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Strom, Wärme, Kompost – das wird aus unserem Bioabfall

So funktionieren Bioabfallvergärung und Kompostierung in Essenheim

Über 30.000 Tonnen Bioabfall werden jedes Jahr im Lahn-Dill-Kreis über die Biotonnen eingesammelt. Doch was geschieht eigentlich damit, nachdem das Müllauto um die Ecke gebogen ist? Nur ein Teil des Bioabfalls wird im nächsten Kompostwerk in Dillenburg-Oberscheld abgeladen und dort zu Kompost weiterverarbeitet. Für den größeren Teil – fast 18.000 Tonnen – führt der Weg ganz überwiegend in das knapp 120 Kilometer entfernte Essenheim in der Nähe von Mainz. Dort wird mit Bioabfall Energie erzeugt.

Die braune Tonne ist geleert worden – und dann? Erste Station der meisten Bioabfälle aus dem Lahn-Dill-Kreis ist noch immer das Abfallwirtschaftszentrum Aßlar. Doch lange bleiben die Abfälle dort nicht. Nach der Wiegung wird das Biogut auf Lastwagen mit einer Ladekapazität von 23 Tonnen umgeladen. Ziel der nun anstehenden Reise: Rheinhessen. In der Vegetationszeit bis zu achtmal täglich. „Die Transportwege trüben die Öko-Bilanz nur auf den ersten Blick, am Ende wird bei dem Verfahren weit mehr Energie gewonnen als verbraucht“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber.

Unweit eines stillgelegten US-Stützpunktes liegt eine von insgesamt 18 Vergärungs- und Kompostanlagen der Veolia Umweltservice GmbH. Seit der letzten Neuausschreibung der Entsorgungsleistungen durch die Abfallwirtschaft Lahn-Dill im vergangenen Jahr ist das Unternehmen für die Verarbeitung der meisten Bioabfälle aus dem Lahn-Dill-Kreis zuständig. In der Anlage in Essenheim werden pro Jahr insgesamt 48.000 Tonnen Biogut verarbeitet – überwiegend aus der Stadt Mainz und dem Kreis Mainz-Bingen. Doch nur wenig erinnert an frühere Kompostwerke mit ihrem leicht süßlichen Bio-Geruch. Denn dieses Werk ist vollständig eingehaust und mit Abluftsystem und Biofiltern versehen.

Hinter der Fabrikfassade durchläuft der Bioabfall aus dem Lahn-Dill-Kreis einen 50 Tage dauernden Verarbeitungsprozess. „Kaskadennutzung“ heißt das Fachwort. Gemeint ist eine mehrfache Nutzung des organischen Materials. So wird daraus nicht mehr nur ein hochwertiger Dünger für die Landwirtschaft gewonnen, sondern auch Strom und Wärme. Nach einer Grobaufbereitung, bei dem der Bioabfall zerkleinert und durchmischt wird, übernimmt die Biologie die Regie. Doch anders als bei gewöhnlichen Kompostwerken ist dem Rotteprozess in der modernen Vergärungsanlage eine sogenannte Fermentation – eine anaerobe biologische Behandlungsstufe mit Biogasgewinn – vorgeschaltet.

Acht Millionen Kilowattstunden Strom

Die Trockenfermentation läuft in acht geschlossenen Fermentern (Bioreaktoren) mit einem Fassungsvermögen von je 300 Tonnen ab. Unter Ausschluss von Luftsauerstoff wachsen spezielle Bakteriengruppen, welche die Bildung von Biogas ermöglichen. In jedem der Reaktionsräume befindet sich Bioabfall in einem anderen Stadium der Fermentation, was einen gleichmäßigen Gasstrom für das angeschlossene Blockheizkraftwerk garantiert. Das 1,2-Megawatt-Kraftwerk kann 2000 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen. Es werden jährlich circa acht Millionen Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Der Gesamtenergieerhalt beträgt sogar knapp 20 Millionen Kilowattstunden. Und die Wärme, die das Kraftwerk erzeugt, wird für die Gebäude samt Anlagentechnik eingesetzt.

Erst nach drei Wochen wird kompostiert. Den Gärresten werden hierfür 17 Prozent Grünschnitt beigemischt, bevor sie in die Rottetunnel eingebracht werden. Aerobisierung, Hygienisierung, Stabilisierung nennt der Fachmann die nun folgenden Stationen der Kompostierung. Über eine gezielte Belüftung und Temperaturführung mit Temperaturen von über 65 Grad werden die natürlichen Reaktionen in den insgesamt zwölf Tunneln um ein Vielfaches intensiviert. Nach 21 Tagen ist aus dem Bioabfall aus dem Lahn-Dill-Kreis ein Kompost mit dem Rottegrad 5 geworden – die höchste Reifestufe für Kompost.

12 bis 13 Prozent Störstoffe

So komplex der Kompostierungsprozess ist, ohne die Feinaufbereitung wäre doch alle Mühe umsonst. Denn Verunreinigungen im Bioabfall sind ein wachsendes Problem. „Die größte Herausforderung liegt mittlerweile in der Aussortierung der Störstoffe“, berichtet der für die Anlage verantwortliche Niederlassungsleiter Thomas Geißler (Veolia). Aufgrund der Störstoffe in dem angelieferten Bioabfall fallen bezogen auf die Eingangsmenge 12 bis 13 Prozent Siebreste an, die nicht stofflich verwertet werden können und separat entsorgt werden müssen. Ohne Fehlwürfe könnte also kostengünstiger kompostiert werden.

Das Problem beschäftigt auch den Lahn-Dill-Kreis. „Wir werden nicht locker lassen, was die Qualität unserer Bioabfälle betrifft“, so Umweltdezernent Heinz Schreiber. Erst kürzlich hat die Abfallwirtschaft Lahn-Dill wieder begonnen Biotonnen zu kontrollieren. Vor allem Kunststofftüten und kunststoffähnliche Tüten sind ein Problem. Das betrifft ausdrücklich auch die Beutel, die laut Hersteller biologisch abbaubar sind. Sie zersetzen sich in den Anlagen nicht wie gewünscht und müssen aussortiert werden. Besser ist es daher, feuchte Bioabfälle in etwas Zeitungspapier einzuwickeln oder Bioabfall-Papiertüten zu verwenden.

Kontakt: Stefan Röger, Öffentlichkeitsarbeit Abfallwirtschaft und Lahn-Dill-Akademie, Tel. 06441 407-1813; E-Mail: stefan.roeger@awld.de

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