensqualität ein zentrales Thema der Daseinsvorsorge dar, so dass für ein zukunftsorientiertes nachhaltiges Handeln das Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft notwendig ist.
Die inhaltlichen Schwerpunkte sollen im Bereich Gesundheitsförderung & Prävention liegen, aber auch soziale Teilhabe und Versorgung miteinschließen. Im Zentrum stehen dabei ältere Menschen, die besonders schutzbedürftig, gefährdet oder sozial benachteiligt sind. Dies betrifft z.B. Personen, die chronisch krank, behindert, von Armut betroffen oder sozial isoliert sind oder über eine geringe Gesundheitskompetenz verfügen.
Veranstaltungen und Termine
Hier können Sie sich über künftige Termine und Veranstaltungen informieren sowie Berichte zu vergangenen Veranstaltungen finden.
Vergangene Veranstaltungen:
Kontakt
Team Gesundheitsplanung
Abteilung Gesundheit
Schlossstraße 20
35745 Herborn

